15.10.2018 - 16:04 Uhr
HirschbachOberpfalz

Bürger kämpfen um Kindergarten

"Kindergarten St. Johannes - überschaubar, klein, bezahlbar": Das vertreten mehr als 450 Bürger der Gemeinde Hirschbach mit ihrer Unterschrift für ein Bürgerbegehren. Dessen Ziel ist es, den Exodus in Eschenfelden zu stoppen.

Die Initiatoren (von links) Hermann Mertel, Simone Steger und Jürgen Leißner bezweifeln, dass der Bürgerentscheid über den Kindergarten St. Johannes die Zusammenarbeit mit Königstein zu Fall bringen könnte.
von Externer BeitragProfil

"Ein Dorf und eine Gemeinde sterben langsam vor sich hin, und keiner merkt es", formulieren die Initiatoren Hermann Mertel, Simone Steger und Jürgen Leißner ihre Befürchtung. Und zählen auf: Fünf Einkaufsläden, drei Gasthöfe, eine Bäckerei, zwei Schuster, die Sparkasse und im vergangenen Jahr auch die Raiffeisenbank samt Briefkasten und Geldautomat haben sich aus Eschenfelden verabschiedet. Die weiteren Gemeindeorte Achtel, Klausen und Hirschbach seien noch gar nicht berücksichtigt.

"Bauhof als Ausgleich"

Jetzt überlegten Bürgermeister Hans Durst und der Gemeinderat, den Kindergarten St. Johannes im Zuge einer interkommunalen Zusammenarbeit in den Nachbarort Königstein zu verlagern. Als "Ausgleich" wäre ein neu zu bauender gemeinsamer Bauhof in Pruppach im Gespräch. Dazu falle ihnen das Thema Flächenfraß ein, sagen die Betreiber des Bürgerbegehrens.

Sie erheben die Frage: "Eine Gemeinde ohne Kindergarten - ist das weiter lebenswert und attraktiv?" Um der aus ihrer Sicht bedenklichen Entwicklung entgegenzutreten, arbeiteten sie seit Mitte des Jahres am Bürgerbegehren "Kindergarten St. Johannes - überschaubar, klein, bezahlbar". Innerhalb von kürzester Zeit sammelten sie nach ihren Angaben weit mehr als 450 Unterschriften für den Erhalt des Kindergartens in Eschenfelden. Der Zuspruch der Bevölkerung und die Rückendeckung aus allen Gemeindeteilen für dieses Anliegen seien groß.

Am 15. August beschloss der Gemeinderat, den Bürgerentscheid am Sonntag, 11. November, anzusetzen. Dem Vorschlag der Initiatoren, darüber gleich mit der Landtagswahl abstimmen zu lassen, habe Bürgermeister Hans Durst mit der Begründung abgelehnt, dass bis dahin noch keine Zahlen für die Zusammenlegung der Kindergärten vorliegen. Anwesende Bürger hätten klar gemacht, dass es beim Kindergarten nicht um Geld, sondern um die Kinder und um eine einmalige Einrichtung in Eschenfelden gehe.

Ein Zeichen, dass sie den ortsbildprägenden Kindergarten behalten wollten, hätten am vergangenen Freitagnachmittag gut 70 Unterstützer des Bürgerbegehrens und Kindergartenkinder an Ort und Stelle gesetzt - sozusagen ein Flashmob. Mertel, Steger und Leißner zweifelten auch an, dass eine angestrebte Zusammenarbeit der beiden Gemeinden Hirschbach und Königstein an der Frage über den Kindergarten in Eschenfelden zu scheitern drohe. Bei den ersten Gesprächen über Kooperationsmöglichkeiten sei vom Kindergarten noch überhaupt keine Rede gewesen.

Lob für Hans Koch

Der Einsatz der Bürger für den eigenen Kindergarten stelle keine generelle Ablehnung einer interkommunalen Zusammenarbeit mit der Marktgemeinde Königstein dar. Die Initiatoren des Bürgerentscheides lobten im Gegenteil den Einsatz von Bürgermeister Hans Koch für seine Marktgemeinde. Er gebe schließlich alles dafür, dass Königstein weiterhin attraktiv und lebenswert für seine Bürger bleibe. Es könnte aber durchaus sein, dass die Marktwerke ein voll ausgelastetes Schulhaus - dort soll der gemeinsame Kindergarten unterkommen - zum wirtschaftlichen Betrieb ihrer Wärmeversorgung benötigten.

An den Beispielen der gemeinsamen Nachwuchsarbeit im Fußball zwischen SC Eschenfelden und TSV Königstein und des Eschenfeldener Pfarrers Konrad Schornbaum, der mittlerweile auch die Kirchengemeinde Königstein betreut, zeige sich, dass die gemeinsame Arbeit funktioniere. "Aber muss man deshalb alles in der eigenen Gemeinde aufgeben? Und was kommt als nächstes - Freibad interkommunal?", fragen die Initiatoren des Bürgerbegehrens. Einen ähnlichen Einsatz wie den von Hans Koch für den Markt Königstein vermissten sie vom eigenen Bürgermeister Hans Durst im Rathaus der Gemeinde Hirschbach.

Unterstützer des Bürgerbegehrens und Kindergartenkinder treffen sich am Freitag, um ihren Willen für den Erhalt dieser Einrichtung in Eschenfelden zu bekunden.
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