24.05.2019 - 21:11 Uhr
IrchenriethOberpfalz

Teilhabe nicht umsonst

Neue Gesetze sind nicht immer das „Gelbe vom Ei“. Sie können auch Geld kosten. Eine Million Euro betragen die Mehrkosten für das HPZ etwa beim Bau des Kinderhauses durch die Explosion der Baupreise.

Helmut Dörfler (rechts) und Johann Bock (links) erläutern Bürgermeister Josef Hammer (Zweiter von rechts) und Albert Rupprecht das Bauprojekt "Kinderhaus".
von Ernst FrischholzProfil

Über alles rund ums Heilpädagogische Zentrum (HPZ) informierten der Aufsichtsratsvorsitzende Johann Bock und der Vorstandsvorsitzende Helmut Dörfler den Bundestagsabgeordneten Albert Rupprecht. "Wir schätzen diesen Austausch sehr, sie sind ja in Gremien, die auch das HPZ betreffende Gesetze auf den Weg bringen", sagte Dörfler zu Rupprecht. Was sich da in Ministerien ausgedacht werde, sei nicht immer der Weisheit letzter Schluss.

Als Beispiel nannte Dörfler das Gesetz zur Stärkung der Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen, kurz Bundesteilhabegesetz (BTHG). Dass Teilhabe nicht umsonst zu haben ist, habe sich in den Köpfen der Politiker noch nicht festgesetzt, meinte Dörfler. Wenn man Leistungen differenziere, werde Leistung teurer. Bock erläuterte, dass nach dem Gesetz ein Behinderter entscheiden kann, was er will. Darauf könne man sich aber nicht immer einstellen. Ein Beispiel: Mittagessen. Man koche fürs Wohnheim 80 Essen. Dann würden 20 der Betreuten sagen: "Ich will heute etwas anderes essen." Und dann würden sie sich ihr Essen anderswo bestellen und es sich bringen lassen.

Jüngstes Projekt des HPZ ist das Kinderprojekt, das Bock und Dörfler vorstellten. Hier seien die gesetzlichen Bestimmungen ein großes Thema. Es bedeute "wahnsinnigen Verwaltungskram", man sei nicht frei für Ausschreibungen und Vergaben könnten durch große Büros beeinflusst werden. Mit 4,8 Millionen Euro ist der Bau des Kinderhauses laut Aussage veranschlagt. "Das war einmal, denn jetzt liegt man bei den bisherigen Vergaben schon bei 5,8 Millionen Euro", verdeutlichte Dörfler. "Grund dafür ist einmal die Tatsache, dass man ein Jahr mit planerischen Sachen und mit der Genehmigung der Zuschüsse verloren hat. Das brachte mit sich, dass man in den Bauboom hineinkam." So bekomme man kaum Angebote und wenn doch, dann wesentliche teurere.

"Leider kann ich nicht frei verhandeln wie ein Unternehmer", beklagt Dörfler. Unternehmerische Freiheit könnte hier Geld sparen. "Wo wir frei vergeben dürfen, gehen die Aufträge nur an Firmen in der Region", sagte der Vorstandschef.

Das Kinderhaus, das jetzt im Rohbau steht, ist für 24 Plätze für Kinder ab dem Schulalter bis ins jugendliche Alter ausgelegt. Es werden drei Gruppen eingerichtet. Einmal eine geschlossene Gruppe für Kinder, dann eine Gruppe für Kinder mit intensiver Betreuung und dann noch eine Internatsgruppe von Montag bis Freitag. Der Sinn dabei sei, dass die Kinder am Wochenende bei den Eltern sind und der Kontakt zu ihnen bleibe, diese aber trotzdem während der Woche entlastet seien. Ende des nächsten Jahres werde man fertig sein. "Ich versuche immer so viel wie möglich hier mitzunehmen und das habe ich heute auch wieder", resümierte Rupprecht. Er sei fasziniert, wie hier wichtige Themen aufgegriffen werden.

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