26.05.2021 - 19:17 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Landestheater Oberpfalz vor Festspielstart: Das Kribbeln ist stark wie nie

Endlich wieder vor Publikum spielen. Wenn das Landestheater am Samstag die Sommerfestspiele eröffnet, fällt von Schauspielern, Regisseuren und Offiziellen eine gehörige Last ab. Zwei Tage zuvor ist die Anspannung noch deutlich zu spüren.

Till Rickelt (hier bei den Proben für Cabaret 2019) hat ein Mammutprogramm vor sich. Der Künstlerische Leiter des Landestheaters Oberpfalz führt im Sommer Regie bei der Neuinszenierung „Schikaneder“ sowie den drei Wiederaufnahmen „Cabaret“, „Kuh Rosmarie“ und „Cyrano de Bergerac“.
von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil

"Die letzte Vorstellung haben wir am 31. Oktober 2020 gespielt", erinnert sich der Künstlerische Leiter Till Rickelt, dem die große Vorfreude auf die Festspielpremiere anzumerken ist. Am Samstag beginnen mit der Premiere von "Ronja Räubertochter" auf der Naturbühne Schönberg die Sommerfestspiele des Landestheater Oberpfalz (LTO).

"Nachdem der Proben- und Spielbetrieb im Frühjahr 2020 schon einmal für mehrere Monate komplett eingestellt werden musste, hat uns die zweite Zwangspause natürlich besonders hart getroffen." Zwei Online-Formate und eine ganze Reihe kleinerer Aktionen wie Lesungen konnten neben den - als Profitheater erlaubten und unter strengen Hygienebedingungen ablaufenden - Proben das Live-Publikum nicht ersetzen. Die Rückkehr zum Spielbetrieb mit konkretem Ziel, dem Beginn der Sommerfestspiele am 29. Mai sorgte daher für besondere Erlebnisse.

"Gänsehautmoment"

"Als das Ensemble das erste Mal in der Gruppe gesungen hat, war das ein Gänsehautmoment", erzählt Nicole Schymiczek. Die Regisseurin vom Singspiel "Im Weißen Rössl" überwältigt: "Man hat einfach so lange niemanden auf einer Bühne singen hören und dann war die Gruppe so stimmgewaltig ..." Zuvor habe man vor jeder Probe bei allen Beteiligten einen Antigen-Schnelltest einplanen müssen, was für Wartezeiten sorgte. "Trotz Test haben die Schauspieler beim Proben in Innenräumen ihre Maske getragen. Den tatsächlichen Gesichtsausdruck konnte ich also immer nur erahnen", lächelt Schymiczek.

Was zuweilen nicht einfach ist. "In Phasen, in denen es im Probenprozess aus ganz anderen Gründen knirscht, geht das einem natürlich besonders auf die Nerven. Gleichzeitig ist es aber enorm wichtig, dass alle Beteiligten darauf vertrauen können, dass wir alles tun, um die Proben so sicher wie möglich zu machen", ergänzt Rickelt.

"Trotz der Erleichterungen ist es am Anfang natürlich ein besonderes und manchmal etwas seltsames Gefühl, jetzt wieder 'richtig' zu proben und auch wieder zu spielen. Das liegt aber vor allem an den Eindrücken der zurückliegenden Monate", fügt Rickelt hinzu. Bei jeder Premiere stelle sich ja die Frage: Gelingt es dem Ensemble, lebendigen Kontakt mit dem Publikum herzustellen. "Eine Zeit mit solch gravierenden Ereignissen, während wir Theaterschaffenden und unser Publikum quasi getrennte Wege gegangen sind, macht die Situation zu etwas besonderem."

Der Regisseur hat mit der Neuproduktion von "Schikaneder" und drei Wiederaufnahmen ein Mammutprogramm vor sich: "'Cyrano de Bergerac' und 'Die Kuh Rosmarie' sind ja beides Stücke, die wir nach dem ersten Lockdown herausgebracht haben und schnell wieder einmotten mussten, da hält sich der zeitliche Aufwand in Grenzen. 'Cabaret' hingegen ist schon wesentlich länger her und sehr viel aufwendiger, deshalb haben wir es aufs Ende der Spielzeit gelegt."

Neustart mit großem Programm

Laut dem Künstlerischen Leiter selbst sind die Festspiele "ein ambitioniertes Programm". "Aber es war uns wichtig, nach der langen Pause wieder durchzustarten und uns mit einem möglichst vielfältigem Repertoire zurückzumelden." Um das zu erreichen, wurden die zunächst noch "kontaktlosen" Proben angepasst. Etwa in der Probenplanung mit Szenen mit kleinerer Besetzung anzufangen und die Ensembleszenen später am Spielort im Freien anzusetzen. "Wir hatten als professioneller Theaterbetrieb das Privileg, trotz ausgesetztem Spielbetrieb weiter proben zu dürfen, deshalb konnten wir Anfang April mit "Ronja Räubertochter" und "Im Weißen Rössl" beginnen", berichtet Rickelt. Dank der kontinuierlichen Tests aller Ensembles und den Aufführungen im Freien sei man keinen so strengen Regeln mehr unterworfen wie noch im Herbst.

"Die Entscheidung, die Proben aufzunehmen war aber nicht leicht", so Rickelt, "weil noch überhaupt nicht absehbar war, ob im Sommer überhaupt Vorstellungen möglich sein würden, gleichzeitig war es der spätmöglichste Zeitpunkt, um noch genug Zeit für einen vollwertigen Probenprozess zu haben. Man liege überall im Plan. "Aber auch vor Corona war die Sommersaison immer sehr eng getaktet, auch da durfte eigentlich nie etwas schiefgehen, und am Schluss ist es immer gut ausgegangen", beschreibt der künstlerische Leiter die besondere Magie der letzten Probenwochen. Und dann kommt noch das besondere Kribbeln hinzu.

"Auch vor und ohne Corona war und ist jede Premiere verbunden mit einem Maximum an Anspannung und Nervosität. Um einen wirklich spannenden Theaterabend zu gestalten, braucht es immer ein gewisses Risiko und den Mut, mit hohen Einsätzen zu spielen. Jetzt sind die Einsätze vielleicht noch ein bisschen höher", meint Till Rickelt.

Hintergrund:

Neuer Kartenvorverkauf und Hygienekonzept

  • Ticketverkauf: Landestheater stellt wegen günstiger Inzidenzen und großem Andrang seinen Ticketverkauf um: Statt wie bisher jeweils sieben Tage vor dem jeweiligen Vorstellungstag können ab heute Karten für alle Vorstellungen bis 30. Juni erworben werden
  • Hygieneregeln: Kartenkäufer erhalten eine E-Mail vor der gebuchten Vorstellung mit wesentlichen Richtlinien; Bei Inzidenz über 50 negativer Test nötig; Geimpfte und Genesene brauchen Nachweis; FFP2-Maskenpflicht in Gängen und auf Gelände; den Anweisungen des Personals ist bei den Aufführungen Folge zu leisten. Ferner gelten die bekannten Abstands- und Hygieneregeln.
  • Weitere Infos und das komplette Hygienekonzept: www.landestheater-oberpfalz.de

 

 

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