16.05.2018 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Tradition der Maaiandachten aan der Kapelle lebt fort Heimat Fischstein unvergessen

Auch 27 Jahre nach dem endgültigen Schlussstrich unter die Geschichte des Ortes Fischstein kehren einstige Bewohner und deren Nachkommen einmal im Jahr zurück, um an der Kapelle eine Maiandacht zu feiern. Die Bergmannsquelle dort ist schon vor 41 Jahren versiegt.

von Autor CSProfil

"Die Ortschaft besteht nicht mehr, aber für Sie ist es nach wie vor Heimat", hieß Pfarrer Pater Johannes Nikel aus Neuhaus die einstigen Fischsteiner willkommen. Zu ihnen gesellten sich viele andere Marienverehrer aus der Region, darunter auch Bürgermeister Josef Springer aus Neuhaus. Der dortige Kirchenchor mit seiner Leiterin Hedwig Schaffner begleitete die Andacht.

Früher gehörte Fischstein politisch und kirchlich zur Gemeinde Michelfeld. Auch für die schulpflichtigen Kinder hieß es, fünf Kilometer zurückzulegen, um zum Unterricht in Michelfeld zu gelangen. Im Zuge der Landkreisreform wechselte der Ort nach Neuhaus an der Pegnitz.

An die 50 Menschen lebten in Fischstein, bis es zu den ersten Ablöseverfahren wegen des engeren Wasserschutzgebietes der EWAG - heute N-Ergie - kam. Als vorletztes der insgesamt 13 Anwesen, darunter zwei Forsthäuer, fiel 1977 das Gasthaus Bergmannsquelle der Auflösung zum Opfer. Mehrere Generationen der Familie Lehner hatten es erfolgreich geführt. 1951 nahmen die Wirtsleute die Urkunde für 100 Jahre Bierbezug von ihrer Brauerei entgegen.

Anni und Martin Lehner fanden samt ihrer vier Kinder im benachbarten Pegnitz eine zweite Heimat. Sohn Stefan war mit vier Jahren nicht nur das Nesthäkchen der Familie, sondern auch der jüngste ausgesiedelte Fischsteiner. Um die Maiandacht mitzufeiern, reiste er jetzt eigens aus München an.

Auf die Initiative der früheren Wirtsleute geht auch der Gedenkstein unmittelbar an der Kapelle zurück. Sie freuen sich auch über die von der N-Ergie zugesagte Pflege des Umfelds der Kapelle. Das verstehen sie als Geste der Verantwortung und Wertschätzung der fast 700-jährige Geschichte des verlorenen Orts.

Als Ort der Zuflucht, Freude und des Gebetes beschrieb der Geistliche die Kapelle, über die mit Melancholie geredet werde. "Ein gutes Omen", bewertete Pfarrer Nikel die Spenden im Klingelbeutel und verband damit die Hoffnung, dass die Kapelle die Menschen noch lange zusammen halten wird. Er dankte allen, die sich um die Kapelle kümmern.

Inzwischen wurde sie drei Mal saniert. Während eines Manövers in den 1960er-Jahren habe ein Panzer sogar das halbe Dach eingerissen, ruft der ehemalige Fischsteiner Hans Schlegl ins Gedächtnis. Zusammen mit seiner Ehefrau sowie der Reservisten- und Soldatenkameradschaft Ranna-Mosenberg um den Vorsitzenden Josef Horvath übernimmt er die Betreuung des Kirchleins.

Heuer hat ein Team des Bayerischen Fernsehen bei der Maiandacht seine Kamera aufgebaut. Der geplante Sendetermin des Beitrags ist Samstag, 19. Mai, im Magazin "Zwischen Spessart und Karwendel" von 17.45 bis 18.30 Uhr.

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