18.08.2020 - 11:27 Uhr
GuteneckOberpfalz

Neue Wege in der geordneten Flur

Ein 7,2 Kilometer langes Wegenetz resultiert aus der Flurneuordnung. Es nützt in erster Linie der Landwirtschaft in der Gemeinde Guteneck. Damit ist das Gesamtprojekt aber nicht zu Ende. Es geht nächstes Jahr weiter.

Nördlich von Weidenthal wurde eine Neutrassierung eines Weges vorgenommen. Die rechte Wegseite wurde im Anschluss mit einer Heckenstruktur bepflanzt, um eine Biotopvernetzung in Richtung Wald zu ermöglichen und eine bestehende Struktur zu ergänzen. Eine neu aufgestellte Bank lädt zum Verweilen ein und ermöglicht einen einmaligen Ausblick in die Weidenthaler Flur.
von Externer BeitragProfil

Bei der offiziellen baulichen Schlussabnahme konnten sich die Vertreter der Gemeinde, der örtlich zuständigen Vorstandschaft, des Amtes für Ländliche Entwicklung Oberpfalz, der beauftragten Baufirma Fischer sowie des Verbandes für Ländliche Entwicklung Oberpfalz über den Abschluss des gelungenen zweiten Wegebauprogrammes in der Flur freuen. Die örtliche Bauaufsicht stellte fest, dass dieses Bauprogramm, welches im Frühjahr 2019 begonnen worden ist, geprägt war von einer außerordentlich guten Zusammenarbeit.

Der zuständige Projektleiter, Bauoberrat Martin Stahr, erinnerte an die letzten Monate und Jahre des Flurneuordnungs- und Dorferneuerungsverfahrens Guteneck-Weidenthal, welches im Frühjahr 2014 eingeleitet worden ist, im Februar 2018 die Baugenehmigung erhielt und sechs Jahre später ein neues, den Ansprüchen der modernen Landwirtschaft angepasstes, etwa 7,2 Kilometer langes Hauptwirtschaftswegenetz vorweisen kann.

Eigene Entscheidungen

Wichtig sei es, dass in den Flurneuordnungsverfahren die Bürger, organisiert in einer gewählten Vorstandschaft, vor Ort die Planungen und Entscheidungen übernehmen und festlegen, ob die stärkste Ausbaustufe eines Schotter-Weges mit einer befahrbaren Kronenbreite von bis zu 4,5 Meter und einer zulässigen Achslast von bis zu 10,5 Tonnen benötigt wird, ein Pflasterweg ab einer Steigung von circa zehn Prozent notwendig oder ob der klassische Grünweg ausreichend ist, um die letzten Meter bis zum Feldstück zu erschließen. "Es ist eine Kostenfrage, eine Vorplanung für die zukünftige Zusammenlegung, eine Verantwortung gegenüber allen Grundstücksbesitzern und Teilnehmern des Verfahrens und zugleich eine einmalige Investition in die Zukunft bei einer Förderung von 90 Prozent", stimmten die örtlichen Vorstandsmitglieder Albert Zeitler und Michael Haas dem Projektleiter zu. "Aber die Rückmeldungen von den Landwirten und auch von externen Gästen, wie zum Beispiel den Vorstandsmitgliedern aus dem Verfahren Denglarn, seien zufriedenstellend und wir können stolz auf unsere Leistungen in der Flur sein.", ergänzte Haas, der Wegbaumeister der Vorstandschaft.

Begeisterung ausgelöst?

Bürgermeister Johann Wilhelm stellte die Folgen des Strukturwandels in der Landwirtschaft in den Vordergrund. Größere Betriebe, größere Maschinen, höhere Pachtquoten und zeitgleich zu kleine Feldstücke, die teilweise von ihren Größen unter dem Landesdurchschnitt liegen: Die Flurneuordnung sei hierbei ein geeignetes Instrument, um mit den Betroffenen vor Ort die notwendigen Weichen für die Zukunft zu stellen. Er hoffe, dass sich die Begeisterung für eine Flurneuordnung auch auf andere Teile im Landkreis Schwandorf übertragen lässt.

Innerhalb von zwei Bauprogrammen wurde ein Investitionsvolumen von 1,3 Millionen Euro zur Herstellung der Infrastruktur umgesetzt. Eine beachtliche Leistung sei das auch von Seiten des Verbandes für Ländliche Entwicklung Oberpfalz. Parallel wurden zahlreiche Ausgleichsmaßnahmen in der Flur mit einem Investitionsvolumen von weiteren 150 000 Euro realisiert.

Artikel zum Start des zweiten Bauprogramms

Guteneck

Drei Bachrenaturierungen, Heckenpflanzungen unter Einbindung des Kindergartens in Weidenthal, um auch den Jüngsten den Naturschutz näher bringen zu können, die Herstellung eines ökologischen Wegseitengrabens und die Integration von Maßnahmen zum dezentralen Hochwasserschutz mit einem Rückhaltevolumen von etwa 1500 Kubikmeter runden das Maßnahmenprogramm aus ökologischer Sicht ab. Die Bachrenaturierungen seien zwar teurer als Heckenpflanzungen, jedoch wurden von der Vorstandschaft gezielt Flächen hierfür in Anspruch genommen, die recht feucht oder für die landwirtschaftliche Nutzung nicht geeignet sind.

Derzeit hätten alle Teilnehmer des Verfahrens ihre vorläufigen Flurbereinigungsbeiträge stets pünktlich gezahlt und der aktuelle Betrag pro Hektar im Verfahrensgebiet lässt sich auf 800 Euro je Hektar beziffern. Werden zum Zeitpunkt der vorläufigen Besitzeinweisung langfristige Pachtverträge (über zehn 10 Jahre) abgeschlossen, so kann eine weitere Gutschrift in Höhe von bis zu 50 Prozent erfolgen. Die finanziellen Vorteile aus der späteren Zusammenlegung und dem Wegebau belaufen sich in der Regel auf 192 bis zu 276 Euro pro Hektar, so die Erfahrungen aus anderen Flurneuordnungsverfahren.

Nochmals zwei Jahre

Zwischenzeitlich wurden bereits die Arbeiten zur Verdichtung und Überprüfung des Katasterfestpunktfeldes in der Flur aufgenommen, so dass im Frühjahr 2021 die Vermessungsarbeiten voraussichtlich beginnen können. Bei diesem Projektabschnitt, für den circa zwei Jahre vorgesehen sind, können wieder Hand- und Spanndienste von den Teilnehmern geleistet werden, um die Beitragslast weiter zu senken.

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