10.09.2018 - 16:08 Uhr
Hohenwald bei TirschenreuthOberpfalz

„Früher gabs hier einen Kirschschnaps“

Zum ersten Mal überhaupt ist der Öffentlichkeit zugänglich: Das "Hirthäusl" in Hohenwald besuchen beim Tag des offenen Denkmals viele Interessierte. Stadtheimatpfleger Eberhard Polland bietet dazu spannende Führungen.

Stadtheimatpfleger Eberhard Polland (rechts) hatte seinen „Dudldudl“ mitgebracht, aus dem anno 1850 jeden Morgen ein Hirte eine Melodie pustete. Noch mit dabei waren (von rechts) Ortssprecher Johann Schmid, Vereinsvorsitzender Johannes Bäuml, Ludwig Bundscherer (Tourist-Info) und 3. Bürgermeister Norbert Schuller. Links im Bild einige Besucher, die Interesse für die Geschichte des „Hirthäusl“ zeigten.
von Josef RosnerProfil

Ein altes Gebäude aus dem Jahr 1776 am Ortsrand von Hohenwald stieß am Sonntag beim Tag des offenen Denkmals auf starkes Interesse. Seit gut über 200 Jahren steht das Hirthaus in Hohenwald so da. Die 38 Quadratmeter im Gebäude waren seither recht durchgehend bewohnt: Nach dem Ende der Hirtentradition um 1945 wohnten bis zu zehn Heimatvertriebene in der Behausung ohne Stromanschluss.

Sanierung 2019 fertig

Zuletzt wohnte dort Maria Hollik in den 70er und 80er Jahren. Dritter Bürgermeister Norbert Schuller berichtete, dass er früher, als er hier noch die Post austrug, immer ein Gläschen Kirschschnaps bekam. Später stand das Hirthaus leer und verfiel zusehends. Das "Hirthäusl" wird aktuell wieder hergerichtet. Im kommenden Jahr, sagt Schuller, soll das Gebäude den 60 Einwohnern von Hohenwald als Gemeinschaftstreff zur Verfügung stehen.

Schuller erklärte, dass von den 250 000 Euro Gesamtkosten für die Komplett-Sanierung die Stadt Tirschenreuth immerhin 100 000 Euro aus der eigenen Kasse finanziere.

Vorbildliche Eigenleistung

Der Baufortschritt war deutlich zu sehen: Das Dach ist gesichert, die Balken im Inneren sind zum Teil erneuert. Ein frisch betonierter Boden sorgt inzwischen für gute Begehbarkeit. Bis die Hohenwalder im Hirthaus Geburtstage und Feste feiern können, wird aber noch einige Zeit vergehen. Schuller dankte den Hohenwaldern für ihre Eigenleistung bei den Arbeiten. Die vielen Besucher interessierten sich aber nicht nur für die Zukunft des Hirthauses, sondern wollten auch einen Blick in dessen Vergangenheit werfen. Beim Tag des offenen Denkmals konnte das lange leerstehende "Hirthäusl" zum ersten Mal von der Öffentlichkeit besichtigt werden.

Reiche Historie

Extra für diesen Aktionstag hatte Pollinger Recherchen zur Hirtentradition angestellt und etwa herausgefunden, dass schon 1690 ein Hirthaus in Hohenwald erwähnt wurde. Dieses Haus war damals eine Art Genossenschaftshaus in Dorfeigentum, das einem Hirten für ein ärmliches Leben überlassen wurde. Bei den anschließenden Führungen durch das Baurelikt erläuterte der Stadtheimatpfleger die Historie des Gebäudes. Dabei wusste der Historiker vieles über die Vergangenheit zu erzählen.

Ortssprecher Johann Schmid und Vorsitzender Johannes Bäuml vom rund 50 Mitglieder zählenden Verein "D'Hohenwalder", freute das große Interesse am ehemaligen "Hirthäusl". Schmid wusste, dass früher in dem alten Haus bis zu zwei Familien untergebracht waren. Die Dorfgemeinschaft kümmerte sich um die Gäste, für Speisen und Getränke war bestens gesorgt. Das schöne Wetter war sicher auch ein Grund für den guten Besuch.

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