28.04.2019 - 11:56 Uhr
GuteneckOberpfalz

Blick für archäologische Wurzeln

Bürger, die mit wachem Auge in der Natur unterwegs sind – sie schreiben an der Heimatgeschichte. Ein Stück davon ist Matthias Seegerer und seiner Familie aus Trefnitz (Gemeinde Guteneck) zu verdanken.

Die Fluren „Gleiritsch-Äcker“ (Fundstelle des Spinnwirtels) sind links zu sehen. Rechts daneben, etwa ab der Scheune, befindet sich der westliche Teil der Ortsflur „Spitznenwies“ bzw. „Spitzl“ (Fundstelle des Mahlsteins).

Etwa 1980 fand seine damals noch kleine Tochter Regina Seegerer in einem südöstlich der Ortschaft gelegenen aufgelassenen Hohlweg, der „Gass“, ein weitgehend erhaltenes, kleines Keramikgefäß. "Archäologisch höchst bemerkenswert!" freut sich Kurt Engelhardt, der Kreisheimatpfleger für Archäologie.

Es handelt sich um einen kleinen, gedrungenen Kumpf aus dem Frühmittelalter (450 bis 919 n. Chr.), der den Merkmalen nach wohl slawischer Herkunft ist. Engelhardt stellt einen Bezug zu anderen Funden – wie in Iffelsdorf – her, die darauf schließen lassen, dass Slawen in das damals noch riesige, zusammenhängende Waldgebiet zwischen Nordgau und Böhmen Rodungsinseln trieben. Dafür, dass das auch im Bereich von Trefnitz geschah, spricht schon der Ortsname.Er rührt von „drebo“ (=Baum) bzw. „drevina“ oder „dreviniza“ (was Ort am Holz bzw. Holzplatz bedeutet) her. "Es liegt also nahe, dass der Kumpf ins 7. bis 9. Jahrhundert n. Chr. datiert", so Engelhardt.

Derart kleine Kumpfe wurden, gefüllt mit Speisen und Getränken, Kindern ins Grab mitgegeben. "Es spricht einiges dafür, dass wir es bei dem Fundort mit dem Bereich eines Kindergrabes zu tun haben", betont Kurt Engelhardt. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege hat deshalb ein kleines Bodendenkmal mit der Beschreibung „Bestattungsplatz des Frühmittelalters“ ausgewiesen.

Wenige Jahre später fand Juliane Seegerer, die Mutter von Regina, beim Steineklauben auf dem Acker im südlichen Bereich der Flur „Gleiritsch-Aecker“ einen Spinnwirtel. Er gehört in die sogenannte Eisenzeit (750 v. Chr. bis etwa Christi Geburt). Für Engelhardt ist das der erste Hinweis darauf, dass in Trefnitz schon lange vor dem Frühmittelalter gesiedelt worden sein könnte.

Etwa Mitte der 80er Jahre wurde dann Matthias Seegerer selber fündig. Bei Erdarbeiten im Bereich der Flur „Spitznenwies“ (von den Einheimischen „Spitzl“ genannt), in der Nähe seiner Fischweiher, tauchte das Bruchstück des Laufsteins einer stark abgenutzten Handdrehmühle auf. Sie war typisch für frühmittelalterliche, vor allem slawische Haushalte. "Wir haben hier nach dem Kumpf also den zweiten deutlichen Hinweis darauf, dass Trefnitz im Frühmittelalter slawisch besiedelt war", erläutert der Kreisheimatpfleger.

Seine regelmäßigen Begehungen seit 2011 und weitere Funde von Matthias Seegerer brachten noch mehr Erstaunliches zutage. Sie legen die Annahme nahe, dass es sich bei dem Bereich Trefnitz um ein mittelsteinzeitliches Jagdrevier und bei dem Ort selber um eine vorgeschichtliche (also bereits vor Christi Geburt bestehende) Siedlung handelt.

"Heimat Nabburg":

Ausführliche Beiträge des Kreisheimatpflegers für Archäologie, Kurt Engelhardt, zum Artikel finden sich in den beiden letzten Ausgaben der "Heimat Nabburg" des "Forums".

Matthias Seegerer aus Trefnitz, ein heimatgeschichtlich interessierter Landwirt und Jäger
Etwa so wie die Replik rechts im Bild könnte der gefundene, beschädigte Kumpf (links) vormals ausgesehen haben.
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