K. o. durch Wind und Wasser

Die Jubiläumskirwa in Hohenkemnath hat es in sich: Doch so wie die Menschen dort feiern können, so halten sie auch zusammen, wenn Not am Mann ist – wie bei der Bewältigung des Unwetters vom Sonntagabend.

von Andreas Brückmann (brü)Profil

Der Hohenkemnather Kirwabaum ist eine sogenannte "Pommesgabel". Je nachdem aus welcher Richtung man nach Hohenkemnath fährt, erscheint der ganze Stolz der Hohenkemnather Kirwaleute mit seinen drei verbliebenen Ästen am Gipfel entweder als Heavy Metal Fan geballte Hand mit den zwei weggesteckten Fingern oder aus anderer Sichtweise als Dreizack. Gerade im Jubiläumsjahr hat die Kirwa in Hohenkemnath ihre sichtbaren Spuren hinterlassen.

"Ich bin einfach nur froh, dass am Sonntagabend keiner unserer Gäste zu schaden gekommen ist oder verletzt wurde", so Kirwawirt Walid "Willi" Matar am Dienstagnachmittag. Da waren die Aufräumarbeiten voll im Gange. Der Sturm, der am Sonntagabend über Hohenkemnath zog, hat nicht nur auf dem Gelände der ausrichtenden Wirtsfamilie Schäden hinterlassen, wie berichtet wurden Dächer teilweise abgedeckt, Autos durch umstürzende Bäume demoliert. Und auch das Zelt, welches durch die Hohenkemnather Reservisten zur Verfügung gestellt wurde, zum Einstürzen gebracht.

Hermann Knauer und Manfred Rösl, die Vorstände der KSK/RK Hohenkemnath sorgten am Montagvormittag dann aber gleich für Ersatz. "Eigentlich war es schon verrückt, viele Gäste haben das Zelt während des Sturms festgehalten." Aber der Wind war stärker, verbog sämtliche Stangen und mit den auftretenden Wassermassen war keine Rettung mehr. Das Zelt ging in der Nacht von Sonntag auf Montag in die Knie.

"Sowas haben wir hier noch nie erlebt" so die einheitliche Meinung der Hohenkemnather durch alle Altersgruppen der Bevölkerung. Nichts desto trotz merkt man, dass in Hohenkemnath immer noch alles stimmt, alle zusammenhalten, wenn Not am Mann ist. Gerade wie bei dem eigentlichen Höhepunkt des Jahres, und gerade in diesem Jahr, zum 50. Fest des Neubaus der Kirche in Hohenkemnath.

Dieser sollte und wurde auch in diesem Jahr durch die sieben Kirwapaare gefeiert. Zusammen mit Günther Bernreuther holten sie das Wahrzeichen der Kirwa, den Baum am frühen Samstagmorgen aus dem Wald. "Eigentlich ärgert es mich schon - das war heuer seit langen Jahren ein top Baum, denn ich umsägend durfte, ohne dass wirklich ein Teil davon abgebrochen ist. Die Spitze war top - und dann kommt sowas" lächelte Bernreuther am Montagmorgen beim Frühschoppen.

Und in diesem Jahr vor allem gespendet durch viele ehemalige Kirwaburschen. Unter anderen finanziert durch Olli und Tommi Rösl, Markus und Manuel Peichl, Andreas und Martin Schmidt, Michael Hofmann, Michael Englhard und Alex Meier wurde dieser seit drei Jahren wieder ganz traditionell mit Goasn am Samstagnachmittag aufgestellt. Und war der ganze Stolz der Hohenkemnather, bis es eben am Sonntagabend zum Verlust der Baumspitze kam.

Nichts desto trotz ging der Baum bei der Versteigerung am Montagabend für einen stolzen Preis von über 550 Euro an Lukas Reuß. Bei der vorausgegangenen Verlosung war Michael Dengler derjenige, der das Losglück auf seiner Seite hatte. Den Baum gab er zur Versteigerung natürlich zurück.

Vorausgegangen waren natürlich der Kirwasonntag, wo es beim Austanzen noch gut 30 Grad hatte. "Das war heuer so richtig warm aufm Podium" war die einstimmige Meinung der Kirwapaare, die in diesem Jahr eine Darstellung von fünf Tänzen vor vielen Gästen zeigten. Zwei Stunden später stand schließlich noch das Gstanzlsingen an, 15 "Dorfgeschichten" hatten die Kirwapaare dazu gedichtet.

Und als Treiber Alex Müller und Bär Nico Dzalakowski dann am Montag noch durch das Dorf zogen, da war der Wind vom Sonntagabend verflogen. "Trotz dieser knapp 15 Minuten, die am Sonntagabend wirklich deftig waren, dürfen wir vollends zufrieden sein", so Wirt Willi Matar abschließend resümierend. Aber eins will er nicht kommentieren: "Willi, du hast in zwei Jahren dein 25-jähriges Wirtshausjubiläum in Hohenkemnath." Willi lacht: "Du, da können wir nächstes Jahr drüber reden, dass sind noch zwei Jahre hin." Wer denn Hohenkemnather Wirt kennt, der kann sich aber bereits jetzt Vorstellen, dass das Wirtshausjubiläum im Rahmen der Kirwa groß gefeiert werden wird. In zwei Jahren, dann hoffentlich ohne Sturm über Hohenkemnath.

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