04.03.2019 - 17:07 Uhr
HohenburgOberpfalz

Krautköpfe und die Sünderkartei

Klaus Falk zwirbelt den längsten Rettich. Und mittendrin sind die Hohenburger Fledermausgarde und die kleine Büttenrede des Hofnarren.

Das Hohenburger Prinzenpaar Emma I. und Prinz Ludwig I hatte nicht nur ihren Hofnarren Hans Wolfsteiner im Gefolge, sondern auch die Fledermausgarde.
von Paul BöhmProfil
Die Hohenburger Fledermausgarde gewann die Herzen der Krautkopfballbesucher im Sturm mit ihrem Garde- und Showtanz im ausverkauften TUS Sportheim

Der Krautkopfball ist kein Ball der üblichen Machart. Er ist als uriges, geselliges Maschkerer- und Narrentreffen der Gartenbaufreunde und ihrer Anhänger etabliert. Ungewöhnlich ist für das Gaudium, dass es am Faschingssamstag um 13.13 Uhr beginnt. Das ausverkaufte TuS-Sportheim war nicht nur Treffpunkt der "Krautköpfe" und der Fledermausgarde, sondern auch das Mekka der besten Rettichzwirbler aus Hohenburg und Umgebung.

Die Idee für den Ball dieser Art hat schon fast 40 Jahren auf dem Buckel. Für den nötigen Faschingsschwung sorgte abermals der Hias, den man schon wegen seiner Sträflingsverkleidung als lebenslänglichen Musikanten dieser illustren Feiergemeinschaft ansehen muss. Besondere Attraktion war nicht nur das Rettichzwirbeln, sondern auch der Auftritt der Fledermausgarde. Wer den längsten Rettich auf den Tisch zwirbelt, ist Faschingskönig der Gartenbaufreunde. Der Rettichschneider und sein Salzer müssen ein Team sein, denn sonst will die Sache nicht gelingen. "Salz macht den Rettich mürbe und damit biegsam", das ist das große Geheimnis, wenn der Rettich wie eine Spirale auseinandergezogen wird. Nur abreißen darf das gute Stück nicht, sonst geht die gestrenge Wertungskommission an den Meistern vorbei.

Klaus Falk ist nicht nur Hohenburger Feuerwehrkommandant und Kirchenpfleger, sondern auch der beste Rettichzwirbler - das haben abschließende Messungen ergeben. Auf 2,26 Meter hat er seinen Radi, ohne ihn abzureißen, aufgezwirbelt. Den zweiten Platz erreichte Josef Kölbl mit 1,94 Meter und den dritten Platz schaffte Johannes Reindl als Newcomer. Auf die weiteren Plätze kamen Stefan Irlsbacher, Kathrin Mändl und Ingrid Weigert.

Hofmarschall und Hofnarr Johann Wolfsteiner von der Fledermausgarde hatte nicht nur einen tollen Auftritt anzukündigen - er wusste auch einiges aus der Faschingssünderkartei zu berichten. "Der Markt wird langsam öde und leer, es gibt ja bald keine Wirtshäuser mehr. Die Mosnerin und die Hammermühle haben noch offen, das gibt uns grad ein wenig Hoffnung."

Jede Taufe, Kommunion, Firmung, Hochzeit und sogar ein Stammtisch wird eine endlose Eierei: "Fahrt's ihr dann in die Stadt und sucht's an Wirt, der was Bayerisches euch serviert. Bei der Hochzeit fährst zum Türken, der euch an Hammel schlacht' und daraus einen Döner macht. Das Zeitlos ist noch eine Bastion, doch bedrohliche Gerüchte hört' ich als Hofnarr schon." Der Wirt habe kaum mehr Lust aufzusperren: "Er denkt, die Gäste hätten ihn nicht gern", so die spitze Feder des Hohenburger Hofnarren Hans. "Steckt dahinter gar ein fieser Plan, mit dem der Frauenbund den Markt beherrschen kann." Erheiterung brachte da nur der tolle Auftritt der Fledermausgarde mit ihrem Showtanz und ihrer Reise in die Karibik zu Captain Jack Sparrow für einen Ausflug mit seiner Black Pearl.

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