Sein Referat in der Jahreshauptversammlung des Obst- und Gartenbauvereins (wir berichteten) hatte Harald Schlöger mit "Der insektenfreundliche Garten" überschrieben. Der Schwund von Flora und Fauna habe auch die Dörfer und Siedlungen erfasst, meinte der Kreisfachberater. Zunehmende Versiegelung, abnehmender Baumbestand vor allem bei den prägenden Großbäumen und weniger offene Wasserflächen führte er anhand von Bilderbeispielen an.
Aktuelle Studien wiesen bei Insekten einen Rückgang der Individuenzahl von 80 Prozent und mehr nach. Diese negative Entwicklung sei in weiten Teilen des Landkreises Tirschenreuth noch nicht so spürbar wie in den Ballungsräumen. Die Region sei noch geprägt durch eine reich strukturierte Landschaft, Dörfer mit langer Geschichte und vielen gewachsenen Strukturen. Diese schöne, abwechslungsreiche Kulturlandschaft gelte es zu erhalten. Sie sei durchaus ein Pfund, mit dem man in Zukunft wuchern könne.
Der richtige Umgang mit der Natur setze ein fundiertes Wissen über die Zusammenhänge ökologischer Kreisläufe voraus. So könnten oft kleine Maßnahmen einen weit höheren Nutzen erzielen als eindrucksvolle und aufsehenerregende Aktionen. Immerhin sei die Fläche, die als Gärten in Bayern genutzt werden, größer als 80 000 Hektar. Bereits vor der eigenen Haustüre könne jeder mit einfachen Mitteln durch die Anlage von Hecken, Feucht- und Trockenbereichen in Form von Mauern oder Steinhaufen ökologisch bedeutsame Rückzugsgebiete für Tiere und Pflanzen schaffen, betonte der Referent.
Der Garten sei ein in sich geschlossener Lebensraum für Mensch, Tier und Pflanze. Der Mensch sei dabei nur ein Teil, der sich in das Gesamtgefüge einreihen müsse. Schlöger bedauerte, dass der Wunsch, einen Garten pflegeleicht zu gestalten, weit verbreitet sei. Dabei seien es die Erlebnisse, die erst bei der konkreten Beschäftigung mit den Pflanzen entstehen, die nachhaltig im Gedächtnis bleiben und die Wirkung des Gartens als "Raum für das Seelenheil" haben. Mit einigen Beispielen zeigte der Redner die unheilvolle Entwicklung hin zu "modernen" Schottergärten auf, die nur vermeintlich pflegeleichter sind. In Wahrheit seien diese in höchstem Maße verschmutzungsanfällig. "Störendes Blattwerk" könne hier nur schwer beseitigt werden.
Schlöger zeigte auf, dass durch diese Entwicklungen das gesamte Dorfbild leidet und stellte den sterilen Schottergärten Aufnahmen von straßenbegleitenden Grün- und Blühstreifen, dem Zaun vorgelagerte Staudenbeete und bunte Blumenwiesen entgegen. Blühende Gärten seien doch genau das, was Kinder zeichnen, wenn sie ihren Traumgarten zu Papier bringen. Bäume mit Früchten, Wiesen mit Blumen und ein Miteinander von Mensch, Tier und Pflanzen entsprächen nämlich einer Ursehnsucht und erinnerten an paradiesische Zustände.
Dazu gehören eine gute Bodenpflege und Kompostwirtschaft, sinnvoller Umgang mit Wasser und Pflanzenschutz ohne Chemie. Die Förderung der Artenvielfalt werde durch möglichst viele blühende Pflanzen mit reichhaltigem Nektar sowie Pollen- und Samenangebot für Insekten und Vögel erreicht. Dabei seien einfach blühende Pflanzen teuren Züchtungen vorzuziehen. Laub unter Gehölzhecken diene als Schutz für Bodenlebewesen und brauche nicht entfernt zu werden.
In einer starken Gemeinschaft von Gleichgesinnten bestehe die Möglichkeit, über die Grenzen des Gartens hinaus größere Aufgaben anzupacken. Dazu zählte Schlöger das Öffnen von versiegelten Dorf- und Parkplätzen, Baumpflanzungen sowie die Anlage von Hecken insbesondere an den Ortsrändern, um einen harmonischen Übergang von bebauter Fläche zu unbebauter Landschaft zu erreichen.













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