25.03.2020 - 14:09 Uhr
IrchenriethOberpfalz

Besondere Einrichtung in besonderen Zeiten

Das Krisenmanagement beim Corona-Virus ist eine Riesenherausforderung, die es zu bewältigen gilt. Insbesondere für eine Einrichtung unter besonderen Vorzeichen wie das Heilpädagogischen Zentrum Irchenrieth.

Vielschichtiges Krisenmanagement ist in Coronazeiten besonders am HPZ in Irchenrieth gefragt.
von Ernst FrischholzProfil

Keine leichte Situation für die Unternehmensführung, die Mitarbeiter und nicht zuletzt die Betreuten am Heilpädagogischen Zentrum Irchenrieth (HPZ). Die Bayerische Staatsregierung hat für die Förderschule mit der Schulvorbereitenden Einrichtung, die Tagesstätte, die Werkstatt und die Förderstätte die Schließung bis zum 19. April angeordnet. Die Frühförderung hat den Dienst eingestellt, die Angebote der Offenen Hilfen sind abgesagt. In den Wohnstätten mit den Wohnheimen für 160 Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie im Pflegeheim ist das Besuchsrecht nicht möglich, oder sehr eingeschränkt. "Dies alles wurde vor einer Woche verfügt und wir haben prompt reagiert", sagt Vorstandsvorsitzender Helmut Dörfler, der derzeit mit Anordnungen überflutet wird. Seine letzten acht Wochen am HPZ habe er sich auf jeden Fall anders vorgestellt. Dörfler geht zum 30. April in den Ruhestand. Mit Stellvertreterin Brigitte Krause erläutert er gegenüber Oberpfalzmedien die aktuelle Situation.

Schon im Normalfall ist laut Dörfler die Arbeit für und mit Menschen mit Behinderung eine Herausforderung. Die Coronakrise stelle hier "bisher nicht für möglich gehaltene" Szenarien dazu. Als Einrichtung, die tausend Menschen mit Behinderung jeden Alters – vom Kindergarten über die Arbeit in den Werkstätten, bis hin zur Pflege im Pflegeheim – sind die Anforderungen vielfältig und die sich nun daraus ergebenden Konsequenzen noch vielfältiger. Über 700 Arbeitnehmer sorgen für den täglichen Ablauf. Der ist nun aus den Fugen geraten.

Krisenmanagement in bisher nicht für möglich gehaltenem Umfang "Wir arbeiten schon seit Wochen auf einem höheren Hygienestandard. Das Reinigungspersonal desinfiziert intensiver als bisher. Man hat den Level hoch gesetzt", erzählt Dörfler. Dies sei sicher mit ein Grund, dass es noch keinen Infektionsfall in der Einrichtung gab.

Aber: "Unser Dienstleistungsangebot ist fast auf ‚null‘", sagt Dörfler. Durch nicht erbrachte Leistungen würden die Einnahmen fehlen. Aber hier habe er schon festgestellt, dass der Bezirk Oberpfalz das HPZ nicht im Regen stehen lässt. "Schule oder Tagesstätte schließen, das geht relativ leicht. Nicht aber so die Werkstätten in Irchenrieth mit über 400 Beschäftigten und der Regenbogenwerkstatt in Weiden mit 80 Beschäftigten", betont der Vorstandschef. "Diese sind seit 18. März geschlossen. Die Betreuten haben am letzten Tag einen Zettel mit den nötigen Informationen mit heimbekommen und am nächsten Morgen kam der Bus schon nicht mehr."

Das Problem dabei ist aber laut Dörfler und Krause, dass die Produktion weiter laufen muss. Man habe Kundenaufträge und wolle diesen als verlässlicher Partner nachkommen. Als Notmaßnahme werden nun alle Betreuer in den Werkstätten direkt in der Produktion arbeiten. Zudem werden in den von der Schließung betroffene Mitarbeiter in den Werkstätten und auch der Wäscherei, die ihren Dienst nicht aufgeben kann, in der Produktion eingesetzt. "Da zeigen sich nun durchaus einige sehr überrascht, welche Leistungen die Behinderten den ganzen Tag erbringen. Zumal wenn sie an Maschinen stehen", berichtet Dörfler.

Nicht zumachen können auch die Wohnstätten. Dass die Menschen nicht raus dürfen, das wurde ihnen aufwendig erklärt. Mit Infomaterial wie „Corona in leichter Sprache und mit Bildern“. Auf dem Heimgelände dürfen sie spazieren gehen. Global gebe es natürlich auch das Problem für die Familien, die ihren behinderten Sohn oder die Tochter nun daheim haben, so Krause. Die Betreuten selbst kennen zwar Auszeiten wie etwa die drei Wochen Betriebsurlaub im August, aber bald schon wird bei ihnen das größte Problem sein, wann sie denn wieder in ihre Werkstatt dürfen. "Die Menschen brauchen diese Sozialkontakte", sagt Krause.

Unabhängig von allen Sofortmaßnahmen müsse in die Zukunft gedacht werden. Da geht es um Aufträge für die Werkstätten. Außer Acht wird man auch nicht die Bevorratung von Schutzmitteln lassen. Da habe man derzeit einen Engpass bei der Beschaffung. Hier erhofft sich das HPZ einen Finanzspielraum in den Pflegesätzen. Ungehindert von all dem laufen eigentlich die großen Baumaßnahmen wie etwa das Kinder-Projekt (Kinderhaus) oder die Förderstätte. "Im Großen und Ganzen liegen wir hierbei im Plan", sagen die Verantwortlichen. Insgesamt bescheinigen Dörfler und Krause dem Personal hohes Verantwortungsbewusstsein. "Da flüchtet niemand und alle sind bereit, wenn erforderlich, in anderen Bereichen einzugreifen." Was Dörfler und Krause in Sachen Corona erwarten: „Mutige Entscheidungen mit einer Vorlaufzeit.“

In der Krise sind besonders die Mitarbeiter des HPZ gefordert.

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