13.09.2019 - 14:08 Uhr
ImmenreuthOberpfalz

Verwaltung wechselt die Seite

Der Gemeinderat Immenreuth tagte nicht wie sonst im Sitzungssaal des Rathauses, sondern in der Aula des Schulzentrums. Dort werden auch künftig die Sitzungen stattfinden.

Der Anfahrtsweg wird für die Gemeindemitarbeiter und Bürger gleich bleiben. Direkt gegenüber des bisherigen Standortes soll das neue Rathaus entstehen. Bis es allerdings soweit ist, wird die Verwaltung in Containern auf dem oberen Parkplatz vor der Mehrzweckhalle untergebracht.
von Bernhard KreuzerProfil

Grund ist eine Anzeige bei der Regierung und dem damit verbundenen schnellstmöglichen Neubau des Rathauses. Der Gemeinderat hatte deshalb über eine Bauvoranfrage für ein neues Dienstgebäude auf den Flurnummern 522/2 und 522/3 abzustimmen. Sie liegen schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite des Rathauses. Gegen den Antrag stimmte SPD-Fraktionsvorsitzender Erich Hader. Er forderte, vor dem Neubau alle anderen Lösungsmöglichkeiten zu prüfen. Die Abstimmung selbst war nur eine Formsache, weil die Gemeinde bereits vorgearbeitet und das Landratsamt noch vor der Sitzung die Genehmigung für den Neubau erteilt hatte.

Mitarbeiter gefährdet

Das Problem "Rathaus" ist nicht neu. 1921 wurde das Gebäude als zweiklassige Schule eröffnet. 1926 erfolgte der Anbau der teilunterkellerten Lehrerwohnung. Im Oktober 2010 berichtete Oberpfalz-Medien über das Kellergewölbe: "Gewaltig nagt der Rost an den Eisenträgern, der teilweise den Putz wegsprengt. Neu eingezogene Träger biegen sich bereits wieder leicht durch und ausgebaute sind total vom Rost zusammengefressen." Schimmel im Keller, ein undichtes Dach, schlecht entwässerte Grundmauern, so die Kurzbeschreibung aus der Gemeinderatssitzung 2010. Ein Bürger machte im Juni eine Anzeige bei der Regierung gegen die Gemeinde wegen Gesundheitsgefährdung der Mitarbeiter aufgrund des Schimmelbefalls.

Ausführlich nahm amtierendes Gemeindeoberhaupt Josef Hecht Stellung zu der prekären Situation. "In den letzten 10 bis 15 Jahren kann ich mich nicht erinnern, dass jemals eine Fachkraft der Arbeitssicherheit beziehungsweise das Landratsamt zum Thema Brandschutz beziehungsweise Standsicherheit zur Prüfung im Hause war."

Dies geschah nun in diesem Jahr. Im März hatte sich erstmals die Kommunale Unfallversicherung Bayern angemeldet. Im April folgte mit dem Ingenieurbüro Schultes und einem Statiker die Begehung der Archivräume im Dachgeschoss des Nebengebäudes und eine Schimmelprüfung. Das Gewerbeaufsichtsamt kam im Juli. Das Bauamt des Landratsamts begutachtete mit dem Kreisbrandrat im August das Rathaus.

Aus der Stellungnahme des Landratsamts geht hervor, dass der Sitzungssaal des Hauptgebäudes künftig höchstens noch mit zwölf Personen betreten werden darf. Im Nebengebäude dürfen die Räume des Dachgeschosses nicht mehr genutzt werden, ein Statiker ist zu beauftragen. Alle Problembereiche sind auf Brandschutz und Standsicherheit zu prüfen.

Die in der Anzeige bemängelte Schimmelbelastung dagegen ist kein Kriterium für den Neubau. Die im April vorgenommene Untersuchung der Schimmelbelastung im Keller hatte ergeben: "Die Raumluft aller untersuchten Räume war nicht mit Schimmelpilz belastet", berichtete Hecht. "Mir und dem gesamten Gemeinderat lag und liegt schon immer der Schutz der Bediensteten wie aber natürlich der gesamten Bevölkerung am Herzen."

Der Sitzungsleiter verwies auf den von den Fachbehörden vorgeschlagenen Umzug der Verwaltung in Container. Alternativen dazu werden nicht gesehen. Auch die Aufstellung der Container auf dem oberen Parkplatz vor der Mehrzweckhalle hat das Landratsamt bereits genehmigt. Sie werden die Parkmöglichkeiten einschränken.

Zwei Millionen Euro

Der Standort des neuen Rathauses wird den Ortskern abrunden. Die Gemeinde möchte, dass Kirche, Schulzentrum, Kreditinstitut, Einkaufsmöglichkeiten und Rathaus auf kurzem Wege erreichbar sind. Ein Standort am Ortsende würde diese Kriterien nicht erfühlen, meinte Hecht.

Auf zwei Millionen Euro schätzt der Gemeinderat die Kosten für den Neubau. Da Zuschüsse nicht zu erwarten sind, stellt die Maßnahme eine enorme Belastung des kommunalen Budgets dar. Ein Nachtragshaushalt ist dazu im dritten Quartal angekündigt.

Auf mehrere Hunderttausend Euro taxierte Bernhard Söllner (CSU) die Kosten für die Container. Geld, das für andere Zwecke besser verwendet werden könnte. Er hatte sich zuvor enttäuscht über die Anzeige eines Bürgers gezeigt, da die Problematik nicht neu sei und die Gemeinde an einer Lösung gearbeitet habe. Wegen der finanziellen Belastungen bat Roman Melzner (CSU) die Verwaltung, den Gemeinderat aktuell zu informieren. Einen Nachtragsetat hatte zuvor Eberhard Besold (FW) gefordert.

Josef Prechtl (CSU) betonte in Bezug auf den Neubau eines Feuerwehrgerätehauses, den Ortskern zu stärken. Beim Gerätehausneubau werde eine Zeitschiene von fünf Jahren angestrebt, sagte Hecht und meinte mit Blick auf beide Maßnahmen: "Für Kämmerer Thomas Kaufmann wird es eine Herkulesaufgabe."

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