Hermannsreuth bei Bärnau
23.07.2018 - 11:22 Uhr

Kultstätte für hüben und drüben

Hoch oben am Bergkamm zu Tschechien auf der "Windschnurrn", wo der böhmische Wind selten nachlässt und es nie richtig warm wird, hat die Journalistin Magdalena Keilhauer einst eine feine Kulturstätte gegründet. Das war vor zehn Jahren.

Magdalena Keilhauer (links) hörte gerne zu, als das Moritaten-Duo Kurt Weiß und Renate Bartonitschek witzig-charmant aus zehn Jahren Vereinsleben erzählten. ubb
Magdalena Keilhauer (links) hörte gerne zu, als das Moritaten-Duo Kurt Weiß und Renate Bartonitschek witzig-charmant aus zehn Jahren Vereinsleben erzählten.

(ubb) "Ich wollte für die schreiben, die keine Stimme haben", erzählt Magdalena Keilhauer, warum sie Journalistin für die Entwicklungshilfe wurde. Diese Passion hat die heute 74-jährige Frau mit deutsch-tschechischen Wurzeln geprägt und das hat ihr zudem ein Leben immer auf Achse beschwert.

Von Kindesbeinen an, erzählt sie, sei sie nie sesshaft gewesen. Später dann habe ihr Heimatgefühl der nördlichen Oberpfalz gegolten. "Und irgendwann muss man heimkommen", sagt Magdalena Keilhauer, die dann eine Bleibe ganz oben am Grenzkamm zu Tschechien fand. Wo der böhmische Wind oftmals 24 Stunden am Tag an den Zweigen der 150 Jahre alten Bäume zerrt und wo es nie so richtig warm wird, hat sie sich vor 15 Jahren sesshaft gemacht.

Kleiner, feiner Kreis

Sie habe die Bäume gekauft, nicht das Haus, sinniert Magdalena Keilhauer über diesen doch manchmal seltsamen Ort des Wohnens. Magdalena gründete einen Buchverlag, betreute Autoren. Aber das reichte der quirligen Journalistin mit dem ausgeprägten Sinn fürs kulturelle Leben nicht. Fünf Jahre später gründete Magdalena Keilhauer gemeinsam mit Gleichgesinnten in ihrer ausgebauten Scheune den Verein "Kultur grenzenlos". Der Schuppen wurde zum Kulturstadl für hüben und drüben. Leicht, sagt die Vorsitzende nach zehn Jahren, sei dieser Anfang nicht gewesen. Aber bald kamen immer mehr Hermannsreuther Frauen dazu, später auch einige Männer. Seither widmet sich ein kleiner, feiner Kreis der schönen Aufgabe, grenzenlos Kultur zu betreiben.

Die "Zamklaubten"

So kommt es dann auch, dass am Samstag das erste große Jubiläum gefeiert wird. Der Verein hat zum kultigen Programm eingeladen, um 14 Uhr geht's los bei Sonnenschein und angenehmer Sommerwärme. Wie bestellt gibt der "Böhmische" heute Ruhe, zerzaust nicht die Frisuren der Frauen. Die Musikkapelle "Sebranka" aus Tachov stimmt die Gäste mit Volksliedern aus Tschechien ein. An den Biertischen wird Kaffee und Kuchen genossen, Selbstgebackenes selbstverständlich.

Magdalena Keilhauer begrüßt die Freunde und stellt die Musiker vor. "Sebranka", erzählt sie, könne man nur auf Oberpfälzisch erklären: Das heiße übersetzt "die Zamklaubten" weil sich die Musiker auf der Straße zufällig getroffen hätten. Das Moritaten-Duo Renate Bartonitschek und Kurt Weiß resümiert über die Höhepunkte aus zehn Jahren. Weiß besingt auch mit viel Witz und Charme eine "Hexenverbrennung" und berichtet verschwörerisch von "Casanova", der hier Gast gewesen sei, ebenso wie Russen, Franzosen und Brasilianer. "10 Jahre sind wir nun im Verein. Grenzenlos soll er unsere Heimat sein", dichtet der Moritatensänger am Ende, ganz im Ansinnen des kleinen Vereins und der Kunstschaffenden, die auf der "Windschnurrn" eine Heimat gefunden haben. Musiker, Bauchtänzer, Schriftsteller und viele andere, die gerne den schönen Künsten an besonderen Orten frönen, waren hier zu Gast. Heute sind es der Drechsler Berthold Frank aus Wendern und der aus Persien stammende Töpfer Alireza, die ihre Arbeiten zum Jubiläum in Hermannsreuth präsentieren.

"Der Kulturstadl steht jedem offen. Ob es die Reservisten sind, die bereits hier eine Veranstaltungen organisiert haben, oder eine Wandergruppe, die eine Herberge auf ihrem Weg sucht", lädt Magdalena Keilhauer zu weiteren kultigen Tagen am Grenzkamm ein. Die Jubiläumsgäste lassen sich nicht bitten und bleiben länger.

Auch Casanova soll im Kulturstadl Gast gewesen sein, erzählt das Moritaten-Duo Kurt Weiß und Renate Bartonitschek. Das gefällt der Vorsitzenden Magdalena Keilhauer (links), denn der Casanova-Abeng gehört zu den Highlights aus zehn Jahren Verein "Kultur grenzenlos". ubb
Auch Casanova soll im Kulturstadl Gast gewesen sein, erzählt das Moritaten-Duo Kurt Weiß und Renate Bartonitschek. Das gefällt der Vorsitzenden Magdalena Keilhauer (links), denn der Casanova-Abeng gehört zu den Highlights aus zehn Jahren Verein "Kultur grenzenlos".
Die Gäste ließen sich bei Kaffee und Kuchen mit einem kleinen, feinen Kulturprogramm verwöhnen. ubb
Die Gäste ließen sich bei Kaffee und Kuchen mit einem kleinen, feinen Kulturprogramm verwöhnen.
Die Musikkapelle "Sebranka" aus Tachov spielte tschechische Volksmusik. ubb
Die Musikkapelle "Sebranka" aus Tachov spielte tschechische Volksmusik.
Dem leckeren Kuchenbüfett konnte kein Gast wiederstehen. ubb
Dem leckeren Kuchenbüfett konnte kein Gast wiederstehen.
Die Musikkapelle "Sebranka" gehört zum Freundeskreis des Vereins. ubb
Die Musikkapelle "Sebranka" gehört zum Freundeskreis des Vereins.
 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.