08.10.2021 - 10:44 Uhr
IrchenriethOberpfalz

Behindertenarbeit in Zeiten der Pandemie

„Teilhabe“ ist Gesetz. Menschen, die nie in ihrem Leben gewählt haben, dürfen erstmals den Deutschen Bundestag mitwählen. Da tauchen Fragen auf. Ebenso, ob die „Offene Behindertenarbeit“ als Freizeitspaß eingestuft werden kann.

Carola Preißer, Bezirksgeschäftsführer Christian Henkens (ARV), Elisabeth Milazzo (EUTB), Martina Grüner (OH), Lydia Wetzel (ARV) und Alexander Grundler (vorne) stimmen die Offene Behindertenarbeit in Weiden und dem Landkreis Neustadt ab (von rechts).
von Ernst FrischholzProfil

Die Offene Behindertenarbeit, für die in Weiden der Allgemeine Rettungsverband (ARV) und im Landkreis Neustadt/WN die Offenen Hilfen (OH) am Heilpädagogischen Zentrum (HPZ) Irchenrieth zuständig sind, hat immer noch unter der Pandemie zu leiden. Noch ein Kürzel spielt eine Rolle: EUTB. Es steht für „Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung" in Weiden.

Der Arbeitskreis Offene Behindertenarbeit diskutierte die aktuelle Entwicklung. Carola Preißer vom ARV und Martina Grüner von den OH berichteten davon, dass die Behörden Offene Behindertenarbeit während des Lockdowns in den Freizeitbereich eingeordnet haben. "Ja, sind wir denn ein Spaßverein? Wir gehen doch eher in die therapeutische Richtung."

Unisono erklären die beiden auch, dass die Menschen mit Behinderung als besonders Betroffene aufgrund fehlender Kontakte sich zurückgezogen haben.

Um dagegen etwas zu tun, veranstaltete der ARV sogar einen digitalen Fasching. Aber um daran teilnehmen zu können, brauchen die Menschen ein bisschen Können und die technischen Voraussetzungen.

Lieber Kino als Wahllokal

Ein aktuelles Thema waren die Bundestagswahlen. 2019 wurde das Wahlrecht geändert. Menschen, die in allen Angelegenheiten einen Betreuer hatten, war von Wahlen ausgeschlossen und konnten nun erstmals mitstimmen. "Wir haben Wählen geübt“, berichtete Preißer. Man habe aber auch zu hören bekommen: "Nicht schon wieder wählen, wir gehen lieber ins Kino", sagt Grüner.

Die Frage, besorgter Eltern ist auch, ob Sohn oder Tochter die Bedeutung einer Stimmabgabe begreifen. Für manche ist es gut, aber für manche auch eine Überforderung, sagt Alexander Grundler dazu. "Wir haben bei der Stadt Weiden unzählige Anfragen betroffener Menschen gerade zur Wahl erhalten", fügt der Behindertenbeauftragte an.

Die Frage bei der Beratung sei aber auch: Was kann man noch sagen, ohne zu beeinflussen. In einem sind sich Preißer, Grüner und Grundler einig. Sie wollen das Projekt „Barrierefreie Innenstadt“ fortführen. Beim Schulprojekt habe man mit Aktionen wie etwa Rollstuhltraining oder dem Sinnesparcours 3500 Schüler erreicht. Das Angebot für Familien soll ebenfalls ausgebaut werden. Videoangebote, Themen-Spaziergänge oder auch das Garten-Projekt der die Entlastung von Familien durch Einzelbetreuung stehen weiterhin im Fokus.

Bilanz der Pandemie

Beim ARV sind fünf hauptamtliche und sieben ehrenamtliche Mitarbeiter tätig. Er hatte 2020 bei den 61 Angeboten 115 Nutzer und 77 Beratungskontakte. Der Familienentlastende Dienst (FED) leistete 363 Stunden. Bei den OH am HPZ sind drei Fachkräfte und eine Verwaltungskraft fest angestellt. Zudem hat die Einrichtung 78 ehrenamtliche und Mini-Job-Mitarbeiter. Manche Ehrenamtliche hätten sich wegen der Pandemie auch zurückgezogen. 236 Menschen mit Behinderung haben die Angebote aktiv genutzt. 139 wurden betreut. Freizeitangebote waren nur eingeschränkt möglich.

Für die Notbetreuung wurden Konzepte umgesetzt und dabei unter anderem das ehemalige Hotel „Hofgarten“ in Neustadt/WN genutzt.

Die Onetz-Themenseite zum HPZ Irchenrieth

 

 

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