11.02.2019 - 10:41 Uhr
Hohenhard bei WaldershofOberpfalz

"Ein Auto muss her"

Die Anäider Wehr braucht ein Einsatzfahrzeug. Doch der Vorsitzende sieht keine Veranlassung für eine Kostenbeteiligung von 50 Prozent. Er verweist auf die Pflichtaufgaben der Stadt. Die fehlende Mobilität birgt Gefahren für die Aktiven.

Sie leiten das Geschick der Hohenharder Feuerwehr in den nächsten sechs Jahren: Im Bild von links Kreisbrandmeister Günther Fachtan, Kommandant Stefan Schich, dritte Bürgermeisterin Gisela Kastner, Christoph Kastner, Reinhard Kastner, Erhard Sammeth, Thomas Kuhbandner, Markus Greger, Armin Köllner, Johannes Greger, Klaus Hellerl, Julia Greger und Manuel Kastner.
von Oswald ZintlProfil

Das Beste kommt meist zum Schluss. So auch bei der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Hohenhard am Samstagabend. Vorsitzender Reinhard Kastner, der bei den Neuwahlen im Amt bestätigt wurde, machte an die Adresse der Stadt Waldershof deutlich: „Ein Auto muss her. Wir müssen zu den Einsätzen – vor allem bei technischen Hilfeleistungen und Beseitigungen von Sturmschäden auf den Straßen, die oft besondere Gefahren bergen - mit unseren Privatautos ausrücken. Das ist auf Dauer keinem Aktiven mehr zuzumuten.“ Und Kastner machte sich weiter Luft, auch mit Blick auf die Kommunalwahlen 2020: „Ich sehe nicht ein, dass wir uns aus der Vereinskasse mit 50 Prozent an der Anschaffung beteiligen. Das störrische Bergvolk kann zum Zünglein an der Waage werden.“

Diese Aussagen führten zu einer lebhaften Diskussion. Dritte Bürgermeisterin Gisela Kastner sagte dazu: „Da wird gegen den Stadtrat geschossen. Das trifft nicht auf mich zu, und dagegen verwahre ich mich. Die Anliegen der Wehr sind berechtigt. Die Finanzierbarkeit ist eine andere Geschichte.“ Stadtrat Willibald Reindl betonte: „Es muss was passieren. Die Feuerwehr trifft immer auf offene Ohren im Stadtrat. Allerdings steht auch in der Satzung, dass der Feuerwehrverein die Aktiven unterstützt.“

Kleinste Wehr für größtes Gebiet

Kommandant Stefan Schich ergänzte: „Wir sind die kleinste Wehr im Stadtbereich und haben von der Fläche her das größte Gebiet zu betreuen. Die Forderung nach einem Einsatzfahrzeug ist mehr als berechtigt. Dass wir mit unseren Privatautos Bindemittel für Öl, Motorsägen und andere Dinge befördern, das kann nicht sein.“ Ehrenkommandant Josef Bauer erinnerte daran, dass sich die Feuerwehr bei der Eingemeindung von Hohenhard gegen die Anschaffung eines Fahrzeuges ausgesprochen habe, da damals noch viele Landwirte ihrem Broterwerb nachgingen und im Ernstfall immer ein Traktor zur Verfügung gestanden habe. Heute sei es unverantwortlich, die Aktiven zu Hilfeleistungen ausrücken zu lassen, ohne dass sie am Einsatzort gut abgesichert seien. „Wir wollen doch alle, dass unsere Aktiven wohlbehalten von ihren Einsätzen zurückkommen“, ergänzte der Ehrenkommandant. Allerdings wurde nach dieser Diskussion deutlich, dass der Stellplatz für ein entsprechendes Fahrzeug nicht ausreicht. Zudem sollte der fahrbare Untersatz mit einem Allradantrieb ausgerüstet sein. „Eine Lösung des Problems wird noch viele Gespräche und Arbeitseinsätze erfordern“, ist sich die Vereinsführung bewusst.

Großzügige Geld- und Sachspenden

In einem detaillierten Jahresrückblick erinnerte Vorsitzender Reinhard Kastner an zahlreiche gesellschaftliche Veranstaltungen und Arbeitseinsätze im zurückliegenden Jahr. Sein Dank galt allen Helfern, Spendern und Unterstützern, die das rege Vereinsleben ermöglichten. Dank sagte er an die Jugendlichen im Verein, die sich bei der Pflege der Außenanlagen des Gerätehauses, der Antonius-Kapelle und der „Drei Kreuze“ sehr engagiert eingebracht haben, sowie allen Helfern bei Veranstaltungen im Schulungsraum. Das Ferienprogramm der Stadt wurde mit einem Ausflug nach Nürnberg mit Besuch des Flughafens und des Club-Stadions bereichert. In diesem Zusammenhang machte Kastner deutlich, dass dies nur möglich war, da Firmen sehr großzügig mit Geld- und Sachspenden die Wehr unterstützten.

12 Einsätze, 255 Einsatzstunden

Kommandant Stefan Schich verwies in seinem Rechenschaftsbericht auf zwölf Einsätze – vor allem technische Hilfeleistungen - im vergangenen Jahr. Dabei wurden 255 Einsatzstunden geleistet. Weiter war die Wehr bei einer Veranstaltung der Gesellschaft Steinwaldia, beim Sonnwendfeuer beim Marktredwitzer Haus und beim "Bergrennen" im Steinwald mit Abordnungen vertreten. Zur Vorbereitung auf Einsätze fanden fünf Unterrichte und sieben Übungen mit guter Beteiligung statt. Aktuell gehören der Wehr 24 Aktive, 32 passive Mitglieder, 50 fördernde Mitglieder und elf Jugendliche - davon sechs Aktive - an. „Bei der Alarmierung zu den Einsätzen stand kein Traktor zur Verfügung, wir mussten immer mit den Privatautos ausrücken“, erklärte der Kommandant und hoffte auf eine bessere Lösung durch die Anschaffung eines Einsatzfahrzeuges. Jugendbeauftragter Christoph Kastner dankte den Jugendlichen für ihre Einsatzbereitschaft und ließ die Aktivitäten in Reim-Form und Dialekt Revue passieren.

Stefan Schich bleibt Kommandant

In der vorgelagerten Dienstversammlung war Kommandant Stefan Schich einstimmig wiedergewählt worden; neuer Stellvertreter ist Thomas Kuhbandner. Die Neuwahlen des Feuerwehrvereins brachten folgendes Ergebnis: Vorsitzender bleibt Reinhard Kastner, Stellvertreter ist Armin Köllner, Schriftführer Klaus Hellerl. Als Kassiere wurden Markus Greger und Erhard Sammeth gewählt, Jugendwart bleibt Berthold Heindl. Kassenprüfer sind Arnold Köllner, Matthias Heindl und Gerhard Kastner. Neu im Führungsgremium für den Bereich Jugend sind Johannes Greger und Manuel Kastner, Gruppenführer Christoph Kastner sowie Julia Greger für den Frauenbereich.

Dritte Bürgermeisterin Gisela Kastner bezeichnete die Anäider Feuerwehr als Event-Agentur: „Bei euch ist für alle Altersgruppen etwas geboten. Das ist eine tolle Geschichte.“ Dank sagte Kastner an die Aktiven für ihren Einsatzwillen und ihr Engagement zum Wohl der Bürger. Kastners Wunsch für die Zukunft: „Bleibt engagiert wie bisher und kommt immer gesund von den Einsätzen zurück.“

Kreisbrandmeister Günther Fachtan dankte für die gute Zusammenarbeit mit allen Wehren im Stadtbereich. Auf die zwölf Einsätze eingehend sagte er: „Ihr werdet gebraucht. Und was die technische Ausstattung angeht, wird es Lösungen geben.“ Kritisch merkte Fachtan an, dass es nach zwölf Jahren an der Zeit wäre, wieder eine Leistungsprüfung abzulegen.

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