Hütten bei Grafenwöhr
14.04.2024 - 08:58 Uhr
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Spielplatz in Hütten geschlossen: Enttäuschte Eltern suchen nach neuer Lösung

In Grafenwöhr kümmern sich Interessensgemeinschaften um Spielplätze, so auch in Hütten. Doch nun hat sich der KAB-Sozialverband aufgelöst. Die Stadt will den Spielplatz partout nicht betreiben. Eine Mama startet eine Unterschriftenaktion.

Die Sonne scheint in diesen Tagen, bestes Spielplatzwetter. Doch die Kinder in Hütten stehen mit ihren Eltern vor einem Bauzaun. Der einzige Spielplatz des Grafenwöhrer Ortsteils wurde von einem Tag auf den anderen gesperrt. Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Hütten hat sich aufgelöst. Ein Teil der Mitglieder kümmerte sich im "KAB-Spielplatz-Team" ehrenamtlich um den einzigen Spielplatz im Ort. Muss wegen der Auflösung des Verbands nun der Spielplatz komplett geschlossen werden, fragen sich ortsansässige Eltern. Eine Mama meint, es sei Aufgabe der Stadt, sich um den Spielplatz zu kümmern. In einem offiziellen Bürgerantrag sammelt Stephanie Palecki Unterschriften, um den Spielplatz zu erhalten.

"Wir brauchen ein Prozent der Wahlberechtigten", erklärt Palecki. In Hütten haben 200 Menschen auf dem Antrag unterschrieben, ebenfalls in Grafenwöhr. Am Ende der Sammlung soll der Antrag der Stadt ausgehändigt werden. Die Enttäuschung bei den Eltern angesichts der Sperrung ist groß. Die zwei Mädchen von Palecki, ein und zwei Jahre alt, sind im besten Spielplatzalter. Eine der Überlegungen: Könnten es die Mitglieder der Feuerwehr in Hütten stemmen? Palecki meint: "Alles hängt an einem Verein. Das kann nicht sein." Ihr Mann ist bei der Feuerwehr engagiert. Ein solches Ehrenamt mit der Spielplatz-Betreuung bringt auch Bedenken mit sich: "Da hat man Angst, dass immer die gleichen Ehrenamtlichen dann allein da stehen." Palecki erzählt von den Eichenbäumen auf dem großen Platz. Rasenmähen steht an. "Das ist viel Arbeit", sagt Palecki. Sie ist außerdem im Elternbeirat des Kindergartens aktiv.

Berufstätige Eltern

Ihr sei an einer langfristigen Lösung gelegen. Eltern hätten meist nur in den Jahren Interesse, solange der Nachwuchs dort spielt. Die Eltern von heute könnten sich nicht auch noch um einen Spielplatz kümmern. "Die 40-Stunden-Woche, berufstätige Mütter, es hat sich viel verändert", erzählt sie. Es gehe nicht darum, Arbeit "wegzurücken".

Dass ein Spielplatz mit Arbeit verbunden ist, weiß Julia Waldmann. Die Stadträtin (CSU) kommt aus Hütten und war als Mutter mehrere Jahre im "KAB-Spielplatz-Team" engagiert. Seit 2018 hat das Team den Spielplatz betreut. Waldmann stellt fest: "Die Bereitschaft der Eltern war nicht mehr so da." Sie sieht das "zweischneidig". Die Argumente von Eltern könne sie verstehen. Allerdings sehe sie den Gedanken der Stadt Grafenwöhr: Durch die Aufgabe, sich gemeinsam zu kümmern, soll eine Gemeinschaft entstehen.

Wenn es ums Ehrenamt geht

Seit 31. Dezember 2023 existiert der KAB-Ortsverband nicht mehr. Das "Vertragsverhältnis" zum Kinderspielplatz wurde auch aufgelöst. Eine klare Botschaft an Eltern hat der Sprecher des KAB-Teams, Gerhard Mark, ein Urgestein aus Hütten, jahrelang engagiert und ebenfalls Stadtrat (CSU): "Bloß Forderungen stellen, ist auch nicht die richtige Entscheidung. Ich finde das ganz schade, dass so ein schöner Kinderspielplatz still liegt, weil niemand da ist, der sich dafür verantwortlich zeichnet." Mark weiß, welche Aufgaben sich ergeben. Der Rasen muss gemäht werden, die Spielgeräte müssen in Ordnung sein. Er sieht durchaus das Problem der Verantwortlichkeit bei der Haftung bei Unfällen. "Das müsste von oben runter in irgendeiner Form geregelt werden", sagt er und fordert fürs Ehrenamt von der Politik: "Gesunder Menschenverstand muss her, keine Formulare."

"Wenn keine Nachfolge da ist, fehlt es am Interesse", so das Fazit von Bürgermeister Edgar Knobloch. Zwölf Spielplätze gibt es in Grafenwöhr, elf werden über Vereinigungen, Vereine oder Interessensgemeinschaften betrieben. "Das klappt hervorragend, das ist der einzig richtige Weg", ist Knobloch überzeugt. Jede Spielplatzvereinigung bekommt 1500 jährlich von der Stadt für den Erhalt des Platzes. "Wir übernehmen auch die Verantwortung als Stadt", sagt Knobloch. Dass dies neue Ehrenamtliche eventuell daran hindert, sich zu kümmern, will Knobloch "nicht herunterspielen". Ja, es gebe eine "gewisse Verantwortung", doch alles sei "geregelt". Die Spielgeräte werden "in regelmäßigen Abständen" überprüft. Wenn nachweisbar dokumentiert sei, dass die Geräte in Ordnung sind, sei eine große Hürde genommen. Aktuell sei Knobloch mit einem jungen Familienvater im Gespräch. "Es ist viel mehr Motivation dabei, wenn Eltern dahinter stecken", ist er sicher. So wächst eine Gemeinschaft.

Bolzplatz als Alternative

Findet sich doch niemand, könnte die Fläche als Bolzplatz genutzt werden. Gesperrt werden musste der Spielplatz auch, weil das Klettergerüst nicht funktionstüchtig ist. Wenn es keine Spielplatzvereinigung mehr gibt, müsse geklärt werden, wem etwas gehört. "Der Übergang muss geregelt stattfinden", sagt Knobloch. Die Stadt werde Unterstützung anbieten, finanziell oder auch bei Zuschnitten von Bäumen.

Rechtsanwalt Rolf Kemper von der Arbeitsgemeinschaft Bau- und Immobilienrecht im Deutschen Anwaltverein weist auf die Verkehrssicherungspflicht auf Spielplätzen hin. Ist eine Interessensgemeinschaft für den Zustand des Spielplatzes verantwortlich, "dann sind sie für die Sicherheit verantwortlich und haften, wenn etwas passiert". Für Kommunen gebe es hier die Kommunalversicherung. Durch regelmäßige Kontrollen könnten die Verantwortlichen die "Verantwortung mindern", außerdem durch Warnungen wie zum Beispiel durch Schilder, um auf Gefahren hinzuweisen. Der Klassiker: "Eltern haften für ihre Kinder".

Je nach Ausstattung und Lage müssten täglich bis mindestens alle zwei bis drei Tage Verantwortliche den Spielplatz kontrollieren, so die Einschätzung von Kemper aufgrund seiner bisherigen Erfahrung mit Eltern, die in Neubaugebieten gemeinsam einen Spielplatz unterhalten. Im Einzelfall sei entscheidend, wie ein Platz ausgestattet ist, vor allem, ob es Spielgeräte gibt, an denen sich Schrauben lockern oder sich etwas verbiegen kann. Problematisch könne auch Bewuchs sein, etwa hohe Bäume, die schwer zu kontrollieren sein können. "Wenn man es rechtlich sieht, wirkt es riskant. Praktisch ist es aber für Elterninitiativen oft gut handhabbar, weil sich an solchen Konstellationen Eltern beteiligen, die sich sowieso täglich auf den Plätzen aufhalten."

Regelmäßige Kontrollen

Verschmutzung sei häufig ein Problem, ebenso Scherben. In Gerichtsentscheidungen stelle sich nach einem Zwischenfall meist folgende Fragen: "Hätte etwas auffallen müssen? Wie oft hat und wie oft hätte man das kontrollieren müssen? War ein Spielgerät beschädigt?" In Berlin schließen Initiativen, die in Parks tätig sind, häufig einen Vertrag. Darin ist geregelt, wer zum Beispiel den Baumschnitt macht. "Das ist eine gute Basis", sagt Kemper.

Nicht überall gibt es Interessensgemeinschaften für Spielplätze, oft übernehmen das auch komplett die Kommunen. Der Eindruck von Palecki: "Um uns herum sind die Spielplätze fast alle städtisch. Zumindest einen pro Ortschaft wünschen wir uns von der Stadt."

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Pressath17.06.2023
Hintergrund:

Beispiele öffentliche Spielplatze

  • Städtisch betrieben: Spielplatz im Stadtpark
  • Anderweitig betrieben: In der Wolfangssiedlung, Rosenhofsiedlung, Bahnhofsiedlung, im Baugebiet Ochsenhut, im Baugebiet Leitenbühl, im kulturellen Zentrum neben dem Schulsportplatz, Geismannskeller, Dorfgmünd, Bruckendorfgmünd, Gößenreuth
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