23.08.2020 - 15:21 Uhr
HahnbachOberpfalz

Wenn der Biber mit der Bisamratte baut

Eine AOVE-Tour bietet in Hahnbach Wissenswertes über Flora und Fauna. Due Teilnehmern erfahren viel über Biber, Eisvögel, Rotmilane und indisches Springkraut.

Gerd Ponkratz (links) zeigt einen ausgestopften Rotmilan.
von Autor MMAProfil

Gut angenommen wurde die Aktion "VilsErleben" der Arbeitsgemeinschaft Obere Vils/Ehenbach (AOVE) auf der Gockelwiese. Kulturführer Gerd Ponkratz berichtete aus seinem Erfahrungsschatz als Förster, Jäger und Angler. Er erklärte Äste verschiedener Bäume der Hahnbacher Weich- und Hartholz-Auen. Anhand von Präparaten von sieben heimischen Tieren stieg er nach der Flora kenntnisreich auch in die örtliche Fauna ein.

Gleich zu Beginn konnten die Teilnehmer einen ausgestopften ausgewachsenen Biber aus nächster Nähe bewundern. An einem Verbissschaden zeigte Ponkratz die Wirkung der starken Biber-Zähne. Das Nager habe lange Zeit als ausgestorben gegolten. Wieder angesiedelt, richte er nicht zu vernachlässigende Schäden an Bäumen, Flussperlmuscheln und Zuckerrüben sowie auf Weizen- und Hafer-Feldern an. Dafür, so Pongratz, gebe es aber Entschädigungen aus einem Fonds des Staates. Insgesamt sei der Biber durch seine Wasser stauenden Bauten "eigentlich ein Naturschützer" in den Feuchtbiotopen. Nicht selten lebe er sogar in einer effektiven Koexistenz mit Bisamratten, von denen ebenfalls ein Präparat bestaunt werden konnte. Diese Tiere würden sogar dabei helfen, den Biberbau immer wieder abzudichten. Will er vor Eindringlingen warnen, so schlage der Biber unüberhörbar lautstark und mit einem Knall "wie ein Gewehrschuss" mit seinem Schwanz aufs Wasser, um sich dann durch das unter Wasser liegende Einschwimmloch in Sicherheit zu bringen, sagte Ponkratz.

Zu sehen gab es auch einen ausgestopften Eisvogel. Dieses Tier baue lange, nach oben gebogene Neströhren und sei ein "lustiger Geselle", ließ der langjährige Förster wissen. Ganzjährig lebe der Vogel auch in Hahnbach an offenen Gewässern. Das disziplinierte Anstehen des Nachwuchses bei der Fütterung und die umgehende Entsorgung der Kotnetze beschrieb der passionierte Angler gewitzt und im Detail. Ponkratz zeigte auch eine Wasseramsel und erklärte, dass diese auf Nahrungssuche unter Wasser scheinbar "fliege". So listig der Kuckuck mit seinen sprichwörtlichen Kuckuckseiern auch sei, große Probleme mache ihm nun die Klimaerwärmung, da die Vögel immer früher brüteten und sie mit 20 Eiern schlichtweg zu spät kämen.

Beeindruckend war für die Teilnehmer auch das Präparat eines großen Rotmilans mit einem gegabelten Schwanz. Dieser Vogel verschmähe auch verendete Fische nicht und sei dadurch sehr wohl ein Umweltschützer. Für alle neu war wohl das Brüten der Schellente in ehemaligen Spechthöhlen. Diese seien oft in neun oder gar zehn Meter Höhe und in Wäldern zu finden, nicht selten bis zu zwei Kilometer von Gewässern entfernt. Sind die Jungen flügge, locke sie die Mutter. Die Winzlinge kämen dann halb segelnd, halb fallend, vom hohen Baum herab, um im "Gänsemarsch" hinter ihrer Mutter zum nächsten Gewässer zu watscheln.

Gemeinsam ging man noch zu einem vom Biber gebauten Staudamm beim nahen Spielplatz. Dort verwies Gerd Ponkratz auch auf das wuchernde indische Springkraut. Dieses müsse unbedingt vor seiner Blüte geschnitten werden, da es ansonsten schnell die örtlichen Gewächse verdränge und nur noch schwer zu kontrollieren sei.

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