30.03.2020 - 15:19 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Kulturgeschichte von Grafenwöhr

"Die Erziehung zur Musik ist von höchster Wichtigkeit, weil Rhythmus und Harmonie machtvoll in das Innerste der Seele dringen." Was Platon einst auf den Punkt brachte, dem nimmt sich der Grafenwöhrer Männergesangverein seit 130 Jahren an.

Seit 130 Jahren beseht der Grafenwöhrer Männergesangverein 1890. Dieses Jubiläum wollten die Sänger im April mit einem Fest feiern, bei dem der Kammerchor "Magnum" (im Bild) aus Estland gesungen hätte. Wegen der Coronakrise muss die Veranstaltung allerdings ausfallen. Vielleicht kann sie im Herbst nachgeholt werden, hoffen die MGV-Mitglieder.
von Renate GradlProfil

Das Jubiläum zum 130-jährigen Bestehen der Männergesangverein heuer im April mit dem Auftritt des Kammerchors "Magnum" aus Estland gefeiert werden. "Wegen der Coronakrise ist dies nicht möglich. Aber eine Verschiebung auf den Herbst ist denkbar", sagte die jetzige Chorleiterin Riita Mechelson. 2020 ist für den Männgegesangverein (MGV) 1890 mit gemischtem Chor ein Jubiläumsjahr. Der MGV wurde am 2. Februar 1890 gegründet. Die Grafenwöhrer Stadtverwaltung hat den neuen Verein zwei Tage später dem königlichen Bezirksamt Eschenbach gemeldet. "Es ist eine kleine Kulturgeschichte von Grafenwöhr, denn es geht um die Musik", sagte Monsignore Karl Wohlgut, als er die Chronik des Männergesangvereins 1890 fertiggestellt und im Dezember 2015 an Vorsitzende Brigitta Bernklau übergeben hatte.

Schon von 1892 bis 1895 hat der MGV im Gemeindeleben und besonders bei kirchlichen Anlässen mitgewirkt. Dies geht aus Aufzeichnungen des damaligen Stadtpfarrers Hofmann hervor. Aus vorhandenen Protokollen ab 1911 weiß man, dass der MGV bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges mit 30 Mitgliedern tätig war. In den Jahren 1928 bis 1939 sang die Gruppe sehr aktiv mit. 1930 wurde das 40-jährige Gründungsjubiläum gefeiert. Musikalische Hoch-Zeiten gab es in den 1930er Jahren beim Gruppensingen der Sängergruppe Weiden in Grafenwöhr, beim Pressather Gruppensingen sowie beim Wertungssingen in Weiden. Bevor der Krieg fast alle Sänger zu den Waffen gerufen hatte, wurde am 27. November 1939 einem Sangesbruder ein Hochzeitsständchen gesungen. Danach gab er bis 1946 notgedrungen eine musikalische Ruhepause.

Nach den Kriegswirren sang der Chor am 20. Januar 1946 – am Gelübde-Ortsfeiertag St. Sebastian – mit einem verstärkten Männer-Doppelquartett eine Messe von Max Hohnerlein. Seitdem ist der MGV 1890 ohne Unterbrechung aktiv. Wegen der Anschaffung einer Fahne wurde das 60-jährige Gründungsjubiläum mit Fahnenweihe erst 1952 mit einer großartigen Demonstration für den Chorgesang gefeiert. Zum "Tag der Kultur" im Rahmen des 600. Stadtjubiläums von Grafenwöhr wurde ein gemischter Chor zusammengestellt, bei dem 39 Sängerinnen spontan und mit Herzblut dabei waren. Ihr Debüt feierte dieser gemischte Chor 1962 mit der Aufführung der "7 Worte von Haydn". Danach mussten die Männer bis 1980 wieder alleine singen.

Als der Vorstand und auch die Mehrheit der Sänger überzeugt war, dass der gemischte Chor dauerhaft bestehen kann, wurde er 1984 dem Fränkischen Sängerbund gemeldet. Natürlich waren auch die Sängerinnen damit einverstanden. Die Chorproben wurden im Turnus Männerchor/Gemischter Chor gehalten. Als gemischter Chor trat das Ensemble am 5. Mai 1984 erstmals außerhalb der Stadt Grafenwöhr auf, und zwar beim Männergesangverein Liedertafel in Eschenbach. Ab 2009 traten die Sänger nur noch als gemischter Chor auf.

Früher gab es Musikbeiträge des MGV bei vielerlei Anlässen, wie beispielsweise bei der Faschingsaufführung im Gasthaus "Waldlust" (1912/1923), beim Winterausflug zum Netzaberg (1913), beim Heimatabend (1926/1930), bei der Lossprechungsfeier (1932), beim Ehrenabend für Ehrenmitglied Hermann Schenkl (1932), beim Neujahrssingen am Rathaus (1932) und bei einer Theateraufführung (1933). Beim Heimatabend des Heimatvereins im Jahr 1953 im Jugendheim bestritt der MGV zum großen Teil den Abend mit Volksliedern. Erstmals aufgeführt wurde die volkstümliche Rhapsodie "Heimat, ich grüße dich". Bei der Schulhauseinweihung 1956 wurde der "23. Psalm" von Franz Schubert gesungen.

Auftritte hatte der Männergesangverein auch beim Christbaumentzünden im Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Das Weihnachtssingen und -musizieren in der Mariä-Himmelfahrtskirche, das zuerst beim Christbaum am Rathaus stattfand, sowie der "Tag der Heimat" und der Volkstrauertag, den die Sängerinnen und Sänger jahrzehntelang umrahmten, wird immer noch feierlich umrahmt. 2019 verstarb der langjährige Vorsitzende des MGV, Konrad Daubenmerkl. Er sowie Ehrenchorleiter Anton Erhart nahmen im Jahr 2000 von damaligem MdB Georg Girisch die Medaille des Bundestages entgegen.

2020 ist für den Männergesangverein 1890 mit gemischtem Chor ein Jubiläumsjahr.
Im Jahr 2008 wurden einige Mitglieder des Grafenwöhrer Männergesangvereins für ihr langjähriges Singen ausgezeichnet. Anton Erhart (Fünfter von rechts) und Konrad Daubenmerkl (Sechster von rechts, beide bereits verstorben) erhielten 2000 die Medaille des Bundestages.
Monsignore Karl Wohlgut (Zweiter von links, bereits verstorben) verfasste die Chronik des Männergesangvereins 1890 und übergab sie im Dezember 2015 an Vorsitzende Brigitta Bernklau. Mit auf dem Bild sind Bernd Lorenz (links) und Rudolf Haupt (Zweiter von rechts).
Konrad Daubenmerkl (rechts) wurde 2010 zum Ehrenvorsitzenden ernannt und Horst Böhm (links) zum Ehrenmitglied.
Der Männergesangverein übernimmt seit Jahrzehnten die Organisation des Weihnachtssingens- und -musizierens. Früher fand dies beim Christbaum am Rathaus statt; seit längeren wird immer in der Mariä-Himmelfahrtskirche gesungen.
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