24.01.2020 - 09:31 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Vortrag im Kultur- und Militärmuseum Grafenwöhr: Wolf lockt viele Besucher an

Wolf und Mensch haben eine lange gemeinsame Geschichte. Die meiste Zeit lebten sie friedlich nebeneinander her. Aktuell ist der Wolf aber ein viel diskutiertes Thema. Das zeigte auch der Ansturm auf das Kultur- und Militärmuseum.

Wölfe faszinieren nach wie vor viele Menschen. Das zeigt sich auch beim Vortrag "Wolf - aktuelle Situation in Grafenwöhr, Veldensteiner Forst und Umgebung", den Hubert Anton vom Bundesforst im Grafenwöhrer Kultur- und Militärmuseum hält.
von Angela BuchfelderProfil

Der Heimatverein hatte im Rahmen der aktuellen Sonderausstellung "Grünes Paradies und Schießbetrieb" zum Vortrag "Wolf – aktuelle Situation in Grafenwöhr, Veldensteiner Forst und Umgebung" mit Hubert Anton vom Bundesforst eingeladen. Über 140 Leute wollten sich diesen nicht entgehen lassen und drängten ins Museum. Die Besucher kamen dafür bis aus Bayreuth, Auerbach, Altdorf und dem Bayerischen Wald nach Grafenwöhr.

Anton begann seinen Vortrag mit der Geschichte des Wolfes und seiner Biologie. "Im Gegensatz zu Hunden ist der Wolf langbeiniger, mit einer Schulterhöhe von 60 bis 90 Zentimeter", erklärte Anton. Er bleibt seinem Standort treu und lebt monogam, erklärte Anton weiter. Jungtiere verlassen mit ein bis zwei Jahren ihr Rudel und gehen auf Wanderschaft. Dabei sind große Entfernungen kein Problem für einen Wolf. So konnte beispielsweise nachgewiesen werden, dass ein Wolf der südalpinen Population im Februar innerhalb weniger Tage die Alpen überquerte. Auch Strecken von mehreren 100 Kilometern durch Deutschland – über mehrspurige Straßen und große Flüsse – legen Wölfe ohne Probleme in wenigen Tagen zurück. "2009 konnte durch einen besenderten Wolf der erste wissenschaftliche Beweis erbracht werden, dass ein Wolf von der Lausitz bis nach Vilnius in Litauen wandern kann", erklärte der Referent.

In Europa leben zwei unterschiedliche Wolf-Populationen. Die südalpine Population ist in den Alpen und südlich davon heimisch. Die zentraleuropäische Population ist ein Ableger der in Russland und Asien vorkommenden Population. Alle Wölfe in Deutschland gehören zu dieser Population. In Grafenwöhr wurde das erste Tier am 5. September 2016 durch ein Fotofallenbild nachgewiesen. Aktuell leben im Truppenübungsplatz zwei Tiere, die bisher noch keinen Nachwuchs haben. Vom Wolfspaar im Veldensteiner Forst wurden bereits mehrere Jungtiere nachgewiesen, im letzten Wolfsjahr vier. Die Fähe wurde zuletzt durch einen Autounfall getötet. "Nun ist es spannend, wie sich der Rüde verhält, welche neue Fähe er nimmt", meinte Anton. Dies könne durchaus auch eine Tochter sein, denn das sei bei Wölfen möglich.

Wölfe, fuhr der Experte fort, sind vorsichtig, aber nicht ängstlich und die Tiere sind sich ihrer Kraft bewusst. Sie ernähren sich zu über 50 Prozent von Rehen. Weitere Nahrungsquellen sind Wildschweine, Rot- und Dammwild sowie kleinere Säuger wie Biber, Waschbären und Füchse. Der Experte erklärte weiter, dass Wölfe äußerst lern- und anpassungsfähig sind und lernen können, von Ressourcen zu profitieren, die Menschen ihnen anbieten. So könne es passieren, dass ein Wolf, der gelernt habe, dass Schafe leichte Beute sind, immer wieder auf diese leicht zugängliche Futterquelle zurückgreife. "Ebenso kann es sich mit Essensresten auf dem Kompost oder Futterschälchen, das für die Katze im Garten steht, verhalten."

Anton schloss seinen Vortrag mit einer Botschaft, die für ein weiteres gutes Zusammenleben zwischen Mensch und Wolf zwingend notwendig sei: "Wir müssen es schaffen, aus Sicht der Wölfe neutrale Mitbewohner des Waldes zu sein." Aufgrund der großen Nachfrage wiederholt Anton seinen Vortrag über die aktuelle Situation des Wolfs in Grafenwöhr, dem Veldensteinerforst und der Umgebung am Dienstag, 28. Januar, um 19 Uhr im Grafenwöhrer Kultur- und Militärmuseum.

Hubert Anton vom Bundesforst hält einen interessanten Vortrag zum Wolf.

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