Die Bühne ist schlicht gestaltet. Nur ein roter Drehsessel und ein kleiner Beistelltisch sind hell beleuchtet. Auf dem Tisch fallen jedoch das Whiskeyglas und die Rumflasche auf. Sie sind Josef Haders wichtigste Utensilien für sein Programm „Hader on Ice“, mit dem er am Samstag in der Stadthalle Grafenwöhr auftrat. Hader ist bekannt und erfolgreich als Kabarettist, Schauspieler, Filmregisseur und Autor. Der Österreicher hat Preise und Auszeichnungen gewonnen. Darum kamen 700 Leute in die Stadthalle. Die meisten stammen von auswärts, Grafenwöhrer waren nur vereinzelt anzutreffen.
Die Gäste erlebten eine Parodie Haders auf sich selbst oder allgemein auf den alten, weißen Mann, wie er sein Programm auf Nachfrage erklärt. Mit der gelben Sonnenbrille, den angegrauten kurzen Haaren und einem ungepflegten Drei-Tage-Bart wirkt er fast wie Robert Downey Jr. in den Marvel-Filmen. Die Figur Hader ist seines Erfolgs überdrüssig, gelangweilt und genervt von der Wiener Schickeria: „Wien ist mir heute viel zu laut. Früher haben die Leute nicht miteinander geredet, das war deutlich besser.“ Er springt im österreichischen Dialekt von Punkt zu Punkt, ärgert sich über den Dalai Lama oder heiße Sommer. Eine echte Rahmenhandlung sucht man vergeblich.
Betrunken besonders nüchtern
Das einzige Leitmotiv, das sich wie ein roter Faden durch das Programm zieht, ist die Affinität der Figur Hader zum Alkohol. Glas für Glas leert er auf der Bühne, seine Aussprache wird verwaschener, seine Bewegungen holpriger. Alles gespielt, wohlgemerkt. Nach der Vorstellung erklärt er mit klarer Sprache: „Wenn man einen Betrunkenen spielt, muss man besonders nüchtern sein.“ Eine Kunst, die er sich vom amerikanischen Schauspieler und Entertainer Dean Martin abgeschaut hat, wie Hader erklärt: „Er war meine Inspiration für das Drunken Acting.“
Der Humor wird schon mal deftig. Als nach der Pause ein Witz der betrunkenen Figur Hader nicht gleich zündet, sagt er hinter vorgehaltener Hand: „Scheiß Publikum.“ Dafür erntet er viele Lacher. Typisch alter, weißer Mann, sehnt er sich nach besseren Zeiten zurück: Hader hadert mit dem Älterwerden, hat sich mit einer Wolfsfigur ein Alter Ego erzeugt und seine eigene Realität erschaffen: „Ich bin ja überzeugt, Hitler wollte Frieden, aber Churchill, die Russen,... alle waren gegen ihn.“ Oder: „Warum stehe ich nur im Stau, wenn ich es eilig habe? – es ist schon eine Belastung, so viel zu wissen wie ich.“ Im Abstrusen, in der Übertreibung hat „Hader on Ice“ seine Stärken. Das Programm versteht sich als gescheiterter Versuch eines Relikts aus der Vergangenheit, eine Welt, die sich weiterdreht, einzufangen und zu verstehen.
Oberpfalz immer gut
Nach knapp zwei Stunden war die Show vorbei. Wie fand der Künstler den Auftritt? „In der Oberpfalz ist es immer gut“, sagt Hader, „unsere Dialekte sind sich ähnlich, da ist gleich eine gewisse Verbindung da.“ In Oberbayern sei dies schon anders. Seine Show eröffnete er mit der Ankündigung, dies sei sein letztes Programm. Doch Hader kann beruhigen: „Damit fange ich die Leute gleich ein und jeder ist gespannt. Ich mache natürlich weiter.“
Hat das Publikum seine Parodie verstanden? „Ich glaube, alle wissen, die Show war eine Art Reise, die zeigt, wie schlecht sich die Figur Josef Hader entwickeln kann“, sagt der 64-Jährige und fügt mit einem Lachen hinzu: „Der echte Josef Hader ist da ganz anders.“





















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