Gröbenstädt bei Moosbach
29.07.2019 - 10:44 Uhr

Fischer fordern klare Maßnahmen gegen Otter

Der Fischotter ist der größte Feind der Fischer. Doch auch der Kormoran ist nach wie vor ein Thema. Beim Oberpfälzer Fischereitag wird Tacheles gesprochen, was passieren muss, damit die Fischereivereine nicht ihre wichtige Arbeit beenden.

Bei der Diskussionsrunde geht es um die größten Feinde der Fischer. Kormoranmanager Tobias Küblböck, der Tirschenreuther Ranger Jacob Keller, Fischotterbeauftragter Alexander Horn, Obmann Hans-Hermann Lier, Dr. Thomas Ring als Fachberater Fischerei und der Vorsitzende des Kreisfischereivereins Vohenstrauß Johann Dittmann (von links nach rechts) diskutierten darüber, welche Maßnahmen dringend umgesetzt werden müssen. Bild: dob
Bei der Diskussionsrunde geht es um die größten Feinde der Fischer. Kormoranmanager Tobias Küblböck, der Tirschenreuther Ranger Jacob Keller, Fischotterbeauftragter Alexander Horn, Obmann Hans-Hermann Lier, Dr. Thomas Ring als Fachberater Fischerei und der Vorsitzende des Kreisfischereivereins Vohenstrauß Johann Dittmann (von links nach rechts) diskutierten darüber, welche Maßnahmen dringend umgesetzt werden müssen.

Mit einem „Petri Heil“ eröffnete Verbandspräsident Hans Holler den Oberpfälzer Fischereitag am Gröbenstädter Sperlweiher, bei dem auch ein Bezirkskönigs- und Bestandsfischen an der Pfreimd durchgeführt wurde. Die Auswertung sowie die Erörterung verschiedener Einflüsse auf die Angelfischerei übernahm nachmittags Obmann Hans-Hermann Lier mit verschiedenen Experten.

„Der Fischotter soll nicht ausgerottet werden, sondern es soll ein gutes Miteinander geschaffen werden.“ 100 Angler waren seit dem frühen Morgen um 5 Uhr an den Gewässern unterwegs. Dabei handelte es sich nicht um Anfänger sondern um richtige Profis der Vereine mit allem handwerklichen Geschick. Nur sechs Personen haben einen Fisch der Ausschreibung gefunden. Lediglich sieben Fische kamen in die Wertung.

Thomas Ring von der Fischereifachberatung hätte durchaus mehr erwartet. Allerdings spiegle der Fang wider, was auch schon das Monitoring von der Wasserrahmenrichtlinie aussagt: Der Flusswasserkörper wird als mäßig eingeschätzt und es hapert an manchen Arten. Johann Dittmann unterstrich, dass man anhand dieser Ergebnisse den Besuch von Kormoran, Fischotter und Mink merke. „Der Besatz wird jedes Jahr mehr und die Erträge immer weniger.“ Der Zustand der Fische ist laut Ring gut. Flussbarsch, Lauben, Rotaugen aber auch Barben und Nasen kommen vor. Bei bestimmten Fischarten könne man jedoch Beeinträchtigungen feststellen. Die Verschlammung sei in diesem Zusammenhang ein großes Problem, dass Fische wie Forellen ihre Laiche einfach nicht durchbringen, informierte Lier. Fische, die fast verschwunden waren wie Aland, Nerfling oder Schneider, tauchen wieder auf.

Fischotterberater Alexander Horn betreut in seinem Zuständigkeitsbereich ein ganzes Arsenal an Wildkameras, die den Fischotter bestätigen. „Der Sportsfreund ist Thema Nummer 1 bei den Fischern“, so Lier. Das nachtaktive Tier ist von seinem Körperbau und der Biologie geradezu prädestiniert, erfolgreich an Teich und Flüssen zu jagen. Er frisst Fische von allen Größen, angefangen von acht Gramm bis zum Hecht mit bis zu 1,10 Meter oder Krebse. Genauso aktiv ist er an Land. Ein Wanderzyklus von 4 bis 5 Kilometer in einer Nacht sind kein Problem. Naturschutzverbände sollten seiner Meinung nach mit raus gehen in ein Ottergebiet und genau hinschauen, wie sich ein Habitat durch den Otter verändere.

Laut wissenschaftlicher Erkenntnisse fresse ein Otter pro Tag rund 1,5 Kilogramm, was pro Jahr über zehn Zentner Fisch sind. „Das ist Fakt, dass unsere Gewässer nachweislich beeinträchtigt sind durch den Otter“, so Lier. „Die praktische Umsetzung der vierten Säule der Entnahme muss jetzt kommen“, forderte Lier unmissverständlich.

Bevor der Otter gekommen ist, war der Kormoran schon da, ein weiteres Schreckgespenst der Fischer. Kormoranmanager Tobias Küblböck berichtete, dass der schwarze Vogel seit den 90er Jahren in der Region festzustellen ist. In Bayern sind etwa 600 Brutpaare vorhanden, davon etwa 60 Brutpaare in der Oberpfalz. Am Rußweiher in Eschenbach werden seit zwei Jahren Eingriffe vorgenommen, um den Fischfresser einzudämmen. Pro Tag vernichte ein Kormoran im Schnitt 500 Gramm Fisch. Nachdem sich der Druck seitens der Fischereivereine seit Jahren erhöhte, sind mittlerweile 31 ehrenamtliche Kormoranberater unterwegs, davon 4 in der Oberpfalz. Fischer und Jäger sind wichtigste Partner im System vor Ort. Der Begehungsschein wird vom Kreisfischereiverein Vohenstrauß schon seit sechs Jahren von Mitgliedern, die jagdberechtigt sind, praktiziert, informierte Dittmann.

Ranger Jacob Kellers Aufgabengebiet von der Unteren Naturschutzbehörde im Landkreis Tirschenreuth umfasst Kormoran, Biber und die invasive Art, um dort einzugreifen, wo es Probleme gibt. Sicher ist, dass der Otter flächendeckend in der Oberpfalz vorhanden ist. „In unserer Region gibt es keine weißen Flecken mehr“, versicherte Lier. „Er ist überall zu sehen.“

Die Wasserspiele am Abend des Oberpfälzer Fischereitags war ein ganz besonderes Erlebnis für die Besucher. Die Feuerwehr aus Lohma stellte dafür das Equipment zur Verfügung. Korbinian und Sepp aus Letzau brachten Farbe ins Spiel. Bild: dob
Die Wasserspiele am Abend des Oberpfälzer Fischereitags war ein ganz besonderes Erlebnis für die Besucher. Die Feuerwehr aus Lohma stellte dafür das Equipment zur Verfügung. Korbinian und Sepp aus Letzau brachten Farbe ins Spiel.
Politiker zollen den Organisatoren viel Lob:

Landtagsabgeordneter Stephan Oetzinger sagte, der Verbandstag sei ein guter Tag für den Oberpfälzer Fischereiverband. „Die Fischereivereine tragen einen wesentlichen Teil zur Artenvielfalt in Bayern bei.“ Sowohl bei der Gewässerpflege als auch durch die Besatzmaßnahmen zum Erhalt von vielen heimischen Arten, die man ohne dem Engagement der Fischer in den regionalen Gewässern nicht mehr finden würde, betonte Oetzinger. Deswegen freue er sich, dass der Kreisfischereiverein Vohenstrauß mit dem Umweltpreis des Landkreises Neustadt/WN ausgezeichnet wurde.

Für die aktuellen Probleme die den Fischern unter den Nägeln brennen, wie die Otter- und Kormoranthematik genauso wie die Fauna-Flora-Habitat-Kartierung, werde er sich nach besten Kräften einsetzen.

Bürgermeister Hermann Ach ist froh, dass der Gröbenstädter Weiher vom Kreisfischereiverein gepachtet wurde und seine Marktgemeinde mit dem Verein eine enge Beziehung pflegt. Noch dazu sei er persönlich als Jagdpächter in die Kormoranbejagung an der Pfreimd eingebunden. „Nur gemeinsam kann man dem Problem Herr werden.“ Im Bereich der Gewässer dritter Ordnung im Rahmen der Gewässerrahmenrichtlinien werde der Markt Moosbach Schritte unternehmen, den Gruberbach zu renaturieren. Die Entsorgung des Humusbereichs des Randstreifens werde voraussichtlich Z-2-Material (als Abfall eingestuftes Bodenmaterial) sein und das sei ein Riesenproblem. „Wenn du ein Gewässer angreifst, wohin mit dem Material?“ Deswegen forderte Ach die Politik zu einem Umdenken auf.

Bürgermeister Andreas Wutzlhofer sagte Dank für diesen intakten Kreisfischereiverein mit Vorsitzendem Johann Dittmann. Diese Organisation eines Oberpfälzer Verbandstags so perfekt auf die Beine zu stellen gehe nur, wenn man auf verlässliche Mitglieder bauen könne. Aus der Passion des Angelns und um all die Leidenschaft des Fischereivereins entwickelte sich immer mehr eine Tendenz, sich auch um die Qualität der Gewässer zu kümmern, sagte Wutzlhofer. Deswegen auch die Auszeichnung mit dem Umweltpreis. In Bayern gebe es über 100 000 Kilometer Fließgewässer und es sei wichtig, dass sich die Vereine hier für die Ökologie und Artenvielfalt einbringen. Beim Bestandsfischen in der Pfreimd sind zwar viele Fischarten aber nur wenige große gefangen worden. Das zeige die Situation, wenn der Fischotter zugreift.

Nur gemeinsam kann man dem Problem Herr werden.

Moosbachs Bürgermeister Hermann Ach zur Otterproblematik

Moosbachs Bürgermeister Hermann Ach zur Otterproblematik

Die Grenzland-Jagdhornbläser der Kreisgruppe Vohenstrauß mit Hornmeister Eduard Forster (links) eröffneten den Oberpfälzer Fischereitag 2019 am Gröbenstädter Weiher. Bild: dob
Die Grenzland-Jagdhornbläser der Kreisgruppe Vohenstrauß mit Hornmeister Eduard Forster (links) eröffneten den Oberpfälzer Fischereitag 2019 am Gröbenstädter Weiher.
„Die Fischereivereine tragen einen wesentlichen Teil zur Artenvielfalt in Bayern bei.“ Sowohl bei der Gewässerpflege als auch durch die Besatzmaßnahmen zum Erhalt von vielen heimischen Arten, die man ohne dem Engagement der Fischer in den regionalen Gewässern nicht mehr finden würde, betonte Landtagsabgeordneter Stephan Oetzinger. Bild: dob
„Die Fischereivereine tragen einen wesentlichen Teil zur Artenvielfalt in Bayern bei.“ Sowohl bei der Gewässerpflege als auch durch die Besatzmaßnahmen zum Erhalt von vielen heimischen Arten, die man ohne dem Engagement der Fischer in den regionalen Gewässern nicht mehr finden würde, betonte Landtagsabgeordneter Stephan Oetzinger.
Verdiente Mitglieder zeichnete Hans Holler, Präsident des Oberpfälzer Fischereiverbands (rechts) mit der goldenen und silbernen Ehrennadel aus. Darunter auch der gastgebende Vorsitzende Johann Dittmann (Mitte) und der Obmann des Oberpfälzer Fischereiverbands, Hans-Hermann Lier (links). Bild: dob
Verdiente Mitglieder zeichnete Hans Holler, Präsident des Oberpfälzer Fischereiverbands (rechts) mit der goldenen und silbernen Ehrennadel aus. Darunter auch der gastgebende Vorsitzende Johann Dittmann (Mitte) und der Obmann des Oberpfälzer Fischereiverbands, Hans-Hermann Lier (links).
Der Otter ist schön anzuschauen, aber der größte Feind der Fischer, denn der Räuber liebt Fisch als Mahlzeit über alles. Verbandspräsident Hans Holler forderte die Eindämmung des Räubers. Bild: dob
Der Otter ist schön anzuschauen, aber der größte Feind der Fischer, denn der Räuber liebt Fisch als Mahlzeit über alles. Verbandspräsident Hans Holler forderte die Eindämmung des Räubers.
An verschiedenen Informationsständen ließen sich die Fischer zur neuesten Technik aufklären. Bild: dob
An verschiedenen Informationsständen ließen sich die Fischer zur neuesten Technik aufklären.
Jungfischer ließen sich über die verschiedenen Angelgeräte vom Fachmann aufklären. Bild: dob
Jungfischer ließen sich über die verschiedenen Angelgeräte vom Fachmann aufklären.
 
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