19.06.2019 - 12:00 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Nester werden abgesaugt

Der Eichenprozessionsspinner fühlt sich im westlichen Landkreis wohl. Ein Kontakt mit seinen Raupen kann aber gefährlich für Menschen werden. Die Forstverwaltung in Eschenbach reagiert nun und will ab Freitag die Nester absaugen lassen.

Forstamtsrat Martin Gottsche besichtigt die Eiche an der Staatsstraße 2168.
von Stefan NeidlProfil

Forstamtsrat Martin Gottsche ist erst kürzlich selbst mit einem Eichenprozessionsspinner in Berührung gekommen. "Bei einer Begehung des Walds muss ich eine betroffene Eiche gestreift haben. Ich habe sofort ein Jucken bemerkt und später kleine Pusteln am Rücken bekommen."

Mit den Raupen des Schmetterlings ist nicht zu spaßen. Die kleinen Härchen können allergische Reaktionen hervorrufen. Schuld seien die feinen Proteine in den Härchen. "Manche reagieren gar nicht darauf. Bei anderen juckt es und kann starker Ausschlag entstehen. Im Extremfall kann sogar Atemnot auftreten", informiert Gottsche. Kommt man mit dem Eichenprozessionsspinner in Kontakt, rät Gottsche dazu, sofort zum Arzt zu gehen. Für Bäume und Tiere sei die Gefahr nicht ganz so groß.

Seinen Namen hat das Insekt nicht ohne Grund: Zu 99 Prozent sind Eichen von dem Schädling befallen. Nachdem die Raupen in den warmen Monaten, meistens im Mai, aus dem Ei geschlüpft sind, wandern sie wie bei einer Prozession zum Fressen der Blätter entlang der Baumstämme nach oben. Wenn es ihnen zu warm wird, klettern sie wieder nach unten in ihre Nester.

Diese Gespinste werden nach ihren Häutungen meist verlassen und neue gegründet. Die alten Nester bleiben meist Jahre erhalten und können die oben beschriebenen Reaktionen hervorrufen. Durch Mäh- und Baumarbeiten können die Gespinste aufgewirbelt werden und die Härchen so in die Luft gelangen.

Dieses große Nest des Eichenprozessions befindet sich an der Staatsstraße 2168 zwischen Eschenbach und Höfen. Gut zu erkennen ist das alte Nest unten und das neue darüber.

"Eigentlich ist der Eichenprozessionsspinner im Mittelmeerraum heimisch. Durch die Klimaerwärmung fühlt er sich aber bei uns immer wohler", sagt Gottsche. In den letzten drei bis vier Jahren sei auch der westliche Landkreis regelmäßig betroffen. Im Augenblick gibt es eine vermehrte Population in Grafenwöhr entlang der Pressather Straße und am Schönberg, in Schlammersdorf in der Eichenallee und in Eschenbach rund um den Rußweiher. "Generell mag das Tier Eichen entlang der Hauptverkehrsrouten. Die Sonne kommt da schön hin und der Asphalt heizt zusätzlich. Im Wald ist es ihm meist zu kühl", erklärt der Förster.

Momentan wird der Bestand erfasst und eine Prioritätenliste aufgestellt. Gut besuchte Orte, wie Spielplätze, Radwege oder die Schönbergbühne in Grafenwöhr, an der am Wochenende eine Veranstaltung stattfinden soll, haben Vorrang: "Ab Freitag wird eine Firma aus Schlammersdorf die Nester absaugen. Aber zurückbleiben kann immer was." Der Eichenprozessionsspinner wird dem Landkreis wegen der warmen Temperaturen wohl erhalten bleiben.

Auch am Radweg entlang der Wolfgangsiedlung in Grafenwöhr sind die Gespinste überall zu finden.
Gespinst ist nicht gleich Gespinst:

Oft riefen Leute bei Forstamtsrat Martin Gottsche an, um Gespinste des Eichenprozessionsspinners zu melden. Meist seien dies aber harmlose Gespinste der Gespinstmotte. Zur Unterscheidung rät Gottsche, darauf zu achten, ob der betroffene Baum eine Eiche ist. Auch die Spannweite des Gespinsts ist zu überprüfen. "Die Fäden der Gespinstmotte haben eine große Spannweite, während der Eichenprozessionsspinner nur an gezielten Stellen der Eiche spinnt", erklärt Gottsche.

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