15.07.2018 - 09:05 Uhr
HirschauOberpfalz

1926 geht ein Feuerteufel um

„Gott zur Ehr‘, dem Nächsten zur Wehr“ - diesem Leitspruch folgt die Hirschauer Feuerwehr seit ihrem Gründungstag, dem 6. Januar 1868. Vom Freitag bis Sonntag, 20. bis 22. Juli, feiert sie ihr 150-Jähriges.

Ein wahres Flammen-Inferno verwüstet am 10. Oktober 1926 die Hirschauer Innenstadt. Es vernichtet zehn Häuser und zwölf Scheunen in der nördlichen Hauptstraße am unteren Markt vollständig. 14 Familien werden obdachlos

(u) Nach den Unterlagen der Feuerwehr waren es zehn beherzte Bürger, die sich am Dreikönigstag 1868 zur Feuerwehrgründung zusammentaten: Der Fabrikbesitzer Josef Dorfner, der Mühlenbesitzer Jakob Riß, der Kaufmann Ernst Dorfner, der Sattler Josef Posch, der Magaziner Georg Daninger, der Brauereibesitzer Vitus Dorfner, der Schneidermeister Johann Schröpfer, der Zimmermann Wolfgang Braun, der Zimmermann Andreas Müller und der Schlossermeister Franz Weinberger.

Dass dem Magistrat das Thema Feuerwehr auf den Nägeln brannte, belegt eine am 27. August 1865 von Magistratsvorstand Hausner verfasste Bekanntmachung: „Wegen Besetzung der in Aussicht gestellten Unternehmung, bei Errichtung einer Feuerwehr dahier ladet der Unterfertigte Magistratsvorstand alle jene, welche sich zuständig oder durch Geldbeträge an dem höchstzeitgemäßen und notwendigen Unternehmen beteiligen wollen, dringend ein, sich morgen, Montag, den 28. August 1865, Abends 8 Uhr in seiner Wohnung einzufinden.“

Nach der Gründung fiel der Aufruf von Bürgermeister Popp an die Bürgerschaft, sich in der Feuerwehr zu betätigen, auf fruchtbaren Boden. So meldet der Magistrat dem Königlichen Bezirksamt am 30. Juni 1869, „das sich wie in der gestrigen Sitzung confordiert wurde, zur Theilnahme an einer aktiven Feuerwehr dahier 51 Personen unterzeichnet haben“. Bis Juli 1870 war ihre Zahl unter dem Vorsitz des praktischen Arztes Dr. Josef Winkler auf 54 aktive und 41 passive Mitglieder angewachsen. Da das anfängliche Interesse in den Folgejahren erlahmte, stellten Kommandant Daninger und Kassier Dorfner an den Magistrat den Antrag auf Errichtung einer Pflichtfeuerwehr, da „bei einem eintretenden Brandunglück auf eine Feuerwehr nicht im mindestens zu rechnen ist“. Es gelang, die Krise zu beheben. Die Pflichtfeuerwehr wurde 1897 der Freiwilligen Feuerwehr unterstellt.

Genau in diesem Jahr wurde Hirschau am 24. März durch Brandstiftung von einer großen Feuersbrunst heimgesucht. 8 Wohn- und 36 Nebengebäude brannten nieder, 10 Wohn- und 6 Nebengebäude wurden beschädigt. Am 29. März 1909 wurden beim nächsten Großbrand „39 Firste, darunter 9 Wohnhäuser ein Raub der Flammen“.

1926 kann für Hirschau als Jahr der Brandstiftungen bezeichnet werden. Achtmal musste die Feuerwehr ausrücken, jedes Mal wurde vorsätzliche Brandstiftung vermutet. Ein wahres Flammen-Inferno gab es am 10. Oktober 1926. Zehn Häuser und zwölf Scheunen wurden in der nördlichen Hauptstraße am unteren Markt vollständig vernichtet. 14 Familien wurden obdachlos. Bei der Bekämpfung der Brände verhinderten die Hirschauer Feuerwehrleute, unterstützt von Wehren der Nachbarorte, durch ihren großartigen Einsatz Schlimmeres. Die komplette 150-jährige Geschichte der Wehr zu würdigen, bleibt der Festschrift vorbehalten, die zum Jubiläum erscheint. Dort findet sich jede Menge Wissenswertes über die FFW.

Aktuell zählt der Feuerwehrverein 64 aktive, 109 fördernde und 20 passive Mitglieder. Viele von ihnen engagieren sich für das Jubiläum. Der größte Teil der Vorbereitungen ist abgeschlossen, stellten die Vorsitzenden Michael Schuminetz und Thomas Maier sowie die Kommandanten Sebastian Jasinsky und Claus Meyer bei ihrer Lagebesprechung fest. In diesen Tagen erhalten auch die Festdamen ihre Kleider, die in Schmidmühlen angefertigt wurden. Zentrum des Festgeschehens ist der ehemalige Sportplatz der SpVgg Weiße Erde beim Josefshaus, wo das Festzelt aufgestellt wird.

Dort fällt am Freitag, 20. Juli, um 18.30 Uhr der Startschuss (Einlass ab 18 Uhr), wenn Schirmherr Bürgermeister Hermann Falk den Bieranstich vornimmt. Ab 20 Uhr spielt beim Partyabend für Jung und Alt die Band High Line.

Der Samstag, 21. Juli, steht von 14 bis 17 Uhr unter dem Motto „Erlebe deine Feuerwehr“. Geboten werden ein Rundblick über Hirschau mit der Drehleiter, eine Fahrzeug- und Geräteschau, ein Feuerlöschtraining für jedermann und in der sogenannten Blaulichtmeile Infostände der Jugendfeuerwehr, des BRK, des THW und der Wasserwacht. Zu besichtigen ist außerdem das 33 Tonnen schwere, knallgelbe Löschfahrzeug Panthe“ der US-Flughafenfeuerwehr aus dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Um 20 Uhr startet im Festzelt der Stimmungsabend mit der Gruppe Intermezzo (Einlass ab 18 Uhr).

Der Sonntag, 22. Juli, beginnt um 8.30 Uhr mit dem Aufstellen zum Kirchenzug am Festplatz. Um 9 Uhr wird in der Pfarrkirche ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert. Danach finden im Festzelt beim Frühschoppen die Ansprachen statt. Ab 11.30 Uhr gibt es Mittagessen aus der Küche der Schnaittenbacher Metzgerei Weidner. Höhepunkt des Tages ist der Festzug. Dazu haben sich bisher 93 Vereine und 7 Musikkapellen angemeldet (Aufstellung um 13.30 Uhr). Um 14 Uhr machen sich die Teilnehmer auf die 1,2 Kilometer lange Strecke. Sie führt von der Kolping- über die Garten- zur Schönbrunner Straße und dann durch die Innenstadt bis zur Kreuzung Mühl-, Kolhlberger-, Ehenfelder-, Josef- und Hauptstraße. An der dortigen Verkehrsinsel wird kehrt gemacht und es geht zurück zum Festzelt. Dort herrscht bis zum späten Abend Festbetrieb mit der Pirker Blechmusi. Täglich herrscht Barbetrieb. Der Eintritt ist bei allen Veranstaltungen frei.







Am 24. März 1897 wird Hirschau von einer großen Feuersbrunst heimgesucht. Die Flammen breiten sich vom Hirschenwirt aus nach Westen und Süden aus. 8 Wohn- und 36 Nebengebäude brennen ab, 10 Wohn- und 6 Nebengebäude werden beschädigt. Der 19-jährige Brandstifter Karl Steindl wird vom oberpfälzischen Schwurgerichte am 1. Juli 1897 zu einer Zuchthausstrafe von 14 Jahren, 11 Monaten und 3 Tagen verurteilt.
Vom 20. bis 22. Juli feiert die Freiwillige Feuerwehr ihr 150-Jähriges. Der allergrößte Teil der Vorbereitungen ist abgeschlossen, konnten die Vorstände Michael Schuminetz (2.v.l.) und Thomas Maier (l.) sowie die Kommandanten Sebastian Jasinsky (2.v.r.) und Claus Meyer (r.) feststellen. Die Kleider für die Festdamen treffen in diesen Tagen ein.
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