01.02.2019 - 16:25 Uhr
HohenburgOberpfalz

Große Hufeisennase ein Fall für die Vereinten Nationen

Die Hauptakteure verschliefen alles. Die Große Hufeisennase aus dem Fledermaushaus befindet sich im Winterschlaf. Dafür waren ihre Geburtshelfer glücklich: Das Engagement wurde als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet.

Das Fledermaushaus in Hohenburg mit der Großen Hufeisennase wurde als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

"Geadelt", nannte es Fledermaus-Experte Rudolf Leitl. Am Freitag kamen alle Vertreter der Organisationen, die mit der Rettung der verloren geglaubten Art zu tun hatten, in den Bürgersaal des Rathauses nach Hohenburg: Christian Barth, der Amtschef des Bayerischen Umweltministeriums, überreichte den Projektträgern eine Urkunde, eine Plakette und einen Vielfalt-Baum aus Holz.

"Die Schutzbemühungen um die seltenste Fledermausart Deutschlands zählen damit zu einem der vorbildlichen Projekte, die sich in besonderer Weise für den Erhalt der biologischen Vielfalt einsetzen", so der Laudator. Das Beispiel Hohenburg zeige, dass Artenschutz möglich und der rasante Artenverlust im Einzelfall auch aufzuhalten oder zu stoppen sei. Dass die Große Hufeisennase nun in die Biodiversitätskampagne der Vereinten Nationen aufgenommen worden sei, "macht uns in ganz Bayern stolz".

Seit den 70er-Jahren sei die Artenvielfalt um 60 Prozent zurückgegangen. "Das sind bedrohliche Zahlen, die uns zum Handeln veranlassen müssen. Norbert Schäffer, Vorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz, bezeichnete die Große Hufeisennase als etwas "ganz, ganz Besonderes". Hohenburg sei der letzte Ort, an dem sie sich fortpflanzt.

"2012 bis 2017 ist die Kolonie von 83 auf 184 Tiere angewachsen", ergänzte Leitl mit Zahlen. Für den Naturschutzfachmann Schäffer ist das Projekt ein "Leuchtturm für gelungenen Artenschutz". Landrat Richard Reisinger bezeichnete das Fledermaushaus als Win-win-Situation für den Markt und den Landkreis. "Es sorgt für bemerkenswerte Folgeprojekte." Eines davon, so hofft Bürgermeister Florian Junker, könne vielleicht schon bald verwirklicht werden: Geht es nach dem Gemeindechef, so soll im Herzen Hohenburgs ein Naturpark-Hirschwald-Zentrum entstehen. Dafür könne ein leerstehendes Gebäude genutzt werden.

LBV-Landesfachbeauftragter Andreas von Lindeiner hob die "echte Partnerschaft" der Beteiligten bei der Projektverwirklichung hervor. Rudolf Leitl und Desiree Schwers berichteten abschließend von den Anfängen der Fledermaus-Funde, von der Renovierung des Hauses bis hin zur Schaffung günstiger Lebensräume.

Fledermaushaus:

Die Entwicklung

1988 galt die Große Hufeisennase vermeintlich als ausgestorben.

1992 wurde sie in Hohenburg in einem alten Haus entdeckt und zunächst geheim gehalten.

Bis 2008 hielt das Anwesen einen Dornröschenschlaf, dann wurde es mit Fördermitteln des Bayerischen Naturschutzfonds 2008 gekauft. Zwischen 2009 und 20011 wurde die Sanierung des Anwesens für eine Million Euro mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung vorangetrieben. Im Anschluss floss die zweite Million in die Region: Mit diesem Geld konnte günstige Lebensbedingungen für die Große Hufeisennase geschaffen werden - darunter der Bau eines Rinderstalles und Fledermaustürme, das Pflanzen von 150 Obstbäumen sowie Maßnahmen der Landschaftspflege im Truppenübungsplatz Hohenfels.

Das „Fledermaushaus Hohenburg“ und das "Life+"-Projekt „Große Hufeisennase in der Oberpfalz“ wurden jetzt gemeinsam als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Getragen wird das Projekt vom LBV und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), vertreten durch den Bundesforstbetrieb Hohenfels, in enger Kooperation mit dem Landschaftspflegeverband Amberg-Sulzbach.

Das Fledermaus-Projekt wurde von der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Von links: Florian Junker, Rudolf Leitl, Andreas von Lindeiner, Desiree Schwers, Christian Barth, Richard Reisinger, Christoph Reichelt (Regierung der Oberpfalz), Norbert Schäffer und Lothar Schmid.
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