Schuldenstand sensationell niedrig

Eigentlich sind wenig Schulden Grund zur Freude. Andrerseits gibt es dann keine Stabilisierungshilfe vom Staat. "Es ist gescheiter, wir machen Schulden. Dann kriegen wir auch mal was", sagt der Bürgermeister sarkastisch.

Bürgermeister Ernst Neumann leitete seine letzte Bürgerversammlung.
von Konrad RosnerProfil

Mit 52 Einwohnern gut besucht war die Bürgerversammlung der Gemeinde Pechbrunn im Gasthaus Knopf. "Das war meine 21. und letzte Bürgerversammlung als Bürgermeister. Der eine oder andere wird sagen: Gott sei Dank", stellte Ernst Neumann am Ende humorvoll fest. Er tritt nicht mehr zur Wahl an.

Auffallend niedrig ist die Pro-Kopf-Verschuldung, nach Ausführungen des Bürgermeisters mit aktuell 74,08 Euro. "Doch das wird sich ändern", verwies er auf die anstehenden Investitionen. Ende 2018 hatte die Gemeinde 2,08 Millionen Euro an Rücklagen. 2019 werde man voraussichtlich 1,09 Millionen Euro entnehmen.

Kläranlage im Zeitplan

Neumann nannte als Grund unter anderem die Ertüchtigung der Kläranlage, die in vollem Gange sei. Die Betonarbeiten seien ziemlich abgeschlossen. Aktuell werde die Maschinentechnik auf den neuesten Stand gebracht, die Sanierung der Elektrotechnik müsse noch ausgeschrieben werden. Die Baumaßnahme werde voraussichtlich noch bis Juli 2020 dauern. Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 1,5 Millionen Euro. Die Bürger müssten sich an den Kosten beteiligen. Welcher Schlüssel dabei angewandt werde, sei noch nicht entschieden.

Auch 2019 hätte die Gemeinde mit der Trockenheit zu kämpfen gehabt. Der Appell zum Wassersparen sei angenommen worden. Weil es ab September verstärkte Niederschläge gab, sei man noch einmal glimpflich davon gekommen.

Klassenzimmer wieder top

Aktuell besuchen 43 Kinder die Pechbrunner Grundschule, 13 weniger als im Vorjahr. Neumann verwies aber darauf, dass ab 2020 die Schülerzahlen wieder ansteigen. In diesem Zusammenhang ging er auch auf die Tatsache hin, dass an der Grundschule üble Gerüche festgestellt worden seien. Bei einer Bodenprobe habe man festgestellt, dass der Estrich "ausdampfe". Dieser Estrich, der jedoch nicht asbesthaltig gewesen sei, wurde durch einen neuen ersetzt. Aktuell sei der Zustand in den Klassenzimmern absolut top. Die Kosten dafür betrugen rund 100 000 Euro. Neumann dankte allen beteiligten Firmen, die die Arbeiten in Rekordzeit in den Ferien durchgezogen hätten. Für die Schule sei ferner ein Glasfaseranschluss beantragt worden, dafür gebe es einen 90-prozentige Förderung. Der Kindergarten werde aktuell von 56 Kindern besucht, 12 davon in der Kinderkrippe. Den staatlichen Zuschuss von 100 Euro pro Kind habe man eigentlich zum Abbau des Defizits nutzen wollen. Doch nachdem es einen Sturm der Entrüstung gegeben habe, sei man zurückgerudert. Nun seien bis zu sechs Stunden täglich kostenlos, jede weitere Stunde werde mit zehn Euro verrechnet. Zur Kinderkrippe merkte Neumann an, dass diese wohl bald zu klein werde, zumal die Geburtenzahlen weiter anstiegen. Aktuell habe die Gemeinde 1351 Einwohner. Erfreulich sei die Tatsache, dass in Pechbrunn wieder gebaut werde. Man wolle "Am Mühlweg" ein neues Baugebiet ausweisen. Probleme bereite jedoch ein Lärmschutzgutachten.

Der Bürgermeister ging auf den Haushalt ein und kritisierte, dass Pechbrunn keine Stabilisierungshilfe erhalte, ganz im Gegensatz zu den Nachbargemeinden wie Mitterteich (8,8 Millionen Euro), Waldsassen (11,5 Millionen Euro) oder Konnersreuth (2 Millionen Euro). "Wir haben bisher noch nie etwas bekommen", stellte Neumann fest.

Gerüchte zum Teichelberg

Neumann nahm zu Gerüchten Stellung, wonach am Teichelberg eine Mülldeponie oder gar ein Atommülllager entstehen solle. "Diese Gerüchte entbehren jeder Grundlage. Der Teichelberg ist Naturschutzgebiet." Negativ seien Tempomessungen in der Hauptstraße in Pechbrunn verlaufen, schloss der Bürgermeister Laserkontrollen der Polizei nicht aus. Auch auf der Staatsstraße im Bereich des Bauhofs werde viel zu schnell gefahren.

Gut besucht war die Pechbrunner Bürgerversammlung mit 52 Bürgern im Gasthaus Knopf in Groschlattengrün.
Leicht erregt erklärte Karl Reichel die Abzeichen an seiner alten Feuerwehruniform, die er mit Stolz trage.
Hintergrund:

Feuerwehrmitglied beschwert sich

In seiner alten Feuerwehruniform, "auf die ich stolz bin", ergriff Karl Reichel bei der Bürgerversammlung das Wort. Weil er zu erregt sei, bat er Isgard Forschepiepe, einen Brief zu verlesen. Sein Großvater sei einer der Gründerväter der Groschlattengrüner Feuerwehr gewesen. Zwei Tage vor der Einweihung des neuen Gerätehauses habe er ein Ehrendiplom und eine Kübelspritze an die Feuerwehr übergeben. Der zufällig anwesende Bürgermeister habe dies jedoch abgelehnt. "Er hat meine Vorfahren in den Schmutz gezogen. Das lasse ich mir nicht gefallen", forderte Reichel eine Stellungnahme bis Jahresende. Beim Festzug habe man ihn, der seit 70 Jahren Mitglied bei der Wehr sei, nicht mitgehen lassen. "Das ist eine Schande."

Bürgermeister Ernst Neumann, der in der Versammlung dazu keine Stellung nahm, schildert auf Anfrage von Oberpfalz-Medien den Vorfall so, dass Reichel gefordert habe, eine Ehrenurkunde seines Vorfahren und ein selbst gemaltes Bild im neuen Gerätehaus aufzuhängen. "Das habe ich abgelehnt, schon aus Zeitgründen. Wir waren zwei Tage vor dem Fest mit Zeltaufbau und Vorbereitungen beschäftigt." Er sei auch der Meinung, dass so eine persönliche Urkunde, wie sie wohl in etlichen Familien vorhanden sei, Privatsache sei und nicht ins Gerätehaus gehöre.

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