12.06.2019 - 15:05 Uhr
ImmenreuthOberpfalz

"Das BRK ist mein Leben"

Albin Schmid hat seine Berufung erst spät gefunden: Mit 44 kam er als ehrenamtlicher Mitarbeiter zur BRK-Rettungsdienstwache in Kemnath. Dafür fuhr er seinen letzten Einsatz auf dem Rettungswagen erst 2006 – mit über 70 Jahren.

Albin Schmids Lebensmittelpunkt ist das Rote Kreuz. Seit fast 40 Jahren ist er mit "Leib und Seele BRKler". Hier mit der wohl ältesten Aufnahme der Rettungskolonne Kemnath.
von PMLProfil

Auch danach blieb der gelernte Schneider und technische Angestellte „seinem Roten Kreuz“ treu. „Ich bin BRKler mit Leib und Seele“, betont Albin Schmid mit Stolz. Denn auch mit 82 Jahren lässt ihn der Rettungsdienst nicht los. Obwohl er selbst einige gesundheitliche Rückschläge hinnehmen musste, unterstützt er den Verband noch immer so gut er kann und ist auch Ehrenmitglied: „Ich bin ja auch froh, wenn ich Hilfe brauche und die Kollegen kommen.“ Für sein Engagement wurde er mehrfach geehrt. Zuletzt erhielt er im Januar die silberne „Henry-Dunant-Medaille“, eine der wichtigsten Auszeichnungen, die das Rote Kreuz vergibt. Sie ist benannt nach dem Begründer der internationalen Rotkreuz-Bewegung.

Angefangen hat alles 1952, als er mit 16 Jahren zur Feuerwehr in Immenreuth kam. Dort war er lange aktives Mitglied, Schriftführer, Kassier und zeitweise auch Vorsitzender. Zum Roten Kreuz und der Rettungsdienstwache in Kemnath kam er durch einen Arbeitskollegen und Feuerwehrkammeraden. Der war bereits im Rettungsdienst aktiv. „Der hat g’meint, du hast doch Interesse daran, geh doch mal mit.“ Das war 1981 – und er blieb: „Das BRK ist mein Leben!“

Lieber helfen als fahren

Bevor es mit dem Dienst im Rettungswagen los ging, standen die Sanitäter-Ausbildung und eine extra Weiterbildung an, um das Fahrzeug lenken zu dürfen. „Der erste Dienst war dann die Absicherung eines Fußballspiels“, erinnert sich Schmid. Damals mussten Ehrenamtliche anfangs eine Zeit lang kleine Einsätze machen, bevor sie zu den Rettungseinsätzen eingeteilt wurde. Vor dem ersten Unfalleinsatz hat der Vorgesetzte gefragt, ob er mit dem zurechtkäme, was da auf ihn zukomme. „Ich hab vieles gesehen. Viel Leid und schwere Unfälle. Aber ich hatte damit nie ein Problem.“ Dementsprechend viel hätte er auch zu erzählen gehabt, „aber wir hatten Schweigepflicht, und ich hab nie was erzählt. Da war ich immer ganz ehrlich“.

Beim Dienst auf dem Rettungswagen hatte der Immenreuther ganz klare Vorlieben. Er wollte nicht gerne Fahrer sein, auch wenn das die Hauptaufgabe der ehrenamtlichen Kräfte war. Er wollte lieber dem Arzt und dem Patienten helfen. „Ich bin schon gefahren. Aber ich hab immer gefragt, ob es geht, dass ich hinten mit rein darf und helfen kann. Und die anderen haben es auch genau gewusst: Ich will den Leuten helfen. Und meistens war ich dann beim Patienten und beim Notarzt mit dabei“. Und er ist so lange aktiv mitgefahren, wie es seine eigene Gesundheit und Kraft zuließen: „Ich will nicht einen Kranken noch kränker machen, also hab ich mit 70 aufgehört.“

Verbandsarchiv als Aufgabe

Heute kümmert er sich um die Dokumentation des Verbandslebens: Er sammelt alles an Unterlagen, was er zur Rettungswache in Kemnath und zum BRK im Bereich Tirschenreuth und Neustadt/Weiden finden kann. Er schneidet Zeitungsartikel aus und sortiert diese in Ordnern ein. Er steht in Kontakt mit praktizierenden und ehemaligen Ärzten sowie anderen Mitgliedern und sucht nach alten Fotografien und Berichten. „Über sieben solcher Ordner habe ich schon zusammen! Um das alles mal durchzuarbeiten, da bräuchten wir ja eine ganze Woche.“

Das wertvollste Stück seiner Sammlung ist eine originale Fotografie der „Rettungskolonne“ von 1929/1930, die er vor Jahrzehnten vor der Vernichtung gerettet hat. Sie ist zumindest bis jetzt die älteste bekannte Fotografie des etwa 1924 gegründeten Rettungsstandorts in Kemnath. Durch einen Zufall konnte er auch die Namen von fast allen abgebildeten Personen herausfinden. Ein Bekannter erkannte die meisten Gesichter. „Der hat mir dann die Namen dazugeschrieben. Wie sie alle heißen und auch was die waren, Medizinalrat und so.“

Eigentlich wollte er über seine Unterlagensammlung ein Buch schreiben, eine Chronik der Rettungswache Kemnath. Aber daraus wird aktuell wohl nichts mehr. Denn das lassen seine Gesundheit und die Sehkraft nicht mehr so einfach zu. Er hat sich schon darum gekümmert, was mit seinen Unterlagen passieren soll: „Der Enkel weiß, da oben am Dachboden steht ein Schrank mit den Ordnern drinnen, und die kriegt die Rettungswache. Was die damit machen, müssen sie selber wissen. Da ist auch noch was von meiner Dienstkleidung dabei, meine Notfalltasche und mein Blutdruckmessgerät. Das musste damals ja jeder haben.“

Jubiläum steht an

Bevor es aber soweit ist, möchte Schmid noch so viel wie möglich an alten Unterlagen zur Rettungsdienstwache sammeln. „Wenn da jemand was hat, bin ich immer über Kopien und Informationen froh.“ Dieses Jahr im Herbst steht das 95. Jubiläum des Rettungsdienststandorts in Kemnath an: „Da haben sie schon angefragt, ob sie sich die Unterlagen mal durchschauen können. Die wissen ja, dass ich sehr vieles habe.“

Das kleine Jubiläum werde für die Rettungswache auch gleich der Probelauf für die 100-Jahr-Feier in fünf Jahren, erklärt Sven Lehner, stellvertretender Geschäftsführer beim BRK-Kreisverband Tirschenreuth. „Da sammeln wir selbst auch jetzt schon alles an Informationen und Bildern, damit das gut vorbereitet ist.“

Albin Schmids Lebensmittelpunkt ist das Rote Kreuz. Seit fast 40 Jahren ist er mit "Leib und Seele BRKler".
Albin Schmids Lebensmittelpunkt ist das Rote Kreuz. Seit fast 40 Jahren ist er mit "Leib und Seele BRKler".
Albin Schmids Lebensmittelpunkt ist das Rote Kreuz. Seit fast 40 Jahren ist er mit "Leib und Seele BRKler".
Albin Schmids Lebensmittelpunkt ist das Rote Kreuz. Seit fast 40 Jahren ist er mit "Leib und Seele BRKler".
Die Mannschaft der Rettungswache im Jahr 1990 - Albin Schmidt mittendrin.
Das Bild der Rettungskolonne aus dem Jahr 1929/30 ist wohl die älteste Fotografie der 1924 gegründeten Rettungswache.
Albin Schmids Lebensmittelpunkt ist das Rote Kreuz. Seit fast 40 Jahren ist er mit "Leib und Seele BRKler".
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