Hohenburg
26.07.2018 - 15:44 Uhr

Auf einem guten Weg

Von Schmidmühlen bis Lauterhofen reichen die kartierten Flächen: In Hohenburg werden die Fauna-Flora-Habitat-Gebiete Lauterachtal und Fledermausquartiere Hohenburg vorgestellt.

In der Gegend von Stettkirchen liegen Geschichte und Natur mustergültig im Einklang, wenn es um die Fauna-Flora-Habitat-EU-Richtlinie geht. bö
In der Gegend von Stettkirchen liegen Geschichte und Natur mustergültig im Einklang, wenn es um die Fauna-Flora-Habitat-EU-Richtlinie geht.

(bö) Zur Vorstellung des kürzlich fertiggestellten Entwurfes des Managementplanes der Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Gebiete Lauterachtal und Fledermausquartiere Hohenburg hatte in den vergangenen Tagen die Obere Naturschutzbehörde der Regierung der Oberpfalz ins Hohenburger Rathaus eingeladen. Mit dabei waren betroffene Grundstückseigentümer und -pächter, Gemeindevertreter, örtliche Verbände sowie die für das Natura-2000-Gebietsmangagement zuständigen Fachbehörden.

Wie Tobias Maul von der Oberen Naturschutzbehörde der Regierung der Oberpfalz anmerkte, beschreibt der Masterplan alle erforderlichen Maßnahmen, um den günstigen Zustand des Gebietes im Lauterachtal an der einsäumenden Jurahöhen zu erhalten und gegebenenfalls wiederherzustellen. "Am Runden Tisch soll der Entwurf nicht nur vorgestellt, sondern auch diskutiert werden", erklärte er. Auch die eingegangenen Ergebnisse von Fragestellungen sollen in das Grundwerk einfließen. Seit Anfang Juli lag der Entwurf des Managementplanes bei den Unteren Naturschutzbehörden der Landratsämter in Neumarkt und Amberg-Sulzbach sowie in den Gemeinden Schmidmühlen, Hohenburg, Kastl und Lauterhofen zur Einsicht bereit.

Unter dem Namen Natura 2000 hat der Freistaat ein europaweit zusammenhängendes ökologisches Netz aus FFH- und Vogelschutzgebieten eingerichtet. Hauptziel sind der Erhalt des heimischen Naturerbes, aber auch die Sicherung einer zukunftsfähigen, nachhaltigen Landnutzung durch Landwirte und Waldbesitzer. Diese hätten in vielen Gebieten durch ihren verantwortungsbewussten und pfleglichen Umgang mit der Natur in der Vergangenheit maßgeblich zu deren Artenreichtum beigetragen, oft über Generationen hinweg, informierte Maul. Teilweise sei es ein "holpriger Prozess" bis zur endgültigen Gebietsausweisung gewesen, der wegen seiner geringen Transparenz auch heute noch von manchen Grundstückseigentümern mit Argwohn und Kritik begleitet werde. "Ziel ist es, die vorhandenen Schutzgüter des FFH- und Vogelschutzgebietes, wie Lebensräume und Arten zu kartieren, ihren Zustand festzustellen und Erhaltungsmaßnahmen zu beschreiben." Der Managementplan werde nicht nur für Grundstückseigentümer verbindlich sein, sondern auch für Behörden, die künftig die Verantwortung für den Schutz dieser Gebiete tragen. Ganz werden die Grundsbesitzer aber nicht aus der Verantwortung entlassen. "Das Bundesnaturschutzgesetz schreibt ein Verschlechterungsverbot für alle Natura-2000-Gebiete fest, das unabhängig vom Managementplan greift", erklärte Maul.

Den Auftrag für die Kartierung im Offenland der Lauterachtalregion, einschließlich einiger im Gebiet besonders geschützter Arten wie Biber oder seltene Libellenarten, hat die Naturschutzbehörde an Wolfgang von Brackel vom Planungsbüro IVL weitergegeben. Für die Kartierung der Waldlebensraumtypen hat Franz Eichenseer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten seine Ergebnisse in die Bestandsaufnahme eingebracht. In der Lauterach sei die Algenbildung, besonders zwischen Hohenburg und Schwarzmühle, in den Sommermonaten problematisch, merkte von Brackel an. Hier wolle man die Wasserqualität verbessern. Als Maßnahmen nannte er die Ausweisung von Pufferstreifen und die natürliche Beschattung. Gute Qualitäten gebe es im Bereich der vielfältigen Trockenrasenstandorte.

Auf den Biber sind vor allem die Grundstückeanlieger an der Lauterach nicht gut zu sprechen. "Da hat sich ein regelrechtes Feindbild aufgebaut." Aus dem Bereich des Fischereiwesens informierte Christian Harrandt vom Fachausschuss für Fischerei. Mit in diese EU-Expertise einfließen werden Aussagen des Wasserwirtschaftsamtes Weiden, des von Richard Lehmeier geleiteten Landschaftspflegeverbandes Amberg- Sulzbach sowie dem Fachreferat für Umwelt und Naturschutz, dessen Vertreter Heinz Nefe ebenfalls in Hohenburg dabei war.

In Bayern sind 84 Vogelschutzgebiete und 674 FFH-Gebiete ausgewiesen. "Im Bereich des Lauterachtales von Schmidmühlen über Hohenburg, Kastl bis Lauterhofen sind es 822 Hektar in den Landkreisen Amberg-Sulzbach und Neumarkt", sagte Maul. Dazu kommen noch drei Fledermausquartiere mit der Wochenstube der Großen Hufeisennase in Hohenburg. Ziel sei es künftig auf lückigen, basophilen oder Kalk-Pionierrasen zu achten, feuchte Hochstaudenfluren und magere Flachland-Mähwiesen voranzubringen. Auch kalkhaltige Schutthalden und Auen- oder Kiefernwälder wären gut.




Zum Runden Tisch in Sachen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie hat die Obere Naturschutzbehörde der Regierung der Oberpfalz ins Hohenburger Rathaus eingeladen. bö
Zum Runden Tisch in Sachen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie hat die Obere Naturschutzbehörde der Regierung der Oberpfalz ins Hohenburger Rathaus eingeladen.
Idylle an der Lauterach ist dieser uralte Versatz in Adertshausen inmitten des Fauna-Flora-Habitat Gebietes unweit des Tummelplatzes für die Hufeisennasen. bö
Idylle an der Lauterach ist dieser uralte Versatz in Adertshausen inmitten des Fauna-Flora-Habitat Gebietes unweit des Tummelplatzes für die Hufeisennasen.
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