17.05.2019 - 17:57 Uhr
HahnbachOberpfalz

Chris Boettcher in Hahnbach: Alpen-Muezzin trifft Bobbele

111 Jahre feiert der Katholische Burschenverein Hahnbach. Nur halb so alt ist Musikkabarettist Chris Böttcher. Mit seinem Programm "Das Beste" begeisterte er sein Publikum. Aber das war erst der Auftakt von vier Festtagen.

Chris Böttcher begeistert am und ums E-Piano in der Hahnbacher „Olympiahalle“ mit viel Wortwitz.
von Autor MMAProfil

Grimassen schneidend, Fuß wippend, reimend, haarscharf an Zweideutigkeiten nur knappst oder bewusst auch gar nicht vorbei und urkomisch persiflierte der Münchener Moderator vom Bayerischen Rundfunk ungeniert echte und vermeintliche Prominenz in Kultur, Politik und Sport. Beim Bieranstich scharten sich im gut gefüllten Festzelt um den Schirmherrn Bernhard Lindner Burschen-Vorsitzender Lukas Götz und Präses Christian Schulz, Ehrenpräses Thomas Eckert, die Vorsitzenden des Hahnbacher KBV und des Aschacher Patenvereins, Festausschuss und Ehrendamen. Begleitet wurden sie von Matthias Meier (Akkordeon). Mit der "Burschenherrlichkeit" eröffneten sie die vier Festtage, die über 18 Monate lang vorbereitet worden waren.

"Hahnbach ist geil"

"Hahnbach ist geil" fand Chris Böttcher gleich eingangs, obwohl der Ort doch recht überschaubar sei, mit der antiken Tankstelle am Oberen Tor, der Paulersen Mare als Hofbräuhaus-Ersatz und dem Radlträger-Denkmal. Schnell hatte der Comedian die 1300 Zuhörer gewonnen, die ihm zurufend, singend und klatschend zweieinhalb Stunden gerne folgten. Viele Schauspieler, Sänger, Sportler, hier vor allem die Fußballer und das Bobbele, sowie Politiker nahm er mit ihren Marotten und Eigenheiten präzise sezierend aufs Korn.

Zu seinen Lieblingskünstlern avancierten dabei Udo Lindenberg (mit gestraffter Unterlippe), Herbert Grönemeyer (mit dem Halsknödel) und (Bi-Ba-Butzemann) Peter Maffay. Aber auch Carpendale, Heino, Silbereisen oder Gabalier parodierte er genial. Unweigerlich wurden auch bekannte Politiker wie (die äußerlich asketische, doch innerlich heiße) Angela Merkel, Stoiber, Seehofer, Trump (mit einem zu fütternden Tier auf dem Kopf, das wohl Putin geschossen hat), Putin oder Erdogan, Sportler oder die Fifa mit spitzer Zunge humorvoll und zur Freude der Zuhörer doch recht bissig vorgeführt.

Die Welt der Schönen und Reichen im TV mit ihren Models, dem Dschungelcamp, DSDS, den Kochshows (wie Porno ohne Mitarbeiten), Bachelors oder Shopping Queens entlarvte Böttcher als ideale Leckerbissen für den weißen Hai. Alexa, das Traumschiff, die Bundeswehr, Parteien oder Ikea: kaum einen Bereich, den Böttcher verschonte und damit im Festzelt wahre Lachsalven lostrat. Auch ganz alltägliche Themen wie Diäten, die von der AfD ("asozial, fremdenfeindlich und dumm") geschürten Ängste vor einem AlpenMuezzin im Dubaital, Frauen und Männern über 40, intime Schwächen (mit seinem Geständnis: "Ich bin ein Heimscheißer") oder gar Mamas und Großeltern, die jede Erziehung zunichte machen, purzelten von der Bühne in Liedern und Gedichten und rasantem Tempo auf ein dankbares Publikum.

Ozapft is (von links): Jonas Kopf (Vorsitzender Aschach), Martin Wawersig (Zweiter Vorsitzender Hahnbach), Florian Rauch (Festausschuss), Präses Christian Schulz, Ehrenpräses und Ehrenschirmherr Pfarrer Thomas Eckert, Schirmherr Bürgermeister Bernhard Lindner, Christian Seifert (Festausschuss), Lukas Götz (Vorsitzender KBV Hahnbach) und Fabian Pemp (Vorsitzender des Patenvereins Aschach).

Ginseng im Sektkühler

Geburts-Erlebnisse der Prominenz (Heino mit Brille, Lindenberg mit Hut), die Pubertät mit ihrer speziellen Jugendsprache ("Bodenfrostfühler" für klein oder "Entsafter" für Freundin), die Kirchensteuer und besonders die Esoterikszene, etwa beim "Unterkuscheln", die Männer als "Krone der Erschöpfung" und mancher Vornamen-Wahnsinn wurden eingehend demontiert. Böttcher bediente sicher viele Klischees und schlitterte immer wieder haarscharf an Peinlichkeiten vorbei. Doch gerade bei den fast schon liebevollen Alltagsszenen, auch und gerade der älteren Herrschaften, klang ein fast unerschütterlicher Optimismus mit, der auch kein Problem mit einer CD im Grammophon und Ginseng im Sektkühler hat.

Das Publikum dankte ihm mit viel Applaus und rief ihn immer wieder auf die Bühne zurück. Mit einem "Adieu" seiner Protagonisten und seinem Ohrwurm "Zehn Meter gehn" verabschiedete sich der "männliche Ersatz für Martina Schwarzmann" von einer restlos begeisterten Fangemeinde. Geduldig und charmant plaudernd schrieb Böttcher noch ungezählte Autogramme seiner an diesem Abend eindeutig angewachsenen Anhängerschar.

Info:

Die Party geht weiter

Heute Abend, am 18. Mai, wollen im Festzelt in Hahnbach die Quertreiber einheizen. Der Sonntag, 19. Mai, gehört dem Festgottesdienst (9.30 Uhr), dem Frühschoppen mit Mittagstisch und Marktbläsern und vor allem dem großen Festzug mit fast 80 Vereinen (13.30 Uhr). Grögötz Weißbir begleitet dann musikalisch bis zum Festausklang am Abend.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.