07.09.2018 - 16:45 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Ein Minister auf Zeitreise

Florian Herrmann ist Leiter der Staatskanzlei in München und Minister für Sonderaufgaben. In seine Zuständigkeit fällt damit der Truppenübungsplatz Grafenwöhr - Zeit für ihn, die Geschichte des Übungsplatzes und der Stadt kennenzulernen.

Ein Bild mit dem King: CSU-Ortsvorsitzender Gerald Morgenstern, Bürgermeister Edgar Knobloch, Leiter der Staatskanzlei Florian Herrmann, Landtagsabgeordneter Tobias Reiß, Landtagskandidatin Tanja Renner, Bezirkstagskandidat Matthias Grundler und Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht.
von Stefan NeidlProfil

Der Rundgang startete bei der Feldhaubitze, die 1910 den legendären Fehlschuss abgab und ihr Ziel um 800 Meter verfehlte. Das Originalgeschütz war aber nicht aufzutreiben und stattdessen steht im Erdgeschoss eine vergleichbare Versuchshaubitze. Morgenstern erklärte, dass die Amerikaner den Schuss anlässlich der 100-Jahrfeier mit modernen Waffensystemen nachgestellt hatten - und natürlich ins Schwarze trafen.

Während des ersten Weltkrieges diente das Trainingsgelände als eines der größten Kriegsgefangenenlager - über 24 000 Franzosen und Russen waren hier inhaftiert. Bei der großen Anzahl an Menschen war ein Friedhof traurige Notwendigkeit. Eine eindrucksvolle Statue wurde von den Gefangenen in Stein gemeißelt. Während der Aufrüstung der Nationalsozialisten wurde das Areal von 1936 bis 1938 erweitert. Dafür mussten viele Ortschaften aufgelöst und die über 3500 Einwohner umgesiedelt werden. Bei Auerbach entstand ein Lager für bis zu 12 000 Soldaten. Beim Vormarsch der US-Amerikaner warfen am 8. April 1945 über 200 Bomber ihre Last über Stadt und Trainingsgelände ab und legten diese in Schutt und Asche. Die Bürger suchten Zuflucht in den Felsenkellern des Annaberges und hatten Glück im Unglück: Nach ihrem Rückzug von der Ostfront lagerte die Wehrmacht rund drei Millionen Giftgasgranaten in einem Waldstück in der Nähe der Gemeinde - ein Treffer wäre fatal für die Bevölkerung gewesen.

Beeindruckt verfolgte der Minister die Geschichte der Eisenbahngeschütze "Schwerer Gustav I und II", die bis heute größten je gebauten Kanonen. Während Ersteres, unbenannt in "Dora", bei der Bekämpfung der Sewastopol aktiv war, kam das Zweite nie zum Einsatz und wurde vor Kriegsende nach Grafenwöhr verlegt, wo es vor dem Einmarsch der Amerikaner gesprengt wurde. Für den Wiederaufbau der Stadt wurden viele der alten Ortschaften und Baracken geplündert, so dass diese heute kaum noch zu erkennen sind.

Seit dem Ende des Krieges nutzen die Amerikaner nun das 25 mal 14 Kilometer große Gelände. Mit der Wiedereinführung der Wehrpflicht 1956 kehrte auch die Bundeswehr auf das Gelände zurück. Für die Nutzung wurde das Areal in den 80er Jahren zum modernsten Schießplatz Europas mit über 5000 elektrischen Zielen ausgebaut. Viele der ehemaligen Kommandeure nannten Grafenwöhr die "beste Schießbahn der Welt".

Im Laufe der Jahre statten viele berühmte Persönlichkeiten wie Generalfeldmarschall und Reichspräsident Paul von Hindenburg, aber auch Personen wie Hitler und Mussolini dem Ort einen Besuch ab. Mit keinem identifiziert sich die Stadt aber lieber als mit dem King of Rock'n Roll Elvis Presley. Dieser war im Winter 1958 für sechs Wochen als Soldat hier stationiert und gab in der "Mickey Bar" das einzige belegbare Konzert seiner Karriere außerhalb von Nordamerika.

Eine lebensgroße Elvisfigur sitzt am Klavier im obersten Stock des Heimatmuseums - dem Originalflügel aus der "Mickey Bar", den die Stadt mit viel Aufwand aufgetrieben hat. Für Herrmann war ein Foto mit diesem Stück Geschichte der Oberpfalz ein Muss, bevor Bürgermeister Edgar Knobloch ihm die Ehre erwies, sich ins Goldene Buch der Stadt einzutragen.

Herrmann Museum

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