28.05.2021 - 10:58 Uhr
GuteneckOberpfalz

Graf Beissel von Gymnich - der Getriebene von Guteneck

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Der 66-Jährige hat vor 20 Jahren das Oberpfälzer Schloss von seinem Vater geerbt und wohnt seitdem dort. Er ist bereit, sein Zuhause zu teilen, um es zu erhalten - denn die adeligen Gemäuer von Guteneck sind seine Lebensaufgabe.

Burkhard Graf Beissel von Gymnich in der Galerie seines Schlosses in Guteneck.
von Sebastian Böhm Kontakt Profil

Der Regen trommelt gegen das Dach des Schlosses in Guteneck. Burkhard Graf Beissel von Gymnich steht in seiner Galerie und blickt prüfend aus dem Fenster. "Diese ein, zwei Stellen gefallen mit gar nicht, da muss ich mal bald was machen", sagt er. Er hat gesehen, dass das Wasser an diesen Stellen nicht mehr so abfließt, wie es sollte. Jeden Schaden, den er entdeckt, scheint er nicht nur persönlich zu nehmen, er macht es. "Ich bin ein Teil dieser Gebäude", sagt er.

20 Jahre ist es her, dass seine Eltern bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen sind. Seitdem kümmert er sich um das väterliche Erbe mitten in der Oberpfalz und lebt auf Schloss Guteneck. Um den Grafen zu finden, muss man in die hinterste Ecke des Arkaden-Schlosshofes gehen. Vor einer unscheinbaren Treppe, ist ein Klingelschild angebracht. Es ist der einzige Hinweis darauf, dass hier auch jemand lebt. Burkhard Graf Beissel von Gymnich wohnt nicht protzig in den großen Räumen seines Besitzes, diese Bereiche überlässt er seinen Gästen.

Denn der Graf hat Schloss Guteneck zu einer Art adeliger Disney World in der Oberpfalz geformt. Gefühlt kann man hier alles machen. Als der Regen Pause macht und dieser aprilige Mai wieder kurz die Sonne scheinen lässt, spaziert der Schlossherr über seinen Besitz. Er zeigt, was er bereits macht und was er noch alles vor hat. Es sprudelt aus dem 66-Jährigen förmlich heraus: "Wir bauen gerade das Schlosscafe um. Dann können zum Beispiel auch die vielen Radfahrer, die es hier in der Region gibt, bei ihm einkehren. Zudem plane er ein eigenes Bier, einen Schlossladen, einen Bauernmarkt und neue Möglichkeiten für Seminare.

Im Video: Zu Besuch auf Schloss Guteneck

Im Winter verwandelt sich das Schlossareal in einen riesigen Weihnachtsmarkt. Bis zu 30 000 Gäste kommen dann nach Guteneck. Außerdem gibt es einen Biergarten, Ritteressen im Gewölbe, Bogenschießen und vor allem Hochzeiten. In den Sommermonaten feiern hier viele Paare das Fest der Liebe, mit hunderten Gästen. Meistens starten die Events mit einem Sektempfang im Schlosshof, die Tische mit den Getränken und den Häppchen sind dann übrigens oft direkt neben der unscheinbaren Treppe aufgebaut. Von dem Klingelschild des eigentlichen Bewohners dieser adeligen Party-Location nimmt dann natürlich keiner der Gäste Notiz - alle genießen die romantische Atmosphäre im Schlosshof.

Burkhard Graf Beissel von Gymnich will das so. Er teilt sein Zuhause - und in der Zukunft sogar noch mehr. Denn durch die weiteren Angebote, die er schafft, werden auch weitere Gäste auf seinen Besitz in der Oberpfalz strömen. "Das muss man wollen", gibt er zu. Aber er erklärt auch, dass ihn die Pandemie auch gewissermaßen dazu zwinge. "Wir stellen uns gerade noch breiter auf, wir wollen noch unabhängiger werden", sagt er. Sein Privatleben auf dem Schloss stellt er dafür zurück, engt sich noch mehr ein. Aber Wegziehen ist für ihn keine Option. "Wenn ich hier wegziehe, kann man das nicht mehr erhalten." Keiner würde hier einziehen wollen, die Kosten seien einfach unverhältnismäßig hoch.

Für den 66-Jährigen ist es eine Lebensaufgabe, das Schloss auf eine solide Basis für die Zukunft zu stellen. "Ich habe hier ja keine Firma geerbt, sondern ein Kulturgut, es gibt die Verpflichtung des Erhalts", sagt er. Früher war der Graf in München, Düsseldorf und der ganzen Welt unterwegs. Er hat Büros geleitet - die Vermögensverwaltung und der Börsenhandel waren seine Welt. Und jetzt Guteneck. Aber Burkhard Graf Beissel von Gymnich fühlt sich hier wohl. "Es war wie heimkommen. Die Stadt ist die Karriere, das Land die Seele."

Alte Tradition durch neue Wege erhalten

Oberpfalz

Von der Karriereleiter sprang er damals hinunter und stellte sie erst einmal weit weg. "Du musst schauen, dass du das Geld verdienst, mit dem du hier leben kannst, dann musst du irgendwann das Geld verdienen, das du in deinem Beruf bekommen hast, das ist ein langer Weg. Ich nenne das Demut lernen", erklärt er. Es gab auch schwierige Zeiten, in denen er nicht wusste, wie es weitergeht, gibt er zu. Aber Burkhard Graf Beissel von Gymnich weiß, wie man Geld macht, wie man es verwaltet und er sprüht vor Tatendrang.

"Es wird noch sehr viel kommen, davon bin ich überzeugt, ich werde bis ich 88 Jahre alt bin meinen Job hier machen und dann gehe ich in Teilzeit", erklärt er lachend. Aber man spürt schnell, dass das eigentlich nicht als Witz gedacht war. Der 66-Jährige ist ein Getriebener - von sich selbst und seinen hohen Ansprüchen. Es ist die Aufgabe seines Lebens, die alten Gemäuer von Guteneck mit Leben zu füllen. "Ich mache das so lange, wie mein Schöpfer mich lässt", sagt er.

Überblick:

Die Geschichte der Gebäude

Schloss Guteneck besteht aus einer Dreiseitanlage auf gotischen Grundmauern. Der Wohnflügel mit der Schlosskapelle St. Katharina ist im Kern seit dem 14./15. Jahrhundert erbaut und wurde Anfang des 19. Jahrhunderts verändert.

Der zweigeschossige Arkadenhof des Schlosses wurde im späten 19. Jahrhundert hinzugefügt. Der dazugehörige Gutshof, Dreiseitanlage, besteht zusätzlich aus einem früheren Schweitzerhaus mit Erdgeschossgewölben aus dem frühen 19. Jahrhundert. Die ehemalige Brauerei von 1571 wurde 1822 neu erbaut (Halbwalmdachbau).

Überblick:

Die Geschichte der Besitzer

Die Burg Guteneck wurde erstmals im 12. Jahrhundert erwähnt. 1278 kam die Burg Guteneck an das Geschlecht derer von und zu Murach. 1299 ist erstmals ein Jordan von Murach amtlich beurkundet. Wolff Albrecht von Murach veräußerte 1576 Burg Guteneck an die Freiherrn von Kreith. Die Freiherrn von Kreith wurden im 17. Jahrhundert in den Reichsgrafenstand erhoben, und hielten, wie ihre Vorgänger 300 Jahre an Guteneck fest.

Die letzte Reichsgräfin Franziska von Kreith (weil kinderlos) verkaufte 1894 Schloss Guteneck mit dem Hofgut an ihren Bruder, den Grafen Franz von Spreti. 1923 veräußerte Graf Spreti das Anwesen wieder an einen Makler aus Nürnberg, der den Besitz 1937 an den Erbprinzen Leopold von Coburg, Sachsen und Gotha verkaufte.

1961 erwarb Albrecht Graf Beissel von Gymnich das Schloss Guteneck von der Herzogin von Coburg, Sachsen und Gotha und verlieh dem Anwesen sein jetziges Erscheinungsbild. Burkhard Graf Beissel von Gymnich übernahm den Besitz im Jahre 2001 von seinem Vater Albrecht.

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