Der Besucherandrang überraschte die Veranstalter und es wurde mehrfach nachbestuhlt. Michael Tiefel erklärte auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF), das Ängste in der Kindheit entstünden. Es gäbe vier Grundformen der Angst, die im Widerspruch stehen: Individualität und Hingabe, Beständigkeit und Wandel. Daraus entstehen verschiedene Charaktere, deren Ängste sich in einer Partnerschaft unterschiedliche ausdrücken: Der schizoide Charakter war als Kind anders als von den Eltern erwartet und fühlte sich missverstanden. Erwachsen hat er Angst davor, sich seinem Partner zu öffnen.
Das Gegenteil ist der depressive Charakter: Dieser war als Kind von den Eltern abhängig und legt dies auch als Erwachsener nicht ab. Ihm fehlt die Selbstständigkeit ohne Partner. Der Zwanghafte wurde von den Eltern in eine bestimmte Schiene gezwungen und will auch dem späteren Partner seinen Willen aufdrängen. Dem Hysterischen wurde als Kind alles erfüllt und als Erwachsener kennt er nicht das Prinzip, selbst Leistung zu bringen. "Kinder sollen lernen, ihre Probleme auch mal selbst zu lösen", erklärte Tiefel.
Seinen Vortrag veranschaulichte er immer wieder mit Beispielen. Das Kind, das sich von den Eltern ausgeschlossen fühlt, reflektiert seine Angst auf einfachere, greifbare Dinge: Dunkelheit, Spinnen oder davor, eingesperrt zu sein.
"Ängste hat jeder, sie gehören zum Leben", informierte der Coach. Wer psychisch stark ist, kann Ängste wie bei einer Waage ausgleichen, bei einem Labilen kippt die Waage jedoch. Durch Ängste entstehen Mauern im Kopf. Je öfter diese durchbrochen werden, umso leichter fällt es – sei es beim Ansprechen eines hübschen Menschen in der Disco oder die Gehaltsverhandlung mit dem Chef. Dabei hilft einem der Selbstwert: Dieser beruht auf sechs Säulen: bewusstes Leben, Selbstakzeptanz, Selbstverantwortung, Selbstbewusstsein, Ziele setzen, zu sich und anderen ehrlich sein.
Tiefel fragt das Publikum: "Sind denn alle Menschen gleich viel wert?" Die Antwort ist für die Zuhörer klar: "Dies sollte so sein." Und doch ist die Wahrnehmung anderer im Alltag oft nicht so. Dafür hatte er ein schönes Beispiel: Er zerknüllt einen 20-Euro-Schein, wirft ihn auf den Boden und tritt drauf. Der Schein ist trotzdem immer gleich viel wert. Dennoch würden die meisten Menschen einen glatten Schein bevorzugen.
Am Ende offenbarte Tiefel, warum er weiß, wovon er spricht: Er hatte früher einen schweren Unfall, der sein familiäres, berufliches und privates eben über den Haufen warf. Durch Meditation und Selbstreflexion hat er es wieder auf die Reihe gekriegt und will diese Erfahrung an andere weitergeben. In jedem Rückschlag stecke auch etwas Gutes.














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