17.05.2019 - 17:12 Uhr
Großkonreuth bei MähringOberpfalz

Elternbeirat steigt in Mähring auf die Barrikaden

Drei Lehrer für vier Jahrgangsstufen: Damit wurde der Mähringer Elternbeirat fürs nächste Grundschuljahr 2019/2020 konfrontiert. Die Eltern sind entsetzt machen nun in der Oberpfalz gegen den Lehrermangel mobil.

Franziska Schmid (mit ihrem vierten Kind Thea), Marina Weiß und Kathrin Schmeller (v. l.) wollen die Pedition des Mähringer Elternbeirats auf die gesamte Oberpfalz ausweiten. Es darf nicht sein, dass der Kampf um ausreichend Lehrer auf den Köpfern der Kinder ausgetragen wird, sagen sie.
von Ulla Britta BaumerProfil

Von den vier vorhandenen Lehrerstellen in der Grundschule soll eine gestrichen werden. Manch einem Mitglied des Elternbeirats bereitet das mittlerweile schlaflose Nächte. Sie fragen sich: Wie sollen drei Lehrer 66 Schüler in vier Jahrgängen unterrichten? Denn auch ohne große Mathematikkenntnisse ist klar: Es müssen Kombiklassen gebildet werden. Das ist gängige Praxis in kleineren Grundschulen.

Die Mitglieder des Elternbeirats, Marina Weiß, Kathrin Schmeller, Franziska Schmid, Maria Venzl und Vorsitzende Manuela Preisinger-Leiß, berichten, dass als "pädagogische Maßnahme" 15 Kinder aus der jetzigen zweiten Klasse auf zwei Kombiklassen 2/3 sowie 3/4 verteilt werden sollen. Die Mütter sind entsetzt. Abgesehen davon, dass damit die Klassengemeinschaft brutal zerrissen werde, sei eine derartige Lösung mit Bildungsnachteilen für die Kinder verbunden, finden die Mütter. "Das ist eine Sparmaßnahme", schimpft Franziska Schmid. Die 33-jährige Mutter hat drei Kinder in der Schule - in der ersten, zweiten und vierten Klasse.

Lehrermangel ein Ärgernis

Die Frauen haben mittlerweile mit Lehrern und Rektoren telefoniert, den Verband der Grundschuleltern informiert und andere Schulen kontaktiert. Sie kommen dabei zur Erkenntnis, dass Lehrermangel in der Oberpfalz ein durchgängiges Ärgernis ist. Auch Marina Weiß (33) hat zwei Kindern in der ersten und vierten Klasse. Kathrin Schmellers Sprösslinge gehen in die zweite und vierte Klasse.

Es könne nicht sein, dass der Lehrermangel auf den Schultern der Kinder ausgetragen werde, beschweren sich die beiden. Denn in Oberbayern seien offensichtlich die Schulkinder ausreichend mit Lehrern versorgt. "Wir haben eine unserer Lehramtsanwärterin, die nach Oberbayern versetzt wurde, angerufen. Sie erzählte, sie müsse jetzt auch Klassen betreuen, während die Grundschullehrer selbst Schulaufgaben korrigieren", berichtet Marina Weiß. In Mähring sei das krasse Gegenteil der Fall. Hier gebe es keine Vertretung mehr. Die mobilen Reserven seien verschwunden.

Das sei keine Chancengleichheit, kritisieren die Mütter. Der Elternbeitrag hat deshalb die Petition "Jede Klasse braucht einen Lehrer" für die gesamte Oberpfalz verfasst und ins Netz gestellt, einen E-Mail-Account angelegt (lehrermangel[at]gmx[dot]de) und Unterschriftenlisten in Kindergärten, Schulen und anderen Einrichtungen aufgelegt. Sie haben auch Landrat Wolfgang Lippert und MdL Tobias Reiß informiert und um Hilfe gebeten. Außerdem wollen die Frauen die Elternbeiräte aller Oberpfälzer Schulen mobil machen. Marina Weiß freut sich über viel Zuspruch. Bis Freitag hatten sich über 1500 Unterstützer im Internet eingetragen.

Die Schule erhalten

Leitender Schulamtsdirektor Rudolf Kunz weiß von den Sorgen der Mähringer Eltern. Er räumt ein, dass auf dem Land Lehrermangel bestehe. "Wenn wir genügend Lehrer hätten, könnten wir anders handeln." Er stellt heraus, dass sich das Schulamt sehr ins Zeug lege, um die Mähringer Grundschule zu erhalten. Sonst müssten die Kinder nach Tirschenreuth fahren. Die Zusammenlegung von Klassen sei ganz normal. Das sei bayernweit Praxis, erklärt er.

"Wir müssen alle Schulen im Landkreis gleich behandeln", betont Kunz zur Bildung von Kombiklassen. Mähring bekomme dafür erfahrene Lehrkräfte, verspricht er. Zu den Vorwürfen, Oberbayern werde bevorteilt bei der Lehrerverteilung, meint der Schulrat, dies sei der demografischen Entwicklung anzurechnen. Die Oberbayern hätten nun mal mehr Kinder. Es liefen Bemühungen, in Zukunft nicht mehr lediglich eine Notversorgung, sondern eine gute Versorgung zu schaffen, sagt Kunz.

Nur politischer Druck könne etwas verändern. Die Sorgen der Eltern, ihre Kinder könnten durch Kombiklassen benachteiligt werden, teilt er nicht. Es gebe keine Hinweise, dass diese Kinder bei Übertritten schlechter abschneiden würden. Zur Kombiklassen-Bildung hat der Schulrat andere Informationen als der Elternbeirat. Mähring bekomme Kombiklassen 1/2 sowie 2/3. Die vierte Klasse mit 15 Schülern sei nicht betroffen.Zur Petition: https://www.openpetition.de

Hier der Link zur Online-Petition

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.