24.03.2020 - 14:19 Uhr
HirschauOberpfalz

Evangelische Kirche Hirschau auch ohne Gottesdienste für Menschen da

Die Tür der evangelischen Kirche in Hirschau bleibt zu. An ihr hängt ein Plakat: "Wir sind für Sie da". In diesen Tagen ist so manches anders, auch in der Kirche. Gottesdienste und Veranstaltungen sind abgesagt.

Pfarrer Stefan Fischer postet jeden Tag eine Mut-mach-Post auf Facebook unter "evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Hirschau".
von Heidi KurzProfil

Und doch verrät Pfarrer Fischer, dass er gerade alle Hände voll zu tun hat. "Gerade jetzt brauchen wir Mut, Zusammenhalt und Zuversicht. Da sind Kirchen gefragt. Viele schreiben oder rufen an", berichtet der Geistliche. "Wenn wir uns nicht mehr körperlich treffen können, dann eben auf anderen Wegen."

Dafür ist aber Kreativität gefragt. Die Kirchengemeinde Hirschau feiert die Gottesdienste nun nicht in der Kirche, sondern jetzt zuhause – jeder für sich und doch verbunden. Dazu stellt Pfarrer Fischer immer Samstag abends einen Gottesdienstentwurf auf die Homepage der Kirchengemeinde, den man durchklicken kann, Teil für Teil.

Begonnen wird mit einem Audio-Einspieler der Glocke, Lieder erklingen und ein Gebet, eine kurze Ansprache und ein Segen sind enthalten. "Gerade die regelmäßigen Gottesdienstbesucher haben aber kein Internet. Daher schicken wir den Entwurf auch als Heft per Post zu ihnen nach Hause. Das wird gerne angenommen." Er habe sich aber bewusst gegen den Live-Stream eines Gottesdienstes in der leeren Kirche entschieden, sagt Fischer. "Ich will lieber dazu anregen, Gottesdienste aktiv zu begehen, sie nicht zu konsumieren wie einen Film, sondern bewusst selbst zu feiern und zuhause zu leiten", meint der Geistliche.

Und noch etwas hat er sich überlegt: Jeden Tag gibt es einen #MUTmachPOST. Dazu hat Fischer ein Video auf Facebook gestellt, in dem er erklärt, was das bedeutet. Demnach heißt ein äthiopisches Sprichwort: "Worte, die dir gut tun, kannst du dir nicht selber sagen." In diesen Tagen passierten Dinge, die fremd seien und die Angst machten. Da bräuchten die Menschen Mut: ein kleines Evangelium für jeden Tag. Immer um 19 Uhr postet die Kirchengemeinde einen Mut-mach-post auf ihre Facebook-Seite. Dinge, die Follower und Lesende einsenden und gerne mit anderen teilen wollen. Das kann nicht nur ein Bibelvers sein, sondern auch ein Bild, ein Text, ein Gedanke, ein Lied.

"Ich bin begeistert, wie viele sich beteiligen und Beiträge einsenden. Wir machen das so lange, bis wir wieder Gottesdienste in der Kirche feiern können", erklärt Pfarrer Fischer. Früher hat man oft abfällig geredet über die neueren sozialen Medien. Etwa: „Die Jungen sprechen gar nicht mehr miteinander, sie sitzen nur noch stumm und teilnahmslos vor ihren Flimmerkisten.“ Heute wisse er, so Fischer, dass das falsch sei. Es würde so viel kommuniziert, wie noch nie. Nur eben anders. Und das sei in Momenten, in denen man sich alleine fühle, ein wahrer Segen und für ihn auch der Beweis: "Diese Medien sind zu mehr gut, als nur für Hass und Hetze. Sie verbinden."

"Menschen suchen und fragen nach dem Mehr hinter den Dingen. Das spürt man nicht nur an den immens gestiegenen Klickzahlen der Homepage der evangelischen Kirchengemeinde Hirschau", sagt Fischer. Er verweist auf das Plakat an der Kirchentür. Darauf steht: "Auch wenn derzeit keine Gottesdienste möglich sind, wir sind für Sie da. Wenn Sie einsam sind oder jemanden zum Reden brauchen, rufen sie an. Dafür sind Pfarrer da!"

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