Roswitha Scheidler feiert 90. Geburstag

"Na freilich geht es gut." Die Frage des Anrufers beantwortet Roswitha Scheidler am Telefon mit fester Stimme. Mit einer Stimme, die gar nicht nach den 90 Jahren klingt, die sie am Ostermontag vollmachte.

Auch als Kochbuchautorin hat sich Roswitha Scheidler einen Namen gemacht.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Dass es keine große Sause geben kann in diesen virusverseuchten Zeiten macht ihr nichts aus. "Es ist ein bisschen tote Hose, aber ich vermisse nichts. Ich kann mich guten Gewissens jeder Situation anpassen. Ich habe ja früher schon alles gemacht." Das kann man getrost so sehen. "Die Scheidlerin", als die sie der ganze Landkreis kennt, war stets eine, die nie die Dinge auf sich zukommen hat lassen, sondern sie selbst in die Hand genommen hat.

Das mündete in zahlreiche Ämter. Von 1978 bis 2008 saß sie für die CSU im Kreistag, anfangs als einzige Frau. War das schwer? "Ach, ich hab mich schon durchgeboxt", lacht sie ihren Optimismus raus, der auf viele ansteckend wirkt. Parallel dazu fungierte Roswitha Scheidler 30 Jahre als Kreisbäuerin des Bauernverbands und heute als Ehrenkreisbäuerin.

So ganz nebenbei verpasste sie noch dem Scheidlerhof in Hammerharlesberg den Ruf eines exzellenten Ausflugslokals mit legendären Kuchen und Torten. Den Hof übergab sie später an ihren zweitgeborenen Sohn Franz, der mittlerweile Enkel Sebastian die Aufgabe übertragen hat. Dass es nicht nur mit diesen beiden gut geklappt hat, ist der Hauptgrund dafür, dass hier eine Landfrau der alten Schule mit sich im Reinen ist. "Ich habe vier Kinder, zehn Enkel und sieben Urenkel, und alle sind in Ordnung", sagt sie stolz.

Damit meint sie nicht nur, dass sie charakterlich wohlgeraten sind, sondern auch gesundheitlich. Schließlich war ihr verstorbener Mann 20 Jahre lang ein Pflegefall. Doch die Multiple Sklerose hat sich zum Glück bislang in der Familie nicht weitervererbt.

Ein kranker Mann, 4 Kinder, eine Landwirtschaft mit 20 Kühen, 15 Zuchtsauen und wesentlich weniger hilfreichen Maschinen als heutzutage - "die Rosi" weiß, was sie getan hat. Aber als ob das nicht reicht, hat sie als Hauswirtschaftsmeisterin noch jede Menge Lehrlinge ausgebildet und zwölf Jahre lang Fachunterricht am Berufsbildungszentrum in Neustadt erteilt.

Nicht zuletzt dabei haben sich ihre Kochkünste herumgesprochen. Die hat die Diözesanstelle des Katholischen Frauenbunds Regensburg später in ein Kursangebot gepackt. Egal ob bodenständig oder exotisch: Viele Hundert mal gab Roswitha Scheidler in Pfarrsälen oder Vereinsheimen Kochkurse zwischen Stiftland und Bayerischem Wald.

Vergangene Zeiten: Den Führerschein hat sie inzwischen abgegeben und ist auf den Rollator umgestiegen. "Man geht eben mit der Zeit", meint sie lapidar ohne dem Früheren lange nachzutrauern. Das vom Vater ererbte Gottvertrauen sei ihr dabei stets hilfreich gewesen.

Nicht zu vergessen, das gesellige und aufgeschlossene Wesen. Wenn "die ganze Gaudi" – so nennt sie Corona – vorbei ist, will sie diese Seite beim Besuch auf dem Scheidlerhof auch wieder mit den Gästen teilen - hoffentlich dann weiter so gesund und rege wie jetzt.

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