07.08.2019 - 15:50 Uhr
Kaibitz bei KemnathOberpfalz

Bhaktapurs zweite Rettung

Die Erde bebte am 25. April 2015 in Nepal und brachte in Bhaktapur 8700 Menschen den Tod. Jahrzehntelange Entwicklungsarbeit, an der der Kirchenthumbacher Martin Kohl mitgewirkt hat, war vernichtet.

Der Vorsitzende der Kulturfreunde Kaibitz, Ely Eibisch, hatte Filmemacher Robert Neuber und Martin Kohl (von links) eingeladen, die die Dokumentation „Die zweite Rettung von Bhaktapur“ vorstellten und über Hilfsprojekte vor und nach dem Erdbeben in der nepalesischen Stadt sprachen.
von Arnold KochProfil

"Die zweite Rettung von Bhaktapur" lautet der Titel eines Dokumentarfilms, der bei dem Kulturfreunden Kaibitz auf dem Abendprogramm stand. Ihn hatte Robert Neuber aus Zintlhammer als Masterarbeit im Studiengang Medienproduktion und -technik" an der OTH Amberg-Weiden gedreht. Das Konzept dazu entstand im November 2016. Bei drei Nepalreisen setzte er es in einem Dokumentarfilm um.

Der Gründer des Vereins "Wiederaufbau Bhaktapur", Martin Kohl aus Kirchenthumbach, stand bei der anschließenden Diskussionsrunde Rede und Antwort. Der Film beschreibt in dramatischen Bildern die mit einer Stärke von 7,8 über die "Stadt der Frommen" hereingebrochene Naturkatastrophe. Innerhalb einer Minute verloren viele der rund 80 000 Einwohner in der Weltkulturerbestadt ihre Heimstatt und die mit der deutschen Entwicklungshilfe aufgebaute Infrastruktur. 8700 Menschen starben unter abrutschenden Berghängen und zusammengebrochenen Häusern in der dritten und kleinsten Königsstadt im Kathmandu-Tal.

Innerhalb von Sekunden wurden 20 Jahre Entwicklungshilfearbeit zerstört. Während dieser Ausbauzeit war Kohl als Entwicklungshelfer für fünf Jahre mit seiner Familie vor Ort, leitete als Ingenieur den Aufbau der Wasserversorgung, Kanalisation, von Krankenhäusern und Straßen in der Pagodenstadt. Er lernte Kultur, Tradition und die freundlichen, hilfsbereiten Menschen kennen sowie das Land schätzen. Der Film zeigt Verletzte, überfüllte Krankenhäuser, wie Menschen mit bloßen Händen nach Verschütteten suchen; zum Glück waren am Erdbebentag die Schulen geschlossen in Bhaktapur, das von der Bergkette des Himalaya umgeben ist und im 13. Jahrhundert gegründet wurde, geschlossen.

Nach der ersten Rettung im Zeitraum 1974 bis 1985 durch das Development-Projekt war nun die zweite dringend erforderlich. Vor 1974 starben die Menschen wegen katastrophaler hygienischer Verhältnisse dort mit 35, heute im Durchschnitt mit 72 Jahren. Die Dokumentation zeigte die mit einem Stadtentwicklungsprogramm abgeschlossenen Entwicklungsprojekte, die für sauberes Trinkwasser, geordnete Abwasserentsorgung, ausgebautes Straßennetz und gesunde Wohnverhältnisse gesorgt haben. Rund 5000 Arbeiter standen damit in Arbeit und Lohn. Zehn Jahre lang danach war Bhaktapur eine blühende und wirtschaftliche vor allem durch den Tourismus aufstrebende Stadt.

Das Erdbeben habe die Stadt fast wieder ins Mittelalter zurückgeworfen. Kohl war danach zwei Mal vor Ort und initiierte über seien Verein "Wiederaufbau Bhaktapur" mit Spendenmitteln Projekte für den Wiederaufbau. Ein Schwerpunkt war die Trinkwasserversorgung. Hier half der Paul genannte UV-Wasserfilter, der ohne Chemie und Strom arbeitet. Der Verein sammelte in den vergangenen drei Jahren 160 000 Euro für den Wiederaufbau. Alle Reisen zahlten Kohl und Neuber selbst.

In der nachfolgenden Diskussion erzählte Kohl vom problemlosen Nebeneinander der durch den Buddhismus und Hinduismus geprägten Religionswelt, die von einer großen Göttervielfalt geprägt ist. Er berichtete von der humanitären Hilfe, der Ausbildung von Waisen und jungen Menschen, dem Wiederaufbau von Schulen und handwerklichen Werkstätten. "Nepal ist für die Hilfe dankbar", erklärte Kohl abschließend und bat die Patenschaft für Kinder zu übernehmen und für das Projekt an den Verein "Wiederaufbau Bahktapur" zu spenden.

Der Vorsitzende der Kulturfreunde Kaibitz, Ely Eibisch, hatte Filmemacher Robert Neuber und Martin Kohl (von links) eingeladen, die die Dokumentation „Die zweite Rettung von Bhaktapur“ vorstellten und über Hilfsprojekte vor und nach dem Erdbeben in der nepalesischen Stadt sprachen.
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