Pferdehalter Johann Böhm: "Diesen Tod hat kein Tier verdient"

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Sein letzter Gang am Abend und der erste am Morgen führt Johann Böhm aus Hötzelsdorf bei Freudenberg zu seinen Pferden. Am Dienstag findet er eine seiner Stuten in einer Blutlache, durch mehrere Schnittwunden schwer verletzt.

Seit fast 30 Jahren lebte die Stute Désirée auf dem Hof der Familie Böhm in Hötzelsdorf bei Freudenberg. Enkel Johannes führte sie gerne auf die Koppel. In der Nacht von Montag auf Dienstag fügte ein Unbekannter dem Pferd so schlimme Verletzungen zu, dass es eingeschläfert werden musste.
von Miriam Wittich Kontakt Profil

Ein bislang Unbekannter war Montagnacht in einen Stall in Hötzelsdorf bei Freudenberg eingedrungen und hat eine Stute von Johann Böhm schwer verletzt. "Ich bin wie jeden Tag gleich um 6 Uhr in der Früh zu meinen Pferden", erzählt der Besitzer am Donnerstag. Den Kopf seiner Désirée habe er jedoch nicht gesehen. "Dann bin ich zu ihrer Box und hab reingeschaut, da lag sie am Boden in einer riesigen Blutlache, das lief schon unter der Türe hervor. Da hab' ich mich erst mal fassen müssen."

Der Landwirt läuft sofort ins Haus und holt seinen Sohn Hans, dem er 2005 den Hof übergeben hat. Nur die Pferde die gehören dem Senior. Die Pferdezucht ist sein Hobby, seine Leidenschaft. "Meiner Stute hat jemand was angetan", ruft er. Die ganze Familie ist fassungslos. Sowas haben sie noch nie gesehen, sagen die Böhms.

Johann Böhm zeigt ein altes Foto seiner Stute mit einem ihrer Fohlen.

Kurz darauf trifft der Tierarzt ein, untersucht das Pferd und stellt fest, dass die Scheide der Stute aufgeschlitzt worden war. "Der Tierarzt hat gesagt: ,Um Gottes Willen, schaut's, was mit eurem Tier gemacht wurde!'", erzählt Hans Böhm junior. Selbst hätten sie vorher noch gar nicht verstanden gehabt, was da in der Nacht vor sich gegangen war.

Tierarzt muss Stute einschläfern

Der Tierarzt gibt der Stute Schmerzmittel und stoppt die Blutung. Doch das Tier kommt nicht mehr auf die Füße. "Dann haben wir sie einschläfern lassen", sagt Johann Böhm. "Man kann so ein Viech ja nicht leiden lassen."

Topfit sei die 28 Jahre alte Désirée gewesen. "Ein super Pferd, wunderschön, dunkel, mit weißem Stern am Kopf." Schon immer gibt es auf dem Hof in Hötzelsdorf Pferde, früher waren es Kaltblüter für die Arbeit, seit 1980 ist die Pferdezucht Johann Böhms Hobby: "Die Tiere sind meine Freude." Désirée, ein Bayerisches Warmblut, war sein ein und alles. "Die ist ja bei mir aufgewachsen, da hat man eine enge Verbindung." Ihren Dienst hat die Zuchtstute schon lange getan, zehn Fohlen bekommen, viele davon wurden mit Gold prämiert. Seit rund zehn Jahren bekommt sie ihr Gnadenbrot. "So einen Tod hat kein Tier verdient, das muss ein Wahnsinniger getan haben", sagt Johann Böhm.

Böhms andere Stute, eine Tochter von Désirée, ist noch zwei Tage später ganz verändert, will nicht aus ihrer Box. "Die spürt das natürlich. Die beiden waren ja immer zusammen." Ihr drei Monate altes Fohlen hingegen springt neugierig über die Koppel. Böhm ist froh, dass den beiden nichts passiert ist, sie standen in der Box daneben. "Aber die jüngeren Tiere hätten dem Angreifer wahrscheinlich auch einen Tritt verpasst. Aber die Désirée war schon so alt und zutraulich."

Familie tief geschockt

Traurig und geschockt sind auch Johann Böhms drei Enkel, die mit am Hof leben. "Der Johannes hat immer gesagt: ,Des ist mein Pferd.' Er durfte sie jeden Tag zur Koppel führen", erzählt der Opa. Dass jemand aus dem Ort der Täter sein könnte, schließen die Böhms aus: "Wir haben hier ein super Verhältnis zu allen."

Ob das Tier durch Zufall ausgewählt wurde oder gezielt, das untersucht gerade die Polizei. "Die haben uns auch gefragt, ob es eine Reitbeteiligung gibt oder so. Aber das gibt es alles nicht", erzählt Hans Böhm. Doch natürlich sehe man die Pferde auf der Koppel stehen auf dem Weg durch das Dorf. Doch verletzt wurde die Stute im Stall. Die Suche nach Erklärungen für diese schreckliche Tat scheint zwecklos. "Das kann man nicht verstehen", sagt Johann Böhm. "Eigentlich ist das ein unmöglicher Fall."

Gleich bei Freudenberg ist die kleine Ortschaft Hötzelsdorf. Johann Böhm kann sich nicht vorstellen, dass jemand von hier seine Stute verletzt haben könnte.
Vor 20 Jahren waren Johann Böhms Pferde schon einmal in der Zeitung zu sehen. Damals aus viel erfreulicheren Gründen: Es gab Zwillinge.

Die erste Meldung der Polizei zu dem Vorfall bei Freudenberg

Hötzelsdorf bei Freudenberg
Nachgefragt:

Das sagt die Polizei

Bereits Anfang Juni warnte die Polizei in Ostbayern vor einem möglichen Pferdeschänder, nachdem in den Landkreisen Cham, Regen und Straubing-Bogen Tiere auf ähnliche Weise verletzt worden waren. Im Fall von Hötzelsdorf bei Freudenberg ermittelt die Amberger Polizei. "Leider kommt es immer wieder zu Misshandlungen von Tieren", sagt Polizeisprecher Achim Kuchenbecker. "Auch bei uns in der Gegend ist das nicht der erste Fall." Dabei handle es sich natürlich nicht immer um Pferde.

Aufgefallen sei bei den laufenden Ermittlungen jedoch, dass es in Bayern in diesem Jahr schon zu rund 30 Fällen kam, in denen Pferde, hauptsächlich Stuten, schwer verletzt wurden. "Natürlich schauen wir jetzt, ob es da Verbindungen gibt." Kuchenbecker erklärt, dass es jedoch schwierig sei, Zusammenhänge festzustellen. Besonders dann wenn der Täter nicht bekannt ist - und die werden selten gefasst.

Auch die Motive von Tierquälern seien sehr unterschiedlich. "Zum Beispiel können die Taten sexuell motiviert sein oder durch einen Hass auf bestimmte Tiere ausgelöst werden." Der Tod von Johann Böhms Stute jedenfalls sei laut Kuchenbecker noch zu frisch, um eindeutige Ähnlichkeiten zu anderen Fällen festzustellen. (wih)

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