Grafenwöhr
17.05.2022 - 16:51 Uhr

Wolfgang Witt warnt: Kleinen Wasserkraftwerken droht das "Aus"

Wolfgang Witt schwant Böses: Der Betreiber eines kleinen Wasserkraftwerks in Josephsthal bei Gmünd sieht seine Zukunftsperspektiven gefährdet. Die geplante Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes treibt ihm Sorgenfalten auf die Stirn.

Für Wolfgang Witt ist das Wasser der Haidenaab existenzsichernd. Doch die aktuellen Pläne der Bundesregierung zur Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes sieht der Kleinkraftwerksbesitzer in Josephsthal bei Gmünd als ein „Worst-Case-Szenario“ speziell für kleine Anlagen, denen in den nächsten Jahren das "Aus" drohe. Bild: do
Für Wolfgang Witt ist das Wasser der Haidenaab existenzsichernd. Doch die aktuellen Pläne der Bundesregierung zur Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes sieht der Kleinkraftwerksbesitzer in Josephsthal bei Gmünd als ein „Worst-Case-Szenario“ speziell für kleine Anlagen, denen in den nächsten Jahren das "Aus" drohe.

Wolfgang Witt fühlt sich mit seinem kleinen Wasserkraftwerk, gespeist vom Wasser der Haidenaab, zu Unrecht ausgebootet und abgehängt. Hintergrund seiner Empörung ist die beabsichtigte Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) 2023 im Bereich der Wasserkraft

Denn die aktuellen Pläne zur Änderung des EEG-Gesetzes verheißen für Kleinkraftwerksbesitzer nichts Gutes: Bei einer Umsetzung des Gesetzentwurfes würden künftig 90 Prozent der rund 7300 Wasserkraftanlagen in Deutschland keine Einspeisevergütung mehr erhalten, warnt Witt vor dem Tod fast aller Kleinkraftwerke.

Bis zu 25 Kilowattstunden Strom

Im Jahr 2008 hatte der Josephsthaler seine Anlage für fast eine Viertelmillion Euro modernisiert, erfolgreich Fischwanderhilfen installiert und mit dem Energieriesen Eon einen Stromliefervertrag abgeschlossen. Nun solle er "bestraft" werden, empört sich Witt, dessen Wasserturbine bis zu 25 Kilowattstunden Strom ins Netz speist.

Auf Grund der hohen Volllaststunden und der dauerhaften Verfügbarkeit leiste die Anlage einen wichtigen Beitrag zur dezentralen Grundlastversorgung und helfe, die stark schwankende Stromversorgung aus Windkraft und Photovoltaik auszugleichen, erläutert er die Vorteile seines kleinen Kraftwerks.

Historisches Kulturgut

Er befürchtet nicht nur einen Vertrags- und Vertrauensbruch, sondern verweist auch auf das historische Kulturgut der Wassermühlen. Die Wasserkraft sei mit ihren 70.000 Wassermühlen in Deutschland seit 2000 Jahren ein wichtiger Bestandteil der Kulturlandschaft, betont er bei einem Informationsbesuch des Vorstandes der CSU-Kreistagsfraktion. Bisher habe auch das über 100 Jahre altes Kleinkraftwerk in Josephsthal in beispielhafter Weise als dezentraler Dienstleister zu einer stabilen lokalen Versorgung beigetragen.

Das "Osterpaket" der Bundesregierung enthält deshalb für Witt ein Kuckucksei: Der aktuelle Entwurf zur Novellierung des EEG 2023 würde zu einem vollständigen „Aus“ der kleinen Wasserkraft und zu einer Zerstörung des Jahrhunderte alten Kulturguts führen.

Das Thema beherrschte auch die anschließende Sitzung der CSU-Kreistagsfraktion in Speinshart. Als Experte war Hans-Peter Lang, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Wasserkraftwerke (BDW), zugeschaltet. Er widersprach Behauptungen zur gewässerökologischen Unverträglichkeit kleiner Wasserkraftwerke und kritisierte wie die Kreistagsfraktion mit Blick auf Importabhängigkeit und Versorgungssicherheit das Maßnahmenpaket der Bundesregierung.

Hintergrund:

"Osterpaket"

  • Enthält Gesetzentwurf zur Novellierung des Erneuerbare-Energie-Gesetzes, vorgelegt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz.
  • Nimmt bei Wasserkraft eine stärkere Verknüpfung der EEG-Förderung mit den gewässerökologischen Anforderungen des Wasserhaushaltsgesetzes vor.
  • Künftig keine Förderung mehr von kleinen Wasserkraftanlagen bis 500 Kilowatt.
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