Mystisches Steinkreuz von Heinersreuth

Seit Generationen, immer am 1. Julisonntag, findet das Patronatsfest der einstigen Heinersreuther Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung statt. Hunderte Gläubige pilgern dorthin - vorbei am "Sautreiba Sta", um den sich viele Mythen ranken.

An der Waldkapelle treffen sich jedes Jahr viele Gläubige. Auf dem Weg zu dem Gotteshaus passieren sie ein ungewöhnliches Steinkreuz.
von Fritz FürkProfil

Eine Frage, die seit Jahrhunderten Interessierte beschäftigt, lautet: War der Mörder ein Soldat oder war es ein Schweinehirte? Um ein Sühnekreuz bei Heinersreuth, im Volksmund auch Marterl genannt, ranken sich drei Sagen, die alle martialischer Art sind.

Flurdenkmäler sind besonders im Gebiet der tiefgläubigen Oberpfalz erhalten geblieben. Im Bereich der Gemeinde Kirchenthumbach hat Karl Dill 136 Flurdenkmäler aufgelistet. Ihre Herkunft ist in den meisten Fällen entweder schriftlich oder durch mündliche Überlieferungen nachweisbar. Flurdenkmäler wurden gesetzt bei tödlichen Unfällen, Mord, Totschlag, Krankheiten, Pest, aus persönlichen Anliegen aber auch zur Danksagung. Ein Flurdenkmal besonderer Art findet man zwischen Heinersreuth und Thurndorf unterhalb der Waldkapelle Mariä Heimsuchung. Das Steinkreuz, aus einem Sandquader gehauen, ist 60 mal 65 Zentimeter groß. Am oberen Längsbalken ist ein kleines Kreuz eingeritzt. Darunter steht die Jahreszahl 1625. Im Volksmund wird das Kreuz "Sautreiba-Sta" (Sautreiberstein) genannt. Nach einer Sage, die die älteren Einwohner von Heinersreuth erzählten, soll an dieser Stelle ein Mann ermordet worden sein. Dieser soll ein Schwein nach Creußen zum Schweinemarkt getrieben haben, deshalb auch der Name "Sautreiba-Sta". Eine etwas andere Erzählung handelt von einem Schweinehirten, der an dieser Stelle erschlagen worden sein soll.

Wahrscheinlich ist, dass der Ermordete Opfer von durchziehenden Soldaten des 30-jährigen Krieges wurde. Der Kütschenrain galt schon immer als politisch wie militärisch-strategisch wichtiger Grenzberg. Im Herbst 1623 hatte diese Gegend unter durchziehenden Soldaten zu leiden. Der bayerische Oberst von Schamberg führte seine Truppen vom Bambergischen in die Oberpfalz. Auf ihrem Marsch, unter anderem auch durch Heinersreuth in die Kirchenthumbacher Gegend, wurden die Menschen ausgeplündert und ihr Vieh weggenommen. Wer sich in den Weg stellte wurde auf brutalste Weise eliminiert. In der Publikation "Kunstdenkmäler Bezirksamt Eschenbach 53" ist unter anderem zu lesen "(...) hier wurde 1625 ein Schweinetreiber erschlagen. Der Mörder soll gesagt haben "Besser um 6 Kreuzer einen erschlagen, als um 9 Kreuzer gearbeitet zu haben."

Eine weitere Variante ist folgende: In den Ortschaften um den Kütschenrain hielt sich zur damaligen Zeit der im Volksmund genannte "Backschüsselrutscher" auf, ein Mann ohne Beine. Dieser hatte um das Gesäß eine Backschüssel geschnallt und sich mit den Händen fortbewegt. Er reparierte in den Bauernhöfen die aus Stroh bestehenden Backschüsseln. Eines Tages, so die Sage, war er auf dem Weg von Heinersreuth über den Kütschenrain nach Thurndorf. Unterhalb des Diebsweges soll ein Sautreiber, der als Säufer wieder einmal Geld brauchte, aus dem Dickicht gesprungen sein und ihn erschlagen haben. Der Backschüsselrutscher hatte aber nur ein paar Kreuzer bei sich. Der Mörder hinterließ die Worte: "Hätt ich das gewusst, hätt ich ihm das Leben gelassen."

Was es mit dem Saubtreibermarterl bei Heinersreuth auf sich hat, gibt Rätsel auf.
Info:

Drei Arten von Steinkreuzen

Steinkreuze dieser Art lassen immer mysteriöse Vorgänge annehmen, wenn der Ursprung im Dunkeln liegt. Die wissenschaftliche Erforschung der Marterl und Steinkreuze führt allerdings zu anderen Ergebnissen. Zunächst zeigt sich, dass Steinkreuze nicht gleich Steinkreuz ist und dass zu deren Errichtung konkrete Anlässe führten. Diese können zu drei Gruppen zusammengefasst werden.

Steinkreuze wurden zur Erinnerung an Katastrophen aufgestellt, wie Epidemien oder Hungersnöte. Eine zweite kleine Gruppe bezieht sich auf die Kreuze als Grenzmarkierungen oder Wegweiser. Die überwiegende Zahl dieser Steinkreuze dürfte aber als Sühnekreuze verwendet worden sein: Sühnekreuze - und um ein solches dürfte es sich bei dem "Sautreiber-Sta" von Heinersreuth handeln - stehen für Mord und Totschlag. Man unterschied natürlich auch im Mittelalter zwischen Mord und Totschlag. Der Mörder als heimtückischer Verbrecher wurde zum Tode durch den Strang verurteilt. Er war nicht zur Errichtung eines Sühnekreuzes berechtigt, wohl aber der Totschläger, denn er hatte sein Verbrechen nicht geplant.

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