07.11.2018 - 11:47 Uhr
HirschbachOberpfalz

Bürger entscheiden über Zukunft des Kindergartens Eschenfelden

Über die Zukunft ihres Kindergartens stimmen die Einwohner der Gemeinde Hirschbach am Sonntag, 11. November, ab. Wie die Wahl auch ausgeht – das Ergebnis wird spürbare Folgen haben.

Viele Eltern wollen den Kindergarten in Eschenfelden belassen, die Gemeinde will mit Königstein fusionieren.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Sie wollen ihren Kindergarten St. Johannes in Eschenfelden behalten, das steht für die Initiatoren des Bürgerbegehrens fest. Auf der Gegenseite steht der Bürgermeister von Hirschbach, Hans Durst. Er sei nicht gegen den Eschenfeldener Kindergarten, sondern für die Zusammenarbeit mit Königstein, stellt er klar.

Das ist der Status quo: In zwei Altersgruppen betreuen zwei Erzieherinnen und zwei Kinderpflegerinnen im evangelischen Kindergarten Eschenfelden theoretisch bis zu 50 Kinder. So soll es bleiben, wenn der Bürgerentscheid im Sinne der Befürworter ausgeht. Die Gemeinde aber plant, die Kindergärten Königstein und Eschenfelden im Königsteiner Schulhaus unterzubringen.

Vieles ungeklärt

Ein gemeinsamer, großer Kindergarten könnte die Betreuung von 7 bis 17 Uhr gewährleisten, sagt Hans Durst. Im Moment geht dies nur von 7.30 bis 14.30 Uhr. Vielen Eltern würde das sehr zugutekommen, das habe auch eine Umfrage der Gemeinde ergeben. Deren Aussagekraft halten die Initiatoren jedoch für schwach. Sie schreiben: "Die Verbesserung der Öffnungszeiten (...) wurde offiziell mit dem Träger der evangelischen Kirche überhaupt noch nicht besprochen" und "Warum sollte eine Verlängerung der bisherigen Zeiten bei Bedarf in Eschenfelden nicht möglich sein?". Die Antwort ist: Das Geld fehlt. Neben den Mehrkosten für Personal und den Betrieb komme hinzu, dass die Gemeinde Hirschbach sich ohnehin an den Leerstandskosten des Königsteiner Schulgebäudes beteiligen muss. Da sei es doch besser, wenn es auch einen Nutzen hat.

Laut einem Schreiben der Initiatoren des Bürgerbegehrens, das der Redaktion vorliegt, werde der Kindergarten Königstein unabhängig von Eschenfelden in das Schulhaus umziehen. Davon erhoffen sie sich eine Ausgleichszahlung an die Gemeinde Hirschbach, wie es sie umgekehrt schon beim vorangegangenen Umzug des Königsteiner Kindergartens gegeben habe. Das Geld soll für die Sanierung des Gebäudes in Eschenfelden hergenommen werden, auch wenn die Brisanz der "von Bürgermeister Hans Durst angepriesenen notwendigen Generalsanierung" angezweifelt wird.

Die Verfasser des Schreibens würden zwar bedauern, dass das Schulhaus in Königstein nun leersteht, klagen aber gleichzeitig an, dass das schon 2015 hätte vermieden werden können, als es einen Käufer gegeben habe, der das Schulhaus "im Sinne der Ortsvereine wiederbelebt hätte". Auch das Seniorenkonzept, dass von Durst angestrebt werde, sei zwar wünschenswert, jedoch nicht realisierbar, da die Infrastruktur in Form von Ärzten, Geschäften und Gastronomie fehle, so die Initiatoren.

Bürgermeister Durst sagt, er verstehe, dass viele Eltern bereit wären, für die Kinderbetreuung mehr zu bezahlen, wenn die Kinder dafür weiter in Eschenfelden betreut werden können. So einfach sei das aber nicht. Durst: "Ich kann es in gewisser Weise nachvollziehen, dass das Thema emotional behandelt wird. Doch Erzieherinnen sind rar gesät. Ich glaube, dass es in Zukunft immer schwieriger sein wird, qualifiziertes Personal zu bekommen."

Gemeinsam mehr Chancen

Für den Rathauschef liegt die Zukunft in der kommunalen Zusammenarbeit. "Als kleine Gemeinde können wir uns auf Dauer halt nicht alles leisten." Die Kooperation mit Königstein sei ein Geben und Nehmen, doch darin sieht er große Chancen. Durst und der Gemeinderat stecken eigentlich noch in den Planungen, streben an den Busverkehr aufzufüllen. Auch die Beförderung von Kindergartenkindern könnte eingeplant werden. Doch erstmal sind die Verhandlungen aufgrund des Bürgerentscheids auf Eis gelegt. "Wenn die Wahl so ausgeht, dass der Kindergarten Eschenfelden bleibt, denke ich, dass frühestens wieder im Herbst 2020 weitergeredet werden kann. Bis dahin kann sich noch vieles ändern", sagt Durst. Der Wahl schaut der Bürgermeister "relativ gelassen" entgegen: "Das ist ein legitimes demokratisches Instrument, das ich akzeptiere. Die Bürger müssen dann aber auch die Folgen akzeptieren."

Gewählt werden kann am Sonntag, 11. November, zwischen 8 und 18 Uhr im Wahllokal im Rathaus Eschenfelden oder per Briefwahl. Laut Tobias Schuminetz (Wahlamt) gibt es gut 1000 Wahlberechtigte. Das Ergebnis wird am Mittwoch, 14. November, offiziell bekanntgegeben.

Die Vorgeschichte:

Die Gemeinde Hirschbach und der Markt Königstein arbeiten schon seit Jahren an einer Kooperation auf kommunaler Ebene. Sie konzipierten ein Gesamtpaket, dass die Zusammenlegung in Sachen Kinder, Senioren, Dorftreff, Bauhof und anderen Bereichen betrifft. Gemeinsame Anschaffungen von teuren Geräten des Bauhofs könnten den Orten und ihren Bewohnern zugutekommen. Die Zusammenlegung der Kindergärten Eschenfelden (Hirschbach) und Königstein sind auch in diesem Paket enthalten. Viele Hirschbacher aber wollen es beim kleinen Kindergarten in Eschenfelden belassen. Es bildete sich eine Initiative, die schließlich den Bürgerentscheid angestoßen hat. (anv)

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