17.02.2020 - 14:56 Uhr
HahnbachOberpfalz

Neues Hahnbacher Buch-Haus hat zwei Gesichter

Die neue Gemeindebücherei in Hahnbach wird offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Und damit ein Vierteljahr später als geplant, denn für die Herstellung einer eleganten Wendeltreppe hat sich lange Zeit kein Handwerksbetrieb gefunden.

von Josef IbererProfil

Bürgermeister Bernhard Lindner konnte zu der Feierstunde eine große Schar von Gästen und Honoratioren des öffentlichen Lebens im sogenannten Buch-Haus in den modernen, hellen und gemütlichen Räumlichkeiten mit Lese-Café und Lesegarten begrüßen. Dabei blickte er auf die Entstehung der neuen Einrichtung zurück.

Nach rund 20 Jahren Leerstand und drohendem Verfall erwarb die Marktgemeinde 2015 das Gebäude, in dem einst eine Metzgerei und ein Gasthaus untergebracht waren. Ursprünglich plante die Kommune, hier Wohnappartements einzubauen. Denn Hahnbach standen aus dem Kommunalen Investitionsprogramm (KIP) des Freistaats Bayern, das für finanzschwache Kommunen aufgelegt worden ist, Mittel für eine Bücherei in Aussicht, insgesamt 855 000 Euro. Hinzu kamen Zuschüsse für die Bibliotheksausstattung und aus dem Städtebauförderprogramm. Dem standen die Gesamtkosten in Höhe von rund zwei Millionen Euro gegenüber. Die farbliche Gestaltung der Fassade ausgenommen, fasste der Marktgemeinderat alle erforderlichen Beschlüsse einstimmig. Besonders dankte der Bürgermeister dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege für die konstruktive Zusammenarbeit.

In ihren Grußworten bescheinigten Regierungspräsident Axel Bartelt, Landrat Richard Reisinger, Landtagsabgeordneter Harald Schwartz, Bürgermeister Peter Dotzler aus Gebenbach und Doris Glonnegger von der Landesfachstelle für Bibliotheken dem Bürgermeister und dem Gemeinderat, dass sie bei dieser Maßnahme Mut und Weitsicht bewiesen hätten. Der Ankauf des Gebäudes und die Baumaßnahme seien verantwortungsvolle Kommunalpolitik und beispielhaft für eine innerörtliche Leerstandsbeseitigung. Übereinstimmend meinten die Redner, dass Lesen aus Büchern und Zeitschriften in Zeiten von Tablet und Smartphone ein wesentlicher Bestandteil des Lebens sei. Büchereien als Austausch- und Kommunikationsorte sowie geistige Tankstellen erreichten alle Altersgruppen.

Die Architekten Wolfgang Brummer und Miriam Färber bezeichneten das Buch-Haus mit seiner im Ursprung erhaltenen Westfassade und der modernen Gestaltung an der Ostseite als "Haus mit zwei Gesichtern". Als eines der wichtigsten Gebäude im Ensemble stelle es eine Visitenkarte für die Ortseinfahrt dar. Eine große Herausforderung habe die barrierefreie Erschließung von fünf Ebenen und der Räume des oberen Tores gebildet. Die Verbindung der beiden Büchereiebenen mit einer skulpturartigen Wendeltreppe bezeichneten sie als gestalterischen Höhepunkt. Einige unvorhersehbare Um- und Anbauten hätten Mehrkosten verursacht.

Mit biblischen Texten leiteten die Pfarrer Hans Peter Heindl und Roland Kurz die Segnung der Räume ein. Sie stellten, auch auf Hasskommentare im Internet abzielend, fest: „Wenn die Menschen mehr lesen würden, vielleicht würden sie dann anders miteinander umgehen.“ Vor dem Segensgebet für die Figur des Hieronymus, des Patrons der Theologen, Gelehrten und Lehrer sowie der Universitäten und Bibliotheken, erinnerte Pfarrer Heindl an das Wirken des Heiligen vor 1600 Jahren. Seine Figur erinnere daran, wie wichtig Studium und Bildung für das Leben seien. Die Fünf- und Sechsklässler der Hahnbacher Schule um Regina-Rester-Achhamer gestalteten die Feierlichkeiten mit einem Becherrap, dem Zauberlehrling von Johann Wolfgang von Goethe und dem Lied vom Lesemillionär.

Unzählige Besucher schauten sich beim "Tag der offenen Tür" die neue Einrichtung an. Bewirtet wurden sie vom Katholischen Frauenbund und den Eltern-Kind-Gruppen. Die Kinder konnten sich an einem Lesequiz beteiligen. Das Büchereiteam mit Angelika Englhardt, Anita Pirner und Cornelia Kemmel informierten über den rund 11 000 Stück umfassenden Medienbestand für Alt und Jung. Auch fast 43 000 E-Medien des E-Medien-Verbunds können genutzt werden. Eine große Auswahl an Kinderbüchern im Erdgeschoss sowie ein umfangreiches Repertoire an Sachbüchern und Romanen im Obergeschoss stehen während der Öffnungszeiten (Montag, 15 bis 18 Uhr; Dienstag, 16 bis 19 Uhr; Mittwoch, 8 bis 12 Uhr; Donnerstag, 15 bis 18 Uhr) zur Verfügung. Außerhalb der Öffnungszeiten können ausgeliehene Bücher über eine Medienbox zurückgegeben werden.

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