27.03.2020 - 12:52 Uhr
Güttern bei FuchsmühlOberpfalz

Gärtnerei Schinner: Blühende Blumen und viele Sorgen

Rund 150.000 Frühlingsblumen, beispielsweise Narzissen, Primeln oder Stiefmütterchen, wachsen in den fünf Gewächshäusern von Hans-Joachim Schinner. Das Problem: Der Gartenbau-Ingenieur kann momentan nichts verkaufen.

Gartenbau-Ingenieur Hans-Joachim Schinner ist tief betroffen. Wie es mit seinem Betrieb, den er vor 25 Jahren von seinem Vater übernommen hat, weitergeht, ist nur schwer abzuschätzen.
von Konrad RosnerProfil

Gartenbau-Ingenieur Hans-Joachim Schinner ist fassungslos: „Solch eine Situation habe ich noch nie erlebt.“ Rund 150.000 verschiedene Frühlingsblumen und Pflanzen haben er und sein Team zum Teil im August vergangenen Jahres gesät und hoch „gepäppelt“, täglich gepflegt. Nun muss er tagtäglich Hunderte von Blumen wegwerfen, weil er keine verkaufen kann.

Jeden Tag habe er laufende Kosten von rund 5000 bis 6000 Euro, aber keinen Umsatz, gerade jetzt in einem Monat, wo das Geschäft mit Frühlingsblumen normalerweise floriert. Der finanzielle Schaden sei auf jedem Fall in einem sechsstelligen Bereich.

Man merkt Schinner an, dass er tief betroffen, ja geschockt ist. Denn die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Saison seien optimal gewesen: Es war ein milder Winter und die Pflanzen gedeihten prächtig. Doch dann kam das Coronavirus mit all seinen Nebenwirkungen.

Blumen über Blumen im Gewächshaus der Gärtnerei Schinne in Güttern, die momentan nicht verkauft werden dürfen.

Schinner betont aber, dass er die Maßnahmen der Regierung verstehe und auch akzeptiere. „Denn es geht um die Menschheit.“ Das Virus müsse bekämpft werden. Blumen seien halt nun mal nicht lebensnotwendig, deshalb dürfe er keine verkaufen. Kritik übt er in diesem Zusammenhang aber an manchen Bürgern, die die Baumärkte und Gartencenter als Erlebnismärkte „missbrauchten“, so dass die Bundesregierung wegen der Ansteckungsgefahr reagieren musste, zum Schaden seiner Branche.

Die erwische es genau in einer Phase, wo man Geld verdiene. Geld, das die Betriebe brauchen, denn viele hätten investiert. Rund 150.000 Frühlingsblumen, ob Narzissen, Primeln, Stiefmütterchen oder Vergissmeinnicht, um nur einige der Arten zu nennen, wachsen in fünf Gewächshäusern in Güttern. Die Pflanzen sollten nun in den fünf Filialen, die alle geschlossen sind, verkauft werden.

Frühlingsblumen, so weit das Auge reicht. Fünf Gewächshäuser sind davon voll.

Großes Lob zollt er der Gartenbau-Ingenieur seinen Mitarbeitern, die voll und ganz hinter ihm stehen und sich engagieren. Dennoch habe er Kurzarbeit beantragen müssen. „Ich habe unseren Betrieb vor 25 Jahren mit zwei Beschäftigten von meinem Vater übernommen. Heute haben wir 30 Beschäftigte. Und nun geht innerhalb von einigen Wochen alles den Bach runter“, ist Schinner fassungslos. Aktuell arbeitet er nur mit einer Notbesetzung, die den Online-Handel betreut.

Schinner ist aber Berufsoptimist und gibt nicht auf. „Vielleicht wird ja die Sperre am 6. April wieder aufgehoben. Dann könnten wir zumindest noch einiges verkaufen“, hofft er auf eine positive Wende. Jedoch ist der Unternehmer auch Realist genug, um zu wissen, dass diese Frist sogar verlängert werden könnte. Was dann passiert, an das will er gar nicht denken.

Wunderschön blühende Blumen so weit das Auge reicht.

"Ich kann nachts schon nicht mehr schlafen“, gesteht Schinner. Es sei alles nur noch traurig, wenn er durch die Gewächshäuser gehe und seine prächtig blühenden Blumen sehe. „Denn ich bin mit Herzblut Gärtner. Und nun müssen wir die Blumen, die wir ein halbes Jahre gepflegt haben, weg werfen. Das tut weh“.

Der Bayerische Gärtnerverband unterstütze seine Mitglieder, wo es nur gehe. Aber auch der Verband müsse sich der hohen Politik beugen. Schinner berichtet von einem Kollegen, der eine große Gärtnerei besitzt. Dieser habe bisher schon einen Verlust von einer Million Euro gemacht. Der Kollege habe berichtet, dass er drei Wochen aushalte. Sollte es in eine vierte Woche gehen, sei alles vorbei.

Hans-Joachim Schinner ist momentan betroffen und verzweifelt. „Wir sind eine gesunde Firma mit hervorragenden, fleißigen und hoch motivierten Mitarbeitern. Und dann so etwas“, schüttelt er den Kopf. Wie es mit seiner Gärtnerei nach dem Coronavirus weiter gehe, stehe in den Sternen.

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