11.05.2020 - 14:59 Uhr
Haidenaab bei SpeichersdorfOberpfalz

Französische Gefangene im Göppmansbühler Jägerhaus

Bis Ende des Zweiten Weltkrieges gab es vor allem im Göppmannsbühler Schloss Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter. Heimatforscher Werner Veigl ist dem in akribischer Arbeit und mit Zeitzeugenbefragungen nachgegangen.

Französische Kriegsgefangene, aber auch Familien aus Polen und der Ukraine waren während des Zweiten Weltkrieges im Schloss Göppmannsbühl untergebracht. Sie waren dort sowie bei umliegenden Landwirtschaften zu Arbeitsdiensten eingesetzt.
von Autor HAIProfil

Das nationalsozialistische Deutschland habe eines der größten Zwangsarbeits-Systeme der Geschichte geschaffen, erklärt Werner Veigl: Über 20 Millionen ausländische Zivilarbeitskräfte, Konzentrationslager-Häftlinge und Kriegsgefangene aus allen besetzten Ländern mussten im Zweiten Weltkrieg in Deutschland arbeiten. Auf dem Höhepunkt des "Ausländereinsatzes" im August 1944 arbeiteten sechs Millionen zivile Zwangsarbeiter im Deutschen Reich, die meisten davon aus Polen und der Sowjetunion. Über ein Drittel waren Frauen, von denen manche gemeinsam mit ihren Kindern verschleppt wurden oder diese in den Lagern zur Welt brachten. Zudem mussten 1944 fast zwei Millionen Kriegsgefangene in der deutschen Wirtschaft arbeiten. Ab 1943 griff die deutsche Industrie immer stärker auch auf Konzentrationslager-Häftlinge zurück.

Ab 1942 fehlten aber auch der Landwirtschaft immer mehr arbeitsfähige Männer, die überwiegend zu Fronteinsätzen verpflichtet worden waren. Daher begann das Nazi-Regime immer häufiger, aus besiegten Nachbarländern Zwangsarbeiter ins Land zu holen. Im Schloss Göppmannsbühl wurde der damalige Besitzer Karl Hubert von Gernler häufig genötigt, Nazi-Offiziere und Leute von der SS aufzunehmen. Dadurch wurde der historische Ahnensaal, wo sich einige Offiziere einquartiert hatten, arg in Mitleidenschaft gezogen.

Aus Polen und der Ukraine

In einem der Nebengebäude, dem sogenannten "Bauernhaus" oder Gesindehaus, war eine junge polnische Familie mit einem neunjährigen Sohn untergebracht. Zum Schloss gehörte neben einer großen Forst- und Teichwirtschaft eine beträchtliche Landwirtschaft, die es zu bearbeiten galt. Aufgrund der mangelnden Arbeitskräfte wurde das Ehepaar überwiegend dort eingesetzt. Ebenso lebte im gleichen Haus eine Frau aus der Ukraine mit einer 13-jährigen Tochter und einem 10-jährigen Sohn. Sie wurde überwiegend als Haushaltshilfe und für die Stallarbeit eingesetzt. Außerdem war sie noch als Waldarbeiterin tätig.

Im sogenannten "Jägerhaus" waren rund 15 französische Kriegsgefangene untergebracht, die ausnahmslos bei den örtlichen Bauern beschäftigt waren. Ein Wachposten musste sie bewachen. Dabei dachte aber keiner von denen an Flucht, denn es ging den meisten relativ gut. Die Kriegsgefangenen bekamen ihre tägliche Verpflegung von ihren jeweiligen Arbeitgebern und kehrten am Abend ins Jägerhaus zurück.

Auch im Schloss war ein französischer Kriegsgefangener, Francois Denis aus der Nähe von Amiens in Nordfrankreich, beschäftigt. Er war untertags zur Zwangsarbeit auf dem Bauernhof der Familie Käß in Haidenaab eingeteilt. Nachts schlief er mit weiteren Gefangenen im Göppmannsbühler Schloss. Einige Jahre nach Kriegsende kam er mit seinem Freund nach Göppmannsbühl zu Besuch, um diesem den Ort zu zeigen, wo er während seiner Gefangenschaft untergebracht war.

Rücktransport in die Heimat

Die bedingungslose Kapitulation des Deutschen Reiches erfolgte am 8. Mai 1945. Für die Kriegsgefangenen öffneten sich die Tore, die Fremdarbeiter aus den besetzten Gebieten waren frei. Wenige Monate später begannen amerikanische Truppen mit dem Rücktransport der Kriegsgefangenen in die Heimatländer. Sie lebten hier noch unter der Obhut der Militärregierungen und wurden in größere Auffanglager gebracht. Dafür kamen massenweise Flüchtlinge aus Schlesien und aus dem Sudetenland, so dass das Schloss und die Nebengebäude erneut bewohnt waren.

Der französische Kriegsgefangene Francois Denis war auf dem Bauernhof der Familie Käß in Haidenaab eingesetzt. Die Aufnahme aus dem Jahr 1945 im Besitz von Margareta Deubzer trägt im Original auf der Rückseite die Adresse des Kriegsgefangenen. Er war einige Jahre nach Kriegsende nochmal zurückgekehrt.
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