16.07.2019 - 08:42 Uhr

Hort der stillen Einkehr

Fast auf den Tag genau vor 40 Jahren wurde die herrliche Waldkapelle des bekannten Allroundkünstlers Hermann Schneider aus Pleystein, auf dessen Grundstück in der Flurabteilung Hasenbühl eingeweiht.

Die Einweihung der Waldkapelle am 15. Juni 1979 durch Dekan und Stadtpfarrer P. Andreas Pfeiffer. Die Pleysteiner Sängergruppe umrahmte die Feierlichkeiten. Bild: tu
Die Einweihung der Waldkapelle am 15. Juni 1979 durch Dekan und Stadtpfarrer P. Andreas Pfeiffer. Die Pleysteiner Sängergruppe umrahmte die Feierlichkeiten.

Binnen eines Jahres hatte er das kleine Gotteshaus, das der Schmerzhaften Muttergottes gewidmet ist, vollkommen in Eigenregie errichtet. Am Sonntag, 15. Juli 1979, wurde die Gedächtniskapelle bei Kaiserwetter und in Anwesenheit von zahlreichen Gläubigen vom damaligen Stadtpfarrer Dekan P. Andreas Pfeiffer (1915 bis 1999) gesegnet.

Seit jenem denkwürdigen Datum wird dieser Hort der Besinnung und der stillen Einkehr inmitten des Hochwaldes immer wieder von Einheimischen und Gästen gerne aufgesucht. In 1982 wurden von Schneider die Wandmalereien realisiert. Ein Jahr später weihte Missionspater Berthold Meier das schmiedeeiserne Kreuz an der Außenwand, ein ehemaliges altes Friedhofskreuz, das von Kunstschmied August Müller renoviert wurde, und die beiden Seitenbilder an der Kapelle.

Im Juni 1985 stiftete das Urlauberehepaar Helmut sowie Mia Statner aus Mönchengladbach, langjährige gute Freude der Familie Schneider, eine Ruhebank, die neben der Kapelle ihren Platz fand. 1996 vollendete Schneider ein weiteres Kunstwerk. Er hatte von Landwirt Albert Danzer aus Miesbrunn einen riesigen Gesteinsblock mit einem Gewicht von 6,5 Tonnen erhalten. Das Alter des Findlings wurde auf etwa 570 Millionen Jahre geschätzt. Schneider ließ zwei Sommer lang seiner künstlerischer Ader freien Lauf und meißelte in vielen Freizeitstunden das Stadtwappen von Pleystein ein.

1998 wurde der neue Treppenaufgang zur Kapelle verlegt. Im selben Jahr finanzierte Hans Hartwig aus Düsseldorf ("Kloingirgl-Hans"), der des öfteren Urlaub in seinem Geburtsort machte, einen Wegweiser zur Waldkapelle. Im Jahr 2003 war der „Binnerwulfn-Hermann“ fast nur noch auf diesem beschaulichen Fleckchen Erde zwei Kilometer von Pleystein entfernt zu finden. In mühevoller Arbeit überholte er das sakrale Gebäude außen und innen. Auch das gesamte Umfeld wurde einer Sanierung unterzogen.

Dank des Engagements dieses Idealisten und Heimatfreundes, der 44 Jahre Leiter und Motor der von ihm mit aus der Taufe gehobenen Schnitzergemeinschaft Pleystein war und nun deren Ehrenvorsitzender ist, erstrahlt das religiöse Kleinod im Hasenbühl seitdem in neuem Glanz. Damit aber nicht genug: Im Frühjahr 2008 wurde in der Kapelle eine Gedenktafel und ein von Schneider geschnitztes Kreuz in Erinnerung an den viel zu früh verstorbenen Monsignore Dr. Peter Walbrunn (1959 bis 2007) aus Essen, der bei seinen Besuchen in der alten Heimat seines Vaters Karl gerne im Kirchlein im Hasenbühl verweilte und dort auch einige Waldgottesdienste und Maiandachten gefeiert hatte, angebracht. Im Herbst 2014 malte Schneider an die Rückwand der Kapelle ein Marienmonogramm. Die Stuckarbeit führte Maurer Karl Klotz aus.

Im Mai 2017 brachte Schneider in unmittelbarer Nähe des Monogramms eine Porzellanikone an und im Sommer des gleichen Jahres die Gedenktafel mit der Inschrift "Erbaut 1979. Ursula und Hermann Schneider, Pleystein". Die Werke von Schneider sind in der näheren Region überall zu finden, so zum Beispiel als Kleinaltar in der Marienkirche auf dem Fahrenberg, als Wappenwand im Rathaussaal, als Statue des heiligen Florian und als Holzkreuz im Feuerwehrgeräätehaus, als Schriften im Goldenen Buch der Stadt Pleystein oder eben auch in seiner eigenen Kapelle.

Für seine hervorragenden Verdienste um das Ehrenamt über Jahrzehnte hinweg wurde dem Idealisten 2003 durch Landrat Simon Wittmann als Dank und Anerkennung das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten überreicht. 2009 wurde er vom damaligen Bürgermeister Johann Walbrunn in Würdigung seines Engagements in der Heimat- und Brauchtumspflege mit dem "Pleysteiner Taler" ausgezeichnet.

 
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