02.01.2019 - 16:45 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Aus der Vergangenheit lernen

Schüler des St.-Michaels-Werks besichtigten Gedenkstätte in Flossenbürg im Rahmen des Geschichtswettbewerbs. Sie erfahren mehr über die Krankenmorde in der NS-Zeit - und darüber, wie die Gedenkstätte mit dieser historischen Last umgeht.

Schüler des Berufsvorbereitungsjahres Elektrotechnik bei der Führung über das Gelände der Gedenkstätte in Flossenbürg. Die Lehrkräfte Johanna Rosner (links) und Miriam Sperber begleiteten die Gruppe.
von Miriam SperberProfil
Schüler des Berufsvorbereitungsjahres im Museums-Café in Flossenbürg mit ihren Lehrkräften Johanna Rosner (rechts) und Miriam Sperber (4.v.r.)

"So geht's nicht weiter. Krise, Umbruch, Aufbruch." Das ist das Motto des laufenden Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten, bei dem sich Schüler der Elektrotechnik-Klasse der Berufsschule des St.-Michaels-Werks mit dem Thema Euthanasie im Nationalsozialismus auseinandersetzen. Unter den Nationalsozialisten waren Menschen mit Einschränkung verfolgt, eingesperrt und getötet worden - auch in Flossenbürg. Die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers geht einen anderen Weg, den der Inklusion: Menschen mit Behinderung arbeiten gemeinsam mit anderen im Museums-Café, dem ehemaligen SS-Kasino.

Im Unterricht beschäftigten sich die Schüler mit der Situation von Kranken während der NS-Zeit, erfuhren mehr über den Begriff der Euthanasie. Insbesondere die sogenannte Aktion "T4", durch die Morde an Kranken ausdrücklich genehmigt waren, bewegte die Schüler sichtbar. Im Deutschen Reich hatte es zentrale Einrichtungen gegeben, in denen Menschen getötet wurden, die wie es hieß dem Staat und der Gesellschaft nicht hätten nützlich sein können, sondern ihm vielmehr finanziell zur Last gefallen wären. In Folge dessen wurden etwa im Schloss Grafeneck bei Stuttgart viele Menschen in Gaskammern gezielt vernichtet.

Anders als Schloss Grafeneck war das Konzentrationslager Flossenbürg kein Vernichtungs- sondern ein Arbeitslager für verschiedene Häftlingstypen. Die Schüler besichtigten die Gedenkstätte, um das System und die damaligen Ereignisse besser verstehen zu lernen. Dabei verstärkten Kälte und Wind die Eindrücke des Grauens, das damals für die Gefangenen alltäglich war.

Im Anschluss an die Führung standen zwei Mitarbeiterinnen des Cafés den Schülern Rede und Antwort. Wie es sich anfühle, an einem Ort mit solch trauriger Geschichte zu arbeiten, wollten einige wissen. Die beiden Servicekräfte des Cafés betonten, wie sehr ihnen ihre Arbeit gefalle. Dabei sei es ihnen besonders wichtig zu betonen, dass sie zwar anders seien, aber dennoch ein erfülltes und glückliches Leben führten - wie andere Menschen auch. Im Alltag und in der heutigen Gesellschaft kämen sie gut zu Recht, auch wenn es Luft nach oben gebe und sich immer etwas verbessern ließe. Sie wünschten sich mehr Einrichtungen, in denen Menschen mit und ohne Einschränkung zusammenarbeiten. Die NS-Zeit sei bestimmt furchtbar gewesen, aber es handle sich zum Glück um eine abgeschlossene Zeit.

Nach diesem Gespräch stand Julius Scharnetzky, wissenschaftlicher Arbeiter der Gedenkstätte, für Fragen zu den Krankenmorden in der NS-Zeit zur Verfügung und erzählte den Schülern viel Wissenswertes über die damaligen Gräueltaten bei der "T4"-Aktion.

Die Schüler schrieben aufmerksam mit und sammelten die Informationen dieses Tages ebenso wie die Ergebnisse aus dem Unterricht, um die Erkenntnisse dann konkret umsetzen zu können. Im Unterricht wird das Projekt bis Ende Januar fertiggestellt sein und bei der Jury des Wettbewerbs eingereicht werden.

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