05.04.2020 - 11:53 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Wegen Corona bei Betreuung auf sich allein gestellt

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Es ist eine schwierige Situation für Angehörige einer Person mit Behinderung. Wegen des Coronavirus' sind Betreuungsangebote zurückgefahren worden, Einrichtungen haben geschlossen. Auch Gabi Schlagner aus Grafenwöhr kämpft mit dieser Lage.

Gabi Schlagner mit Sohn Dominik.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Gabi Schlagner aus Grafenwöhr ist ratlos. Sie kümmert sich rund um die Uhr um ihren blinden Sohn, der eine geistige Behinderung hat. Wegen des Coronavirus' haben die Einrichtungen geschlossen und die Betreuungsangebote wurden zurückgefahren. "Ich kann das ja nachvollziehen, aber dennoch hilft es uns in dieser Situation nicht weiter", sagt sie.

Normalerweise wird ihr 29-jähriger Sohn Dominik von Montag bis Freitag um 7.30 Uhr abgeholt und in das Heilpädagogische Zentrum nach Irchenrieth gebracht. "Um 16.30 Uhr kommt er nach Hause. Die Abende und die Wochenenden verbringen wir gemeinsam, machen Ausflüge oder gehen zum Schwimmen. Trotz seiner Behinderung hat Dominik großen Bewegungsdrang, auch wenn er zum Beispiel nicht weit laufen kann", erklärt seine Mutter.

Doch durch die Coronakrise fällt die Betreuung nun weg. "Dazu kommt, dass mein Mann sich im März an der Hüfte operieren lassen musste und nun auf Reha ist", erklärt Schlagner. Die 53-Jährige ist in dieser Phase also bei der Betreuung auf sich gestellt. "Wir versuchen jeden Tag rumzukriegen. Natürlich haben Bekannte, Freunde und Nachbarn ihre Hilfe angeboten, aber ich muss vorsichtig sein, weil Dominik durch seine Vorerkrankung zur Risikogruppe gehört", erklärt sie. Betreuungen durch den Familienentlastenden Dienst (FED) wurden abgesagt und können nur im Notfall angefordert werden.

Auch für Dominik ist das schwer zu verstehen, warum er zum Beispiel nicht zum Schwimmen darf. Er spürt natürlich, dass etwas nicht stimmt. Das äußert sich bei ihm zum Beispiel durch Schlafstörungen. "Manchmal weiß ich gerade nicht mehr weiter. Ich kann mit ihm auch keine langen Spaziergänge machen, weil ich nicht weiß, ob er es zurück schafft. Die Tatsache, dass auch alle Therapien ausfallen, erschwert die Sache zusätzlich. Dominik bekommt normalerweise Ergotherapie und Physiotherapie", sagt sie.

Gabi Schlagner wendet sich nun an die Öffentlichkeit, weil sie weiß, dass es nicht nur ihr so geht und darauf aufmerksam machen will: "Viele andere Eltern mit behinderten Kindern sind in einer ähnlich schwierigen Situation".

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