23.10.2019 - 11:39 Uhr
HirschauOberpfalz

Liedermacher Sepp Raith tritt bei SPD Hirschau auf

„Bayern ist das fruchtbarste Land Deutschlands, aber es besitzt den geringsten Geist“ - mit diesem Zitat von Friedrich dem Großen und ähnlichen Sprüchen aus Analen und Geschichtsbüchern hat Sepp Raith die Lacher schnell auf seiner Seite.

Ein Highlight ist dieser etwas andere Highmat-Abend mit Sepp Raith. Zum gleichnamigen Programm des bayerischen Liedermachers hat der SPD-Ortsverein Hirschau anlässlich seines 100-jährigen Bestehens in den kleinen Saal des Josefshauses eingeladen.
von Autor AGProfil

„Ein Nordeutscher halt“, kommentierte er die abfällige Äußerung des Preußenkönnigs, denn „heute sind wir die Vorstufe zum Paradies.“ Bei seinem Auftritt anlässlich des 100-jährigen Bestehens des SPD-Ortsvereins Hirschau verstand es der Liedermacher, in seinem fast dreistündigen Programm die Zuhörer im voll besetzten kleinen Saal des Josefshauses zum Lachen und gleichermaßen zum Nachdenken zu bringen.

Einleitend warf Vorsitzender Günther Amann einen kurzen Blick auf die Anfangszeit der Hirschauer SPD. In der von der Kaolin- und Porzellanindustrie geprägten Stadt hätten die Gründerväter die Umbruchstimmung nach dem Ersten Weltkrieg für Verbesserungen zugunsten der arbeitenden Bevölkerung nützen wollen. „Das war keine Politik aus der Bequemzone“, zollte Amann den frühen Genossen Respekt. Seitdem sei die SPD in der Hirschauer Kommunalpolitik eine feste Größe.

Als feste Größe in der bayerischen Kleinkunstszene bezeichnete der SPD-Vorsitzende den Liedermacher Sepp Raith. Sein Programm „Highmat – a so a schöns Land und so liabe Leit“ sei ein Höhepunkt bei der Jubiläumsfeier der Hirschauer SPD und passe bestens zum Motto „Es geht auch anders“. In einer Mischung aus Liedern, Gedichten und Geschichten zeigte Raith, dass trotz gewaltiger Stimmkraft es auch die leisen Töne sind, die ihn auszeichnen.

Raiths biografische Geschichten waren amüsant und bewegend zugleich. In der Grundschule sei er von Schulschwestern unterrichtet worden. „Wie ich dann nach vier Jahren aufgehört hab`, haben die sich arme Schulschwestern genannt.“ Am Gymnasium habe später ein Lehrer gemeint, er, Raith, sei nicht ganz dicht. „Deshalb bin ich Dichter geworden.“ Oder: „Wenn man aus dem erzbischöflichen Knabenseminar fliegt, darf man schon ein bisschen kirchenkritisch sein.“ Dass eine Schulkameradin aus gut betuchtem Haus ihn einmal zu den Hausaufgaben eingeladen hatte, gehörte zu den ernsteren Geschichten. Als er ihrem Vater ehrlich geantwortet habe, dass sein eigener Vater nur zehn Tagwerk Grund besitze, habe der ihn als nicht standesgemäßen Umgang aus dem Haus geworfen.

Raith ist studierter Gymnasiallehrer. Das Ende dieser beruflichen Laufbahn sei dadurch eingeläutet worden, dass sein Schulleiter verlangt habe, in Raiths Klasse mit 42 Schülern sollten 12 durchfallen. Als sich ein Kollege im Lehrerzimmer sogleich an die Streichliste gemacht hat, „hab´ ich ihm deutlich meine Meinung gesagt“, meinte der Liedermacher. Für die dienstliche Beurteilung sei dies ganz schlecht gewesen.

Auch dass er einen Auftritt vor Versicherungsvertretern im Schwarzwald hat platzen lassen, als die sich brüsteten, unerfahrene Leute in der ehemaligen DDR über den Tisch gezogen zu haben, verdeutlichte die Einstellung des Sängers. „Statt einer fetten Gage, habe ich denen noch das Geld aus meiner Hosentasche vor die Füße geworfen.“

Raiths Gedichte begeisterten durch atemberaubendes Tempo und Wortwitz. Der Biberbubi Beppi wolle nicht in den Biberbach, weil er wasserscheu sei, und: „Wenn im Herbst die Bauern odeln, dann die Regenwürmer jodeln“, reimte er in bester Wilhelm-Busch-Manier.

Zu den nachdenklichen Liedern gehörte der „Bürger nach Maß als Garant, dass alles so bleibt wie es ist im Land", während der „Kukident-Blues“ und der „Haberfeldtreiber“ die Zuhörer zu Lachsalven hinrissen.

Für ein begeistertes Publikum war es ein abwechslungsreicher und unterhaltsamer Abend im Hirschauer Josefshaus, auch weil der Liedermacher sich zu später Stunde noch Zeit für das Signieren seiner Bücher und für eine Gesprächsrunde nahm. Er müsse zwar noch seine Töchter abholen, aber vor 3 Uhr nachts wollten die sowieso nicht nach Hause, sagte er.

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