Über 200 Wanderer erkunden Truppenübungsplatz Hohenfels

Hohenfels
17.05.2023 - 16:33 Uhr

Es war eine Wanderung, bei der der Bogen gespannt wurde von Heimat zu verlassener Heimat, von Zuhause sein zu Vertreibung: die Tour in den Truppenübungsplatz Hohenfels.

Bei der Wanderung des Bundesforstbetriebs Hohenfels und des Heimat- und Kulturvereins Schmidmühlen ging es nicht nur um die Geschichte manch verlassener Ortschaften, es ging auch um die Schönheit der Landschaft sowie die Verletzlichkeit der Natur und um die Folgen des Klimawandels. Markus Perpeet und Manfred Kellner vom Bundesforst verstanden es hervorragend, mit wohldosierten Informationen „rund um Natur und Kultur“ die Wanderer zu informieren und zu begeistern.

Erste Station der Natur-KulTour war die kleine Wallfahrtskirche Hl. Dreifaltigkeit auf dem Kreuzberg. Der vorgeschichtliche Ringwall auf dem Kreuzberg zeugt von der langen Besiedelungstradition des Vils- und Lauterachtals. Seit ihrer Entstehung ist die Kreuzbergkirche eine vielbesuchte Wallfahrtsstätte, wovon zahlreiche Votivbilder zeugen. Als einzige Enklave im Truppenübungsplatz Hohenfels ist die Kreuzbergkirche bis heute das Wahrzeichen des Marktes Schmidmühlen.

Durch den Keltenwall ging es schließlich in den Truppenübungsplatz. Forstdirektor Markus Perpeet stellte den 160 Quadratkilometer großen Übungsplatz als landschaftlich faszinierendes Stück Oberpfälzer Jura vor. Hügel wechseln sich mit Tälern, Wälder mit Freiflächen ab. Dolinen, Lesesteinhaufen, einstige Hutewaldungen, Karsthöhlen und Felsabbrüche zeugen von einer vielfältigen Kultur- und Naturlandschaft.

Folgen der Umsiedlung

Viele Menschen wurden bei der Gründung und der Erweiterung des Truppenübungsplatzes umgesiedelt. Ein Beispiel hierfür war der ehemalige Weiler Fischereis, das erste Ziel innerhalb des Truppenübungsplatzes. Fischereis gehörte ursprünglich zur Gemeinde Bergheim. Hier erzählte Karl Fochtner, dessen Familie aus Fischereis stammt, über die Ablösung und deren Folgen. Die Familie habe nicht nur ihren Bauernhof verloren, sondern mit der Währungsreform auch die Ablösesumme und ging so gänzlich leer aus. Die Matrikel der Diözese Regensburg beschreibt Fischereis im Jahr 1916 als eine Einöde mit „einem Haus und sechs Seelen“.

Die Tour durch den Truppenübungsplatz nutzte Perpeet aber nicht nur zur Darstellung der Heimatgeschichte, sondern auch um auf die Bedeutung des Naturschutzes einzugehen. Die forstliche Betreuung werde durch den teilweise belastenden Übungsbetrieb auch besonders auf die Belange der Umwelt ausgerichtet. Große Chancen bestünden hier ohne viel Infrastruktur, Verkehr, Pestizid- und Düngereinsatz für den Natur- und Artenschutz. So gebe es regelmäßig Maßnahmen zum Erhalt der vielfältigen Flora und Fauna. Möglichst viele heimische Arten sollen im Gebiet des Truppenübungsplatzes eine gesicherte Zukunft haben, erklärte der Forstdirektor. Es gelte dabei auch, ökologische Netzwerke zu kennen und zu wahren. Viele seltene Tiere wie die Gelbbauchunken oder der Uhu hätten hier eine neue Heimat gefunden.

Klimawandel ist sichtbar

Doch auch bei der Wanderung stieß man immer wieder auf die Folgen des Klimawandels, sei es das Eschensterben oder verdorrte Kiefern. Markus Perpeet: „Der Klimawandel findet nicht irgendwo auf der Welt statt, sondern auch vor unserer Haustüre, in unserer Heimat.“

Hauptziel der Wanderung war schließlich die als „Fledermauskirche“ bekannte St.-Ägidius-Kirche in Bergheim. Ein gelungener Abschluss der Wanderung war eine Maiandacht mit Pfarrer Werner Sulzer, musikalisch begleitet von Helene und Christine Kellner.

 

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