26.04.2020 - 17:08 Uhr
HahnbachOberpfalz

Coronavirus trifft auch Land-Pfarreien und ihre Pfarrer hart

Pfarrer Christian Schulz vermittelt auch in Zeiten der Corona-Beschränkungen viel Zuversicht. Im Interview setzt er sich für Begegnung ein, erläutert seinen Verzicht auf Online-Gottesdienste und nennt das Frohnbergfest alternativlos.

Dekan Pfarrer Dr. Christian Schulz ist für viele Gläubige ein begeisternder Prediger.
von Autor MMAProfil

Der Seelsorger der Pfarreiengemeinschaft Hahnbach, Gebenbach und Ursulapoppenricht stellte sich den Fragen, die während der Corona-Krise wiederholt in der Gemeinde auftauchen. Schulz ist zudem der von den Priestern des Dekanats Sulzbach-Hirschau gewählte Dekan, den der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer am 14. Februar 2020 bestätigt und vereidigt hat.

ONETZ: Welche Erfahrungen verbinden Sie mit der derzeitigen Coronakrise?

Christian Schulz: Ganz ohne Zweifel ist die negativste Erfahrung die, in den menschlichen Kontaktmöglichkeiten im Sinne einer Begegnung von Angesicht zu Angesicht fast vollkommen eingeschränkt zu sein. Im alltäglichen wie auch im gottesdienstlichen Leben. Dies ist für mich aber andererseits auch zugleich die positivste Erfahrung: Tiefer und neu zu wissen, was Martin Buber einmal in dem Satz zusammenfasste: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung!“ Und ich füge hinzu: Leibhafte Begegnung ist durch nichts zu ersetzen! Das spüren wir alle wohl in dieser Zeit ganz besonders und das ist ja im Grunde eine schöne, wirklich menschliche Erfahrung. Hoffen wir darum, dass die jetzige Erstarrung bald wieder in normales Leben übergehen kann.

ONETZ: Stellen Sie eine Zunahme an Telefonanrufen fest?

Christian Schulz: Vor dem Hintergrund, dass ich mich schon zu Corona-freien-Zeiten nicht über ein stummes Telefon beklagen konnte, merke ich keine signifikante Steigerung. Jedenfalls, was Anrufer anbelangt. Mein eigener Griff zum Telefon, um auf diese Weise einfach kurz und schnell hier und dort nachzufragen, wie es geht oder ob es irgendeine Hilfe braucht, ist dagegen sehr wohl häufiger geworden. Im Übrigen gibt es bei meinen regelmäßigen Fußwegen durch den Ort allenthalben Gelegenheit, natürlich unter Einhaltung der Kontaktregeln, auf der Straße oder über die Gartenzäune hinweg zumindest ein Minimum an Begegnung zu pflegen.

ONETZ: Gehen Sie zu Schwerkranken oder Sterbenden der Pfarrgemeinschaft, wenn Sie gerufen werden?

Christian Schulz: Selbstverständlich. Die Spendung der Sterbesakramente ist zum einen rechtlich möglich und kirchlicherseits ausdrücklich gewünscht. Unter Beachtung notwendiger Schutzmaßnahmen habe ich dies selbst auch schon getan. Ich bin hier besonders auch dem medizinischen Personal dankbar, das den Zugang zu Betroffenen unter nicht geringem Mehraufwand zusätzlich zu seiner Arbeitsbelastung derzeit ermöglicht. Niemand wird im Sterben allein gelassen. Dies zumindest für meinen Verantwortungsbereich zu betonen, ist mir sehr wichtig!

ONETZ: On-Line-Gottesdienste sind derzeit sehr gefragt. Bislang gibt es diese in Hahnbach nicht. Werden auch Sie diese in nächster Zeit mit Predigten anbieten?

Christian Schulz: Ganz bewusst habe ich für Hahnbach auf dieses Angebot verzichtet. Wobei es freilich durchaus Personen gibt, die hier eine Übertragungsmöglichkeit eingerichtet hätten. Ich persönlich bin der Ansicht, dass von Beginn der gegenwärtigen Beschränkungen an bereits hinreichend professionelle Angebote dieser Art in Fernsehen und Radio verfügbar sind. Und für unsere Diözese Regensburg ist sehr rasch eine Live-Übertragung aus der Kathedralkirche eingerichtet worden. Vor diesem Hintergrund muss es meiner Meinung nach schlicht und einfach nicht aus jeder Dorf- oder auch Stadtpfarrkirche eine eigene Live-Schaltung geben. Und mit einem Augenzwinkern möchte ich hinzufügen: Es wird, so Gott will, auch wieder Zeiten geben, in denen man mich predigen hören kann.

ONETZ: Das alljährliche „High-Light“, das Frohnbergfest, wird ja höchstwahrscheinlich heuer nicht stattfinden können. Was wäre denn das Thema gewesen? Sind schon Alternativen geplant? Welche Idee hätten sie?

Christian Schulz: Was das diesjährige Frohnbergfest anbelangt, wird es zu gegebener Zeit auf Grundlage der Notwendigkeiten eine Entscheidung geben. Bereits im Januar habe ich unserem Gesamt-Pfarrgemeinderat das kommende Leitthema vorgestellt: „Ist die Welt noch zu retten? – Christliche(s) Antworten auf das geistige Klima unserer Zeit“. Die Themen der einzelnen Gottesdienste sprechen, beinahe prophetisch, ganz besonders in unsere gegenwärtige Situation hinein. Der Entwurf wird aber auch in Zukunft sicher nichts von seiner Aktualität verloren haben. Ob schon Alternativen für den Fall einer Absage geplant sind? Nein, ich halte das Frohnbergfest in seiner Form und von seinem Ambiente her für ganz und gar alternativlos.

ONETZ: Was glauben Sie, welche Auswirkungen auf Religion und religiöse Praxis die Coronakrise hat und haben wird?

Christian Schulz: Das vermag ich nicht abzuschätzen. Jedenfalls glaube ich nicht, weder was das soziale Leben überhaupt und religiöse Praxis im Besonderen anbelangt, an Zusammenhänge, die gleichsam eindeutige und zwingende, verallgemeinerbare Konsequenzen individueller oder auch kollektiver Art nach sich ziehen würden.

ONETZ: Rechnen Sie mit einer baldigen Wiederaufnahme von Gottesdiensten? Gibt es bereits Pläne für die Umsetzung von Schutzmaßnahmen?

Christian Schulz: Nach meiner Kenntnis laufen derzeit Gespräche darüber zwischen den staatlich und kirchlich Verantwortlichen. Bis zum Ende dieser Woche sind konkrete Ergebnisse zu erwarten. Weitergehende Planungen zur Umsetzung von Schutzmaßnahmen werden natürlich abhängig von den Vorgaben sein, die zu erfüllen sind. Deshalb gilt auch hier: Ein Schritt nach dem anderen.

Hintergrund:

Dekanat Sulzbach-Hirschau

Das Dekanat Sulzbach-Hirschau gehört zur Region VI - Amberg-Schwandorf des Bistums Regensburg. Zum Dekanat Sulzbach-Hirschau gehören die folgenden Seelsorge-Einheiten: Ammerthal, Freihung mit Großschönbrunn, Seugast, Thansüß und Tanzfleck, Gebenbach mit Ursulapoppenricht, Hahnbach mit Iber, Hirschau mit Ehenfeld und Weiher, Kemnath am Buchberg, Lintach mit Pursruck, Poppenricht, Schlicht mit Kreuzberg und Schönlind, Schnaittenbach mit Holzhammer und Neuersdorf, Sulzbach-Rosenberg Herz-Jesu und St. Marien, Vilseck mit Sorghof sowie Wutschdorf mit Etsdorf.

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