27.02.2020 - 16:11 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Politischer Aschermittwoch in Grafenwöhr: SPD heizt CSU ein

Heiß geht es am Mittwochabend in der Grafenwöhrer Zoiglstube "Zum Adler" her. Nicht nur die Heizungen laufen auf Hochtouren, sondern auch die Redner. Einer der SPD-Kandidaten ist beim Politischen Aschermittwoch besonders hitzig.

SPD-Landratskandidat Peter Lehr stellt beim Politischen Aschermittwoch in Grafenwöhr seine Ziele vor. Landtagsabgeordnete Annette Karl (Dritte von rechts) ist ebenfalls zu Gast und unterstützt ihn.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Die Stimmung war gut, die Zoiglstube "Zum Adler" proppenvoll, sodass nachträglich Stühle hereingetragen werden mussten. Beim Politischen Aschermittwoch des SPD-Ortsvereins Grafenwöhr mit Landratskandidat Peter Lehr, Landtagsmitglied Annette Karl und rund 120 Besuchern demonstrierten die SPD-Bürgermeisterkandidaten im Vierstädtedreieck und viele andere Vertreter der SPD-Ortsvereine des Landkreises Neustadt/WN ein großes, freundschaftliches Miteinander. Da wurde herzlich gedrückt und gelacht. Kräftigen Unterstützungsapplaus gab es dann auch für die Redner.

Nachdem der Grafenwöhrer Ortsvereinsvorsitzende Thomas Weiß alle Kandidaten angespornt hatte, in den letzten Wochen vor der Kommunalwahl noch einmal alles zu geben und sich gegen "radikales Zeug" einzusetzen - ein lauter "Bravo"-Ruf aus dem Publikum gab ihm recht -, gab er das Mikrofon weiter an den Grafenwöhrer SPD-Bürgermeisterkandidaten Michael Tiefel. Dieser freute sich genauso wie Weiß über die vielen Gäste und dankte allen, "die da sitzen und den ,Adler' zum Platzen bringen". In seiner Ansprache zog er dann vor allem gegen die Grafenwöhrer CSU und ihren Bürgermeisterkandidat Edgar Knobloch vom Leder. Seine Entscheidung, warum er kandidiere, begründete Tiefel so: "Wenn du nicht entscheidest, entscheiden andere. Wenn ich möchte, dass meine Stimme gehört wird, muss ich sie auch erheben. Sonst entscheiden weiße, alte Männer - Morningstars", spielte er auf CSU-Fraktionssprecher Gerald Morgenstern an. Ihn bezeichnete Tiefel auch als Knoblochs Schatten.

Und damit nicht genug: Tiefel, der Polizist ist, ging darauf ein, dass er sich für einen Jugendtreff in Grafenwöhr einsetzen wolle. Schon vor sechs Jahren habe er dem amtierenden Bürgermeister Edgar Knobloch so einen Treff, bei dem sich Tiefel ehrenamtlich engagieren wollte, vorgeschlagen. Doch dieser "wurde abgeschmettert oder teils schon gar nicht mehr beantwortet", bedauerte er. "Jetzt, kurz vor der Wahl, greift er das Thema gern nochmal auf. Aber hier sieht man, dass unser Bürgermeister weit, weit weg von der Realität ist. Zu einem solchen Treff gehört etwas mehr als nur ein paar Euro in die Hand zu nehmen." Der SPD-Bürgermeisterkandidat warf der CSU auch Nachmachen und ein "erstunken und erlogenes" Wahlprogramm vor. "Als der Bürgermeister erfahren hat, dass die SPD einen Bürgermeisterkandidat hat, hat die CSU auch mal ein Wahlprogramm vorgelegt", sagte er. Dieses sei schnell zusammengesucht worden, dass "sie auch etwas haben". "Wenn wir schon dabei sind, ich hoffe, er hat seinen und den Geldbeutel der Stadt gut ausgewaschen. Den Schuldenberg, den er mit seinen Mammutprojekten im letzten Jahr verursacht hat, beziehungsweise der noch kommt, den muss man erst einmal wieder abbauen können", sprach er weiter. Tiefel hoffe nun, dass sich seine Mannschaft den Sitz im Rathaus zurückerobern kann. Als Ziele gab er neben dem Jugendtreff vor allem Klimaschutz auf Gemeindeebene und Transparenz in der Kommunalpolitik an.

Mit seinen Themen machte dann Landratskandidat Peter Lehr weiter. Er bedankte sich zunächst bei allen "Rädchen im Getriebe unseres Landkreises", die in den vergangenen sechs Jahren dafür gesorgt haben, dass "die positive Entwicklung unserer Heimat stetig vorangeschritten ist". Lehr, der nicht mehr als Bürgermeister in Eschenbach kandidiert und deshalb eine neue Aufgabe brauche, pickte anschließend nur einige Punkte seines Wahlprogramms heraus. Sonst würde der Abend lang werden, sagte er. Er formulierte als ein Ziel, das Radwegekonzept des Landkreises fortzuschreiben. Beispielsweise sei zwischen Kirchenthumbach und Holzmühle kein Radweg, auch zwischen Neustadt am Kulm und Speinshart fehle eine solche Verbindung. "Hier müssen wir ansetzen."

Der Landratskandidat der SPD wolle sich auch dafür einsetzen, dass eine umweltverträgliche Klärschlammentsorgung entwickelt wird. Er sprach von getrocknetem Klärschlamm und brachte 500 Kilogramm Trockensubstrat ins Spiel, die 50 Liter Biobenzin oder Biodiesel ergeben würden. Auch für die Fortschreibung des Baxis - laut ihm "das Kind der SPD-Kreistagsfraktion" - sprach er sich aus. Es müsse nun evaluiert werden, wo noch nachjustiert werden muss. "Von Eschenbach kommt man nicht nach Neustadt", nannte er ein Beispiel. Eine "super Sache" sei es aber, dass durch das Baxi nun möglich sei, von Eschenbach zum Pegnitzer Bahnhof zu gelangen.

Ein Thema, das Lehr außerdem am Herzen liege, war der Erhalt von Krankenhäusern: "Wir haben Eschenbach und Neustadt verloren und das Dritte (Vohenstrauß) lassen wir uns nicht nehmen." Er plädierte auch für den Erhalt der Arbeitsplätze bei den Kliniken Nordoberpfalz AG. Zur nur im westlichen Landkreis ansässigen "Seniorengemeinschaft Hand in Hand" wünschte er sich, dass diese ausgeweitet werde. "Das sollte man im ganzen Landkreis anbieten, es ist enorm wichtig, weil wir alle älter werden", ertönte dazu ein Kommentar aus dem Publikum. Bevor Lehr den Platz am Rednerpult räumte, sprach er noch die B470 an. Oft könne man dort wegen der vielen Lastwägen nur 70 Kilometer pro Stunde fahren. Deshalb brachte er hier einen Ausbau mit mehreren Spuren ins Gespräch.

Den längsten Redezeit-Anteil nahm dann Annette Karl, Mitglied des Bayerischen Landtags, für sich in Anspruch. Sie lobte den Politischen Aschermittwoch der SPD in Grafenwöhr, der große Tradition habe. "So oft ich hier war, so groß habe ich den Ansturm noch nie erlebt", freute sich die Politikerin. Karl sprach über die Bundes- und Landespolitik und stellte klar: "Mit Faschisten macht man keine gemeinsame Sache, für keinen Zweck, für kein Ziel. Niemals." Dafür gab es viel Applaus aus dem Publikum. "Solche Leute wie Björn Höcke gehören verdammt nochmal nicht in den Kreistag des Landkreises", appellierte sie an die Wähler der Region. Karl betonte auch, dass die SPD für den Erhalt der kleinen Krankenhäuser vor Ort stehe. Sie lenkte aber auch ein, dass es dafür andere Finanzierungskonzepte in Bund und Land geben müsse. Wie auch Thomas Weiß zu Beginn der Veranstaltung forderte sie die Kandidaten und Unterstützer der SPD auf, alle Kräfte noch einmal zu mobilisieren und sich nicht unterkriegen zu lassen. Bevor die vielen Teller voll Fisch und Kartoffeln aus der Küche getragen wurden, sprach Markus Ludwig, der Vorsitzende des SPD-Kreisverbands Neustadt/WN, der kurz vor Schluss zur Versammlung stieß, noch mutmachende Worte: "Wir wissen, was wir können, und wir können sehr viel."

Er will Bürgermeister von Grafenwöhr werden: Michael Tiefel spricht beim Politischen Aschermittwoch in der Zoiglstube "Zum Adler" einiges an, was ihn an der aktuellen Rathauspolitik stört.

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