01.03.2019 - 12:31 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Wald erhält Verstärkung

Das Wiederaufforsten nach Sturmtief "Fabienne" hat begonnen. Doch der Wald in der Region wird auch danach noch ein anderer sein. Er muss sogar.

von Anne Spitaler Kontakt Profil

Wie Zinnsoldaten rücken Betty Marzi, Herbert Arnold und Jutta Schieder in ihren Reihen einen Meter vor, bohren die Hohlspaten in den Waldboden - ein Mal, zwei Mal -, drücken den Erd-Pfropfen aus dem Loch, ziehen ein Bäumchen aus dem Leinensack, lassen die Wurzeln in den Boden gleiten, schütten das Loch wieder zu und drücken die Erde mit den Fersen fest. Dann rücken sie wieder einen Meter vor. Das machen sie im Grafenwöhrer Waldgebiet "In der Mark" insgesamt 900 Mal an diesem Tag. Jeder pflanzt circa 80 Bäumchen pro Stunde.

Die vielen jungen Esskastanien, Hain- und Rotbuchen, die das Team um Revierförster Martin Gottsche (47) zwischen die alten Kiefern in den Waldboden setzt, gehören zum Wiederaufforstungs-Projekt der Eschenbacher Forstbetriebsgemeinschaft nach Sturmtief "Fabienne". Dieses war Ende September über die Oberpfalz gezogen und hatte in der Umgebung von Grafenwöhr große Schneisen in die Wälder geschlagen.

"5000 Festmeter Sturmholz haben wir seit September bei Grafenwöhr aufgearbeitet", sagt Gottsche. Die Windhosen hätten punktuell in den Wäldern gewütet, Wipfel abgebrochen, Bäume entwurzelt und wie Streichholzer umgeknickt. Besonders bei Gmünd, Hütten und an der B 299 zwischen Grafenwöhr und Pressath. Jetzt, nachdem der Harvester endlich abrücken konnte, sollen die kahlen Flächen, aus denen nur noch Baumstümpfe hervorragen, wieder bepflanzt werden. Aber nicht mehr so, wie es vorher war. Aus den fast reinen Nadelwäldern, wie es in "der Mark" mit rund 90 Prozent Kieferbestand der Fall ist, sollen Mischwälder werden. Und das hat laut Gottsche einen guten Grund.

Der Revierförster hat dabei den Klimawandel im Blick. Weniger Regen und wärmeres Wetter - auch schon in den Wintermonaten - seien die Gegenwart und vermutlich auch die Zukunft. "Unsere Waldkiefer mag aber keine Hitze", erklärt er. Sie mag nordisches Klima und kommt auch in der Taiga in Russland vor, pflichtet ihm der Pressather Forstdirektor Moritz Neumann (57) bei. Sie gehöre nicht zu den Kiefernarten, die sich im Mittelmeerraum wohlfühlen.

Dafür fühlen sich Tierchen wie der Pracht- oder Borkenkäfer bei Wärme umso wohler, sie gehen den Nadelbäumen noch zusätzlich an den Kragen. "Deshalb müssen wir weg vom reinen Nadelwald", sagt Gottsche. "Dann bleibt zumindest noch was stehen", wenn Hitze und Käfer den Nadelbäumen zusetzen. "Gemischt sind wir besser aufgestellt für ein anderes Klima. Wir stellen gerade die Weichen für die nächsten 150 Jahre."

Wie ein Mischwald zusammengesetzt sein sollte, kann Gottsche pauschal nicht sagen. Jeder Wald sei anders, habe eine andere Lage, einen anderen Boden. "Unsere Empfehlung hängt davon ab, ob es ein Nord- oder Südhang ist, wie viel Wasser die Bäume abbekommen, ob der Boden sandig, lehmig oder voll Kies ist", erklärt Gottsche, der kostenlose Beratungen für Waldbesitzer aus den Gemeinden Eschenbach, Grafenwöhr, Pressath und Schwarzenbach anbietet.

Um feststellen zu können, wie der Boden im jeweiligen Waldgebiet zusammengesetzt ist, greifen die Männer auf eine uralte Förstermethode zurück. Sie rammen mit Hammerschlägen einen rund einen Meter langen, dünnen Bohrstock, der hohl und auf einer Seite offen ist, in den Waldboden. Mit einem kleineren Stock drehen sie den Bohrstock wieder raus, der nun einen Querschnitt des Bodens zeigt. Neumann pult ein wenig Erde aus dem Stock. Das Gemisch aus nassem Sand und Humus knirscht zwischen seinen Fingern. "Sehr sandig", sagt er. Den Bohrstock setzt Gottsche auch in Privatwäldern ein, wenn es der Besitzer will. So kann er ihm genau sagen, welche Bäume dort gut wachsen würden.

Doch damit die Setzlinge überhaupt wachsen, braucht es eines: Regen und Kühle. Und das dringend. Für Gottsche und Neumann sind die derzeitige Wärme und Trockenheit "katastrophales Wetter". Sollte es die nächsten Tage doch nicht regnen, müssen sie die Aufforstaktion unterbrechen. Denn gießen können sie die vielen Bäumchen nicht und das Risiko, dass alle kaputt gehen, wollen sie nicht eingehen. Zu viel Arbeit und Geld wären umsonst. Deshalb drückt Gottsche die Daumen, dass der Himmel bald seine Schleusen öffnet und sich sein eingespieltes Dreier-Team weiter Meter für Meter voran arbeiten kann - immer mit einem Laubbäumchen in der Hand.

Beratung:

Revierförster Martin Gottsche bietet für Waldbesitzer aus den Gemeinden Grafenwöhr, Pressath, Schwarzenbach und Eschenbach kostenlose Beratungen zur Wiederaufforstung an. Er ist erreichbar unter den Telefonnummern 09645/918053 und 0170/6370513.

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